TOURISMUS: Zentralschweiz erobert Berlin

Starker Auftritt der Zentralschweiz gestern in Berlin: An der grössten Agrarmesse gabs Jodel, Käse, Trockenfleisch und Sackmesser.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Von links: Marcel Perren (Tourismus Luzern), Kurt Zibung (Regierungsrat Schwyz) und Niklaus Bleiker (Regierungsrat Obwalden). (Bild: Christoph Reichmuth)

Von links: Marcel Perren (Tourismus Luzern), Kurt Zibung (Regierungsrat Schwyz) und Niklaus Bleiker (Regierungsrat Obwalden). (Bild: Christoph Reichmuth)

Kaum durch Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet, ist die «Grüne Woche» in Berlin auch schon fest in Zentralschweizer Hand: Gestern Abend hatten die 6 Zentralschweizer Kantone einen gemeinsamen Auftritt an der grössten Agrar- und Lebensmittelmesse weltweit. Die Zentralschweiz war mit sechs Regierungsräten – Robert Küng (LU), Gerhard Odermatt (NW), Niklaus Bleiker (OW), Kurt Zibung (SZ), Urban Camenzind (Uri) und Matthias Michel (Zug) – vertreten. Für die Gäste gab es Käse, Trockenfleisch und viele Schweizer Klischees.

Wowereit am Vierwaldstättersee

Auf einem roten, herzförmigen Sofa durften sich die Gäste fotografieren lassen – werbewirksam mit dem Bild von Luzern und dem Vierwaldstättersee im Hintergrund. Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Ilse Aigner, Bundesministerin für Verbraucherschutz, haben sich bereits am Nachmittag effektvoll und von einem riesigen Medientross begleitet auf das rote Sofa gesetzt. Diese Inszenierung vor Luzerns Kulisse dürfte nicht zuletzt Marcel Perren gut gefallen haben. «Wir wollen hier Synergien nutzen – die gesamte Zentralschweiz wirbt mit dem in Deutschland sehr bekannten Label von Luzern», erklärt der Direktor von Luzern Tourismus. «Natürlich hoffen auch wir als Tourismusdestination auf den einen oder anderen zusätzlichen Gast aus Deutschland.» Touristen aus Deutschland sind mit jährlich 456 000 Touristen die grösste ausländische Besuchergruppe in Luzern.

Der gemeinsame Auftritt kostet die sechs Kantone zusammen 300 000 Franken. Die Investitionen lohnen sich, sagt Josef Dissler, Präsident des Vereins «Das Beste der Region Zentralschweiz»: «Wir können den deutschen Gästen zeigen, dass es in unserer Region nicht nur schöne Berge und Seen gibt, sondern gute und hochqualitative Produkte aus regionalen Betrieben.» In Berlin haben die Zentralschweizer Produzenten eine grosse Plattform: An der bis zum 27. Januar dauernden Messe werden über 415 000 Besucher erwartet. Mehr als 5000 Journalisten transportieren die Informationen in die Welt.

Launige Ansprache

Locker und beschwingt war die Ansprache des Schwyzer Volkswirtschaftsdirektors Kurt Zibung. Auf charmante Art ermunterte er unsere Nachbarn, ihre Ferien in der Zentralschweiz zu verbringen. Zibung meinte, eigentlich würden sich Deutsche und Schweizer doch gut verstehen. So wie die Zentralschweizer untereinander auch – trotz kleiner Differenzen, etwa der Mundart. «Nehmen wir das Wort Neubau», referierte Zibung und forderte seine Regierungskollegen dazu auf, dieses Wort in ihrem Dialekt auszusprechen. So rief Luzerns Robert Küng «Nöibou» in die Runde, Nidwaldens Gerhard Odermatt «Neybui», von Niklaus Bleiker (Obwalden) war ein «Niibui» zu hören, Uris Regierungsrat Urban Camenzind sagte «Newbüüw», und Kurt Zibung schliesslich beendete den Mundart-Exkurs mit einem kräftigen «Nüübuu». Zibung: «Trotzdem: Wir verstehen uns meistens prächtig. Uns verbindet nämlich der Vierwaldstättersee.» Und die Schweizer und die Deutschen die fast gemeinsame Sprache.

Desorientierte Regierungsräte

Berlin jem.Unweit des berühmten Berliner Kurfürstendamms am vergangenen Donnerstagabend: Drei Zentralschweizer Regierungsräte und ihre Partnerinnen konsultieren kurz vor 19 Uhr ihre Smartphones und versuchen sich mit Hilfe digitaler Landkarten zu orientieren. Klar, dass Robert Küng (Luzern), Gerhard Odermatt (Nidwalden), Niklaus Bleiker (Obwalden) auf der Suche nach dem Ristorante Via Condotti schweizerdeutsch reden. Zufall, dass der Luzerner Marco Thomann die desorientierte Truppe diskutieren hört.

Thomann, seit einem Jahr Moderator bei Spreeradio in Berlin, spricht die Gruppe an und weist der Politdelegation ortskundig den rechten Weg: «Sie sind vom Kurfürstendamm in die komplett falsche Richtung abgebogen», teilte er uns am Freitag augenzwinkernd mit.