TOURISMUS: Kurzarbeit in Skigebieten

Der Schneemangel setzt der Wintersportbranche zu. 12 Betriebe in der Zentralschweiz haben im Dezember um Kurzarbeit ersucht.

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Der leere Sessellift ueber der komplett schneefreien Wiese im Skigebiet von Leontica im Bleniotal zwischen den Stationen Cancori (1460 M. ue. M.) und Pian Nara (1940 M. ue. M.). (Bild: Keystone/Ti-Press/Francesca Agosta)

Der leere Sessellift ueber der komplett schneefreien Wiese im Skigebiet von Leontica im Bleniotal zwischen den Stationen Cancori (1460 M. ue. M.) und Pian Nara (1940 M. ue. M.). (Bild: Keystone/Ti-Press/Francesca Agosta)

Ruggero Vercellone/Red

Der warme Winter mit dem akuten Schneemangel lässt Bergbahnen, Pistenbeizen, Bergrestaurants und Hotels, Skischulen sowie Skilifte leiden. Auch wenn sich die weisse Pracht nun langsam über die Bergwiesen ausbreitet: Der fehlende Schnee im Dezember und über die Festtage drückt schwer auf die Umsätze in den Skigebieten – zum Teil so dramatisch, dass es einigen Tourismusbetrieben an die Substanz geht. Sie wenden sich deshalb an den Staat und bitten um Unterstützung.

Kurzarbeit ab 75 Prozent Defizit

Eine dieser unterstützenden Massnahmen ist die Einführung von Kurzarbeit wegen wetterbedingter Kundenausfälle. Anrecht auf staatliche Unterstützung haben im Kanton Schwyz beispielsweise Betriebe, die in drei der letzten fünf Jahre geöffnet waren und jetzt aufgrund der Witterungsverhältnisse einen Umsatzverlust von über 75 Prozent im Durchschnitt der fünf Vorjahre hinnehmen müssen. In solchen Fällen kann Kurzarbeit eingeführt werden. Die Arbeitslosenversicherung übernimmt dabei einen Teil der Lohnkosten, die trotz des Arbeitsunterbruchs entstanden sind.

54 Mitarbeiter betroffen

Im Kanton Schwyz haben für den vergangenen Dezember vier Betriebe mit insgesamt 54 Mitarbeitenden beim kantonalen Amt für Arbeit ein Gesuch für Kurzarbeit wegen wetterbedingter Kundenausfälle eingereicht, wie Marco Prause vom kantonalen Arbeitsamt auf Anfrage bestätigt.

Dass die Situation noch schlimmer sein könnte, zeigt ein Vergleich zum Vorjahr. Im Dezember 2014 waren es sechs Betriebe mit insgesamt 138 Mitarbeitenden, die ein Gesuch für die Einführung von Kurzarbeit stellten. Dennoch zeigen die Zahlen auf, dass die Tourismusbetriebe unter dem Schneemangel leiden. Im Dezember 2012 wurden keine Gesuche gestellt, im Dezember 2013 meldete bloss ein Betrieb Kurzarbeit an.

Gesuche auch in anderen Kantonen

Auch in den Kantonen Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri ist Kurzarbeit in den Skigebieten derzeit ein Thema: So teilt die Luzerner Dienststelle Wirtschaft und Arbeit auf Anfrage mit, dass im Kanton ebenfalls vier Wintersportbetriebe Gesuche um Kurzarbeit gestellt hätten. Im Kanton Obwalden sind drei Gesuche eingegangen und im Kanton Uri eines. Im Kanton Nidwalden meldet das Arbeitsamt kein Gesuch, allerdings hätten sich bereits Betriebe nach den Voraussetzungen dafür erkundigt.

Bündnerland trifft es besonders

Dennoch: In der Zentralschweiz scheinen die Wintertourismusbetriebe gegenüber ihren Kollegen aus anderen Landesteilen mit einem blauen Auge davonzukommen. So verzeichnen die Zentralschweizer Skigebiete im nationalen Vergleich solide Gästezahlen. Die Zentralschweizer Seilbahnen vermelden gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzplus von 6,4 Prozent.

Besonders schlimm scheint die Südostschweiz unter dem Schneemangel zu leiden: Wie das Arbeitsamt des Kantons Graubünden gestern meldete, haben 22 Bündner Tourismusbetriebe, darunter 10 Bergbahnen, mit insgesamt 259 Beschäftigten wegen Schneemangel und Kundenausfällen Kurzarbeit angemeldet.

Baugewerbe atmet auf

Doch wie fast immer gibt es auch hier eine positive Kehrseite der Medaille: Der milde und schneelose Winter hat bisher dem Baugewerbe im Kanton Schwyz Freude bereitet. Bauunternehmen leiden jeweils besonders unter der schlechten Witterung und können beim Staat eine Schlechtwetterentschädigung geltend machen.

Waren es im Zeitraum von Dezember 2012 bis Februar 2013 im Kanton Schwyz insgesamt 161 Betriebe, welche eine solche Schlechtwetterentschädigung angemeldet hatten, so sank diese Zahl im milden Winter 2013/14 auf 11. Im vergangenen November, als der erste Schnee fiel, waren es vier Betriebe. Die Zahlen für den Dezember 2015 waren gestern noch nicht erhältlich.