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TUGGEN: Freiheitsstrafen für neun Männer gefordert

Im Berufungsprozess um mutmassliche sexuelle Ausbeutung im Bordell Bolenberg in Tuggen SZ hat die Schwyzer Oberstaatsanwältin für neun Männer Freiheitsstrafen gefordert. Die einzige beschuldigte Frau soll nicht bestraft werden.
Das Haus Bolenberg in Tuggen steht seit Jahren leer. Rund um die frühere Kontaktbar kreuzen aber immer noch die Pflichtverteidiger und die Oberstaatsanwaltschaft die Klingen. (Archivbild Keystone / Sigi Tischler)

Das Haus Bolenberg in Tuggen steht seit Jahren leer. Rund um die frühere Kontaktbar kreuzen aber immer noch die Pflichtverteidiger und die Oberstaatsanwaltschaft die Klingen. (Archivbild Keystone / Sigi Tischler)

Oberstaatsanwältin Carla Contratto bestätigte am Mittwoch vor dem Kantonsgericht ihre vor dem Strafgericht gemachten Anträge. Je drei Männer sollen mit unbedingten, mit teilbedingten und mit bedingten Freiheitsstrafen bestraft werden. Ihnen wird die Förderung der Prostitution vorgeworfen, bis auf einen sollen sie sich auch des Menschenhandels in unterschiedlicher Intensität schuldig gemacht haben. Die Verteidiger der Männer forderten Freisprüche.

Das Strafgericht hatte 2014 die von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafen reduziert, dies auch, weil das Verfahren wegen des Schwyzer Justizstreites verzögert worden war. Für die Verteidiger ist die vom Strafgericht wegen der langen Verfahrensdauer vorgenommene Reduktion um ein Viertel indes ungenügend.

Auf den mutmasslichen Frauenhandel gestossen waren die Ermittler 2007 bei Razzien im Bolenberg und in einem Nidauer Bordell. Gemäss Contratto ist die Strafmilderung ungerechtfertigt. Die Beschuldigten seien durch die Verzögerung nicht in ihrem beruflichen Weiterkommen behindert worden, sagte sie.

Gefühlskalter Bordellchef

Für den 30-jährigen Betreiber der Kontaktbar forderte Contratto vier Jahre unbedingt. Sie bezeichnete ihn als gefühlskalt und nur am Profit interessiert. Er habe die Frauen sogar als Maschinen bezeichnet.

Je dreieinhalb Jahre unbedingt forderte die Anklage für den mutmasslichen Stellvertreter des Barbetreibers und einen weiteren mutmasslichen Haupttäter. Der «Stellvertreter» soll die Notlage der Frauen schamlos ausgenutzt haben. Der andere Beschuldigte soll unter anderem die Frauen transportiert haben.

Die drei beantragten teilbedingten Strafen betragen 27 Monate respektive drei Jahre, wovon jeweils ein Jahr vollzogen werden soll. Bedingte Freiheitsstrafen von je 22 Monaten wurden für den Bruder des Bordellbetreibers und den Vermieter gefordert, der auch den Hausdienst ausübte. Der 73-Jährige habe die Führung des Betriebes unterstützt und damit die Ausbeutung der Frauen mitermöglicht, erklärte die Staatsanwaltschaft. Für den neunten mutmasslichen Täter forderte sie acht Monate bedingt.

Bereits genug bestraft

Keine Bestätigung der Strafe forderte Contratto bei der einzigen beschuldigten Frau. Die 29-Jährige hatte als Prostituierte im Bolenberg gearbeitet, ging eine Verbindung mit dem Barbetreiber ein und ist mit diesem nun verheiratet. Sie soll mit ihrem Seitenwechsel zu den vorgeworfenen kriminellen Machenschaften im Bolenberg beigetragen haben.

Das Strafgericht hatte den Rollenwechsel als skrupellos beurteilt und die Frau mit 21 Monaten bedingt bestraft. Contratto beurteilte das Verhalten der Ex-Prostituierten dagegen wie ihr Verteidiger als entschuldbarer Notstand.

Das Schicksal der Frau bewege, sagte Contratto. Es stelle sich die Frage, ob eine Bestrafung angesichts ihrer Vergangenheit als Opfer angemessen sei.

sda

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