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TOURISMUS: Bergbahnen stehen unter Druck

Die Branche kämpft mit schrumpfenden Märkten. Sie muss sich etwas einfallen lassen. Einigen Bahnen in der Zentralschweiz ist das ganz gut gelungen.
Rainer Rickenbach
Der Gletscher-Sessellift «Ice Flyer» am Titlis. (Bild Pius Amrein)

Der Gletscher-Sessellift «Ice Flyer» am Titlis. (Bild Pius Amrein)

Rainer Rickenbach

Der heisse Sommer lockte Hunderttausende auf die kühlen Berggipfel. Die Bergbahnen der Region beförderten im Vergleich zum verregneten Vorjahressommer dieses Jahr bis zu 50 Prozent mehr Fahrgäste in die Höhe. Die Kassen in den Talstationen klingelten, einige Bergbahnverantwortliche sehen bereits ein neues Rekordjahr auf sie zukommen.

Weniger Wintersportler

«Ein guter Sommer ist vorab für jene Bahnen hilfreich, die im zurückliegenden Winter mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hatten», sagt Christoph Lengwiler. Er ist Leiter des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern. Zusammen mit seinem Institutskollegen Philipp Lütolf hat Lengwiler bereits zum zweiten Mal eine Studie* zur Finanzsituation der Schweizer Bergbahnen verfasst.

Daraus geht hervor, dass die schweizerische Bergbahnbranche während der zurückliegenden Jahre tendenziell Umsatzeinbussen und sinkende Gewinne hinnehmen musste. Die Ursache: In West- und Mitteleuropa befindet sich der alpine Wintersport auf dem absteigenden Ast. Die alternde Gesellschaft, der Zuzug von Einwanderern aus Ländern ohne Wintersporttradition und die günstigen Reisealternativen zu Ferndestinationen mit Strand und Palmen machen den teuren Schneesportarten zu schaffen. Für die Schweizer Bergbahnen kommt mit der starken Währung ein weiterer Hemmschuh hinzu.

Der schleichende Bedeutungsverlust des Wintersports hat die Konkurrenz in seinen Alpen-Hochburgen verschärft. Es ist von einem «Wettrüsten» die Rede. Zusammenlegung von Skigebieten, neue Bahnattraktionen, künstliche Beschneiungen, höhere Personalkosten und Sicherheitsvorkehrungen gehen in die Millionen – und sie garantieren trotzdem keinen Erfolg. Das machen Graubünden, das Berner Oberland oder das Wallis deutlich, wo Millionen für die Skifahrer investiert wurden. Der starke Franken bringt aber bestenfalls eine Stagnation, oft aber rückläufige Umsätze für die Bergbahnen mit sich.

Zentralschweiz: Guter Gästemix

Die Zentralschweiz hingegen hat es besser. Sie verfügt über bekannte Ausflugsberge, und viele Bahnen sind – anders als die ihrer inländischen Mitbewerber – nicht so sehr auf die Wintersportler aus dem Euroraum fokussiert. «Einige Bergbahnen in der Region verfügen über einen Gästemix, bei dem die Reisenden aus Asien eine grosse Rolle spielen. Kommt hinzu, dass die Zentralschweiz dank ihrer Lage über ein sehr grosses Einzugsgebiet für den Tagestourismus verfügt», erklärt Lengwiler. Allerdings könnten den auf Wintersport konzentrierten Bahnen die vergleichsweise tiefen Lagen längerfristig im Zuge des Klimawandels Probleme bescheren.

Lengwiler und Lütolf attestieren in ihrer Beurteilung den profilierten Bergbahnen der Region (siehe Texte unten), vieles richtig zu machen. Die Titlis Rotair und die Pilatus-Bahnen zählen gar schweizweit zu den besten Unternehmen der Branche.

Grosse Bergbahnen im Urteil der Experten

Christoph Lengwiler und Philipp Lütolf vom Institut für Finanzdienstleistungen in Zug (IFZ) schätzen vier Betriebe in unserer Region ein:

Titlis Rotair: Gäste aus Asien boomen

«Das Unternehmen erzielt dank seiner ganzjährig guten Auslastung und ihrem einzigartigen Kundenmix mit Schneesportlern und Touristen eine hervorragende Rendite. Es ist nur moderat verschuldet. Dank der starken Stellung im internationalen Gruppengeschäft ist die Witterungsabhängigkeit deutlich reduziert. Fehlende Residenzgäste aus dem Euroland können derzeit mit Asiaten mehr als kompensiert werden. Die Infrastruktur auf dem Titlis dürfte trotz neuer Zubringerbahn in den Hauptreisezeiten langsam an ihre Grenzen kommen und weitere Investitionen erfordern.»

