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UDLIGENSWIL: Beschwerde gegen Holzheizkraftwerk abgelehnt – Gemeinderat bleibt skeptisch

Das Holzheizkraftwerk in Haltikon neben der Sägerei Schilliger kann nun definitiv gebaut werden. Die Vorbehalte gegen das Projekt sind jedoch geblieben – dabei geht es vor allem um den Verkehr.
Das Holzheizkraftwerk Haltikon (rechts der grosse Wärmespeicher-Tank) ist auf Küssnachter Boden geplant, sorgt aber auch in Udligenswil für Diskussionen. (Bild: Visualisierung PD)

Das Holzheizkraftwerk Haltikon (rechts der grosse Wärmespeicher-Tank) ist auf Küssnachter Boden geplant, sorgt aber auch in Udligenswil für Diskussionen. (Bild: Visualisierung PD)

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Es war ein jahrelanges juristisches Gezerre um den geplanten Bau eines Holzheizkraftwerks in Haltikon. Die künftige Betreiberin des Kraftwerks, die Agro Energie Rigi AG, lag sich in den Haaren mit der Gemeinde Udligenswil und einigen Anwohnern. Letztere standen der Idee, Sägereierzeugnisse vor Ort zu verwenden, grundsätzlich positiv gegenüber, befürchteten aber eine höhere Schadstoffbelastung sowie eine Verkehrszunahme.

Das Bundesgericht hat die Beschwerden nun abgewiesen. Baustart ist dieses Jahr (Artikel vom Dienstag und Mittwoch). Zu stehen kommt das Kraftwerk neben der Schilliger Holz AG einem Sägerei-Unternehmen, das dort seit 1861 als Familienbetrieb geführt wird. Das Kraftwerk wird aus Restholz der Sägerei und aus regionalem Altholz Ökostrom und Wärme für die Region produzieren. Aus dem vor Ort anfallenden Sägemehl werden Holzpellets produziert.

Gemeinderat vermisst klare Zusagen

«Das moderne und innovative Holzkraftwerk zusammen mit dem geplanten Wärmespeicher wird schweizweit ein Vorzeigewerk werden», sagt Urs Rhyner, Leiter Strategie und Innovation bei der Agro Energie Rigi. Er verweist auf die «gute Ökobilanz». In der Tat sind Holzheizkraftwerke gemäss mehreren wissenschaftlichen Studien im Vergleich zu anderen Wärmegewinnungs-Systemen (Heizöl, Erdgas) bedeutend umweltfreundlicher. Da in der Schweiz nur so viel Holz geerntet werden darf, wie nachwächst, sind sie CO2-neutral.

Die Angst vor Mehrverkehr und höherer Schadstoffbelastung sei unbegründet, betont Rhyner. Er erklärt dies so: «Von der Sägerei Schilliger fahren zurzeit täglich rund vierzehn LKW nach Perlen, um cellulosehaltiges Restholz in die Papierfabrik zu bringen. Künftig werden drei bis vier dieser leeren Lastwagen in Perlen bei der Firma Düring mit Altholz beladen und somit voll anstatt leer zurück nach Haltikon fahren.» Die Anzahl Fahrten werde deshalb sogar abnehmen, da der für die Papierfabrik nicht verwendbare Teil des Restholzes neu direkt vor Ort verwendet werden könne und nicht mehr abgeführt werden müsse.

«Ich frage mich, weshalb der liberale Gemeindepräsident unsere unternehmerische Initiative während dreier Jahren mit Steuergeldern blockiert hat – für nichts», bilanziert Rhyner. Diesen Vorwurf weist Gemeindepräsident Thomas Rebsamen (FDP) zurück: «Wir haben von der Agro Energie Rigi bis heute keine verbindliche Zusage erhalten, wie viel Altholz tatsächlich zugeführt wird. Die Firma hätte das schon vor drei Jahren tun können; dann hätten wir den Rechtsweg nicht mehr weiterverfolgt.»

Laut Rebsamen hat der Udligenswiler Gemeinderat weiterhin grosse Bedenken wegen der Auswirkungen des Heizkraftwerks. Das Areal befindet sich auf dem Gebiet des Bezirks Küssnacht, an der Grenze zu Udligenswil: «Aber die Erschliessung führt vollumfänglich über Udligenswiler Gemeindegebiet. Wir werden also den ganzen Mehrverkehr schlucken müssen.»

80 Millionen Franken Gesamtkosten

Gemäss Agro Energie Rigi werden zur Wärmegewinnung drei Holz-Sortimente verwendet: 51 Prozent Restholz der Sägerei Schilliger, 41 Prozent Altholz der Firma Düring AG Ebikon sowie 8 Prozent Waldhackschnitzel aus der Region. Gerade was die Verwertung des in der Sägerei anfallenden Sägemehls betrifft, bleibt der Udligenswiler Gemeinderat skeptisch. «Wer garantiert uns, dass dieses tatsächlich vor Ort zur Wärmeproduktion genutzt wird?», so Rebsamen. «Es besteht eine wirtschaftliche Verlockung, es nach Perlen zu transportieren, für die rentablere Zeitungspapierherstellung.»

Der Udligenswiