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TRICKDIEBE: Dreiste Betrüger nutzen Gutmütigkeit aus

Betrüger, die sich als Behinderte ausgeben, treiben derzeit ihr Unwesen. In der Zentralschweiz sind sie in drei Kantonen aktiv.
Carole Gröflin
Betrüger sammeln angeblich Spenden für einen guten Zweck. (Symbolbild Archiv / Neue LZ)

Betrüger sammeln angeblich Spenden für einen guten Zweck. (Symbolbild Archiv / Neue LZ)

Tamara Baumeler ist stocksauer. Dreiste Betrüger wollten die 30-Jährige letzten Donnerstag in Schüpfheim beim Einkaufen abzocken: «Ich war gerade daran, mein Gemüse zu wägen, als ein junger Mann mit einem Papier vor mir zu wedeln begann», erinnert sie sich. Dem Dokument war zu entnehmen, dass er Geld sammelt für den Behinderten- und Taubstummenverbund, welchen es notabene gar nicht gibt. «Ich sollte mich in einer Liste mit Namen und Wohnort eintragen und dann bar meine Spende gleich überreichen», erzählt Baumeler unserer Zeitung. Da sie misstrauisch war, verweigerte sie eine Spende, woraufhin der junge Mann wütend wurde und sich davonmachte.

Mehr Erfolg hatte der junge Mann mit seinen zwei Kollegen an diesem Nachmittag bei einer älteren Frau: «Diese erzählte mir später, dass man soeben ihre Gutmütigkeit ausgenutzt habe», sagt Baumeler weiter. Das machte die junge Frau so wütend, dass sie zu Hause einen Facebook-Eintrag mit den Ereignissen verfasste. Dieser endet mit folgenden Worten: «Wie abgebrüht, respekt- und gewissenlos muss man sein, um Betroffene und gutherzige Menschen dermassen zu hintergehen?»

Der Facebook-Eintrag von Tamara Baumeler wurde mittlerweile beinahe 500-mal geteilt und über 60-mal kommentiert. In den Kommentaren melden sich Personen aus der ganzen Schweiz, welche auch schon von vermeintlich Gehörlosen angesprochen wurden. Offenbar wurden Passanten mit der gleichen Masche schon in Emmen, im bernischen Ostermundigen, in Stans und Buochs, aber auch in Sarnen und Sachseln angebettelt.

«Es stimmt, dass bei uns seit Beginn der Ferienzeit wieder vermehrt Meldungen von ‹Behinderten› eintreffen, die um Spenden bitten», sagt Marco Niederberger, Leiter der Obwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei. Diese treten oft in Gruppen vor Einkaufsläden auf und verschwinden innert kürzester Zeit wieder. «Natürlich schicken wir eine Patrouille vor Ort, wenn bei uns eine Meldung eintrifft», sagt Niederberger. Doch seien die Betrüger dann oftmals schon wieder weg, sodass sie keine Personenkontrolle durchführen könnten.

Betrüger kommen aus Osteuropa

Mehrere Male pro Woche treffen bei der Obwaldner Polizei derartige Meldungen ein. «Oft handelt es sich um organisierte Gruppen aus dem Osten Europas, die nur kurze Zeit an einem Ort verweilen und dann wieder weiterziehen», erläutert Niederberger. Er rät den betroffenen Passanten, kein Geld zu geben und sich sofort an den nächsten Polizeiposten zu wenden. «Nur so haben wir eine Chance, diesen Leuten Einhalt zu gebieten.»

Dass sich Betrüger als Gehörlose ausgeben und so auf das Mitgefühl und den Portemonnaie-Inhalt von Personen abzielen, ist nicht neu. «Bereits 2011 haben wir die Bevölkerung über die skrupellose Masche informiert», sagt Bruno Käslin, stellvertretender Nidwaldner Kripochef. Seit die Sommerreisezeit begonnen hat, haben sich die Telefonate besorgter Bürger gehäuft, die von vermeintlich Gehörlosen um Geld gebeten wurden. «Oft erkennt man bereits am Formular, dass es keine seriöse Organisation ist, die um Unterstützung bittet», führt Käslin weiter aus (siehe Box).

SBB atmen auf

Auch die SBB haben unliebsame Erfahrungen gemacht mit «Behinderten», die auf Spendengelder aus waren. Vor allem auf der Strecke Olten–Luzern und im Gebiet Lenzburg wurden im Sommer vor zwei Jahren Banden beobachtet, die bettelten und dabei Behinderungen vortäuschten. Derzeit sei es bei den SBB ruhig, sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage. Keine Vorfälle gibt es derzeit im Kanton Zug. Gemäss Luzerner Polizei gab es in den letzten Tagen keine Häufung von Vorfällen.

Carole Gröflin

Im Zweifelsfall Polizei informieren

Hilfswerke cin. Wenn Personen für eine Organisation auf der Strasse Spenden sammeln, braucht es in der Stadt Luzern eine Bewilligung der Dienstabteilung Stadtraum und Veranstaltungen. Sammlungen, die innerhalb mehrerer Gemeinden stattfinden, muss die Luzerner Polizei bewilligen.

Spenden nur an Zertifizierte
Wird man als Passant angesprochen, sollte man sich die Bewilligung und einen Ausweis der Organisation zeigen lassen. Im Zweifelsfall lieber nichts spenden und die Aktion der Polizei melden. Zum Spenden sollte man sich nie drängen lassen. Es ist Ihre freie Entscheidung, ob, wann, wem und wie viel Sie spenden. «Hat eine Organisation kein Zewo-Zertifikat auf dem Formular aufgedruckt, ist Vorsicht geboten», sagt Bruno Käslin, stellvertretender Nidwaldner Kripochef. Zewo ist die Schweizer Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Spenden sammelnde Organisationen.

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