Unternehmenszahlen vom Oktober 2014

Umsatz (ohne Immobilien-Verkäufe)
62,8 Millionen Franken (plus 2,6 Prozent)
Betrieblicher Cashflow
23,3 Millionen Franken
Nettoinvestitionen
15,2 Millionen Franken
Bilanzsumme
144,9 Millionen Franken
Anteil Eigenkapital
71 Prozent
Langfristige Finanzverbindlichkeiten
12 Prozent

Stanserhorn: Cabrio zahlt sich aus

«Die Weltneuheit Cabrio-Bahn wurde im Jahr 2012 sehr erfolgreich lanciert. Auch drei Jahre danach sind die Frequenzen und Umsätze auf deutlich höherem Niveau als zuvor. Entsprechend konnte die Stanserhorn-Bahn ihre Schulden bereits stark reduzieren. Die Bahn muss ihren Cashflow zwischen April und November erwirtschaften. Die Witterungsabhängigkeit dürfte vergleichsweise hoch sein. Das etwas knappe Platzangebot auf dem Gipfel und der Status als reiner Sommerausflugsberg erfordern ständige Innovationen wie zum Beispiel das Drehrestaurant Rondorama.»

Unternehmenszahlen Ende 2014

Umsatz
7,8 Millionen Franken (plus 1,3 Prozent)
Betrieblicher Cashflow
1,8 Millionen Franken
Investitionen
0,2 Millionen Franken
Bilanzsumme
23,9 Millionen Franken
Anteil Eigenkapital
46 Prozent
Langfristige Finanzverbindlichkeiten
44 Prozent

Pilatus: Die Bahn ist schuldenfrei

«Die Pilatus-Bahnen haben in den letzten Jahren sehr viel in ihre Infrastruktur investiert. Dank ihrem starken Cashflow konnten sie die Investitionen ohne den Einsatz von Bankkrediten finanzieren. Als Hausberg von Luzern wird der Pilatus nicht nur von Schweizern, sondern von vielen internationalen Individual- und Gruppengästen besucht. Dadurch reduziert sich die Abhängigkeit vom für Ausflugsberge wichtigen Wetter. Denn Seminartourismus und Events auf dem Berg verleihen unabhängig davon Schub. Entwicklungspotenzial hat der Pilatus im schwächeren Winterhalbjahr.»

Unternehmenszahlen Ende 2014

Umsatz
28,9 Millionen Franken (plus 4,3 Prozent)
Betrieblicher Cashflow
7,7 Millionen Franken
Investitionen
12,1 Millionen Franken
Bilanzsumme
49,5 Millionen Franken
Anteil Eigenkapital
89 Prozent
Langfristige Finanzverbindlichkeiten
Keine

Rigi: Neue Kunden nutzen Bahnen

«Die Rigi-Bahnen sind traditionell stark auf Schweizer Gäste ausgerichtet. Seit kurzem profitieren sie von einem steigenden Anteil ausländischer und vor allem asiatischer Gäste. Falls dieser Effekt nachhaltig bleibt, können die Rigi-Bahnen die Grundauslastung erhöhen und ihren Cashflow steigern. Dies ist notwendig, weil die Rigi-Bahnen mit der Zahnradbahn vergleichsweise hohe Infrastrukturkosten haben und vor grossen Erneuerungsinvestitionen stehen. Das weitläufige Gebiet auf der Rigi hat durchaus noch Entwicklungspotenzial.»

Unternehmenszahlen Ende 2014

Umsatz
18,2 Millionen Franken (plus 9,6 Prozent)
Betrieblicher Cashflow
5,2 Millionen Franken
Investitionen
6,6 Millionen Franken
Bilanzsumme
32 Millionen Franken
Anteil Eigenkapital
49 Prozent
Langfristige Finanzverbindlichkeiten
36 Prozent

* Finanzsituation von Bergbahnen in der Schweiz 2013/14. www.hslu.ch/ifz

Die Titlis-Bahnen. (Bild: Roger Gruetter)

Die Titlis-Bahnen. (Bild: Roger Gruetter)

Die Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn. (Bild: Boris Bürgisser)

Die Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn. (Bild: Boris Bürgisser)

Im Bild die neue Luftseilbahn Fräkmüntegg - Pilatus Kulm. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ))

Im Bild die neue Luftseilbahn Fräkmüntegg - Pilatus Kulm. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ))

Die Rigi-Bahnen. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))

Die Rigi-Bahnen. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))

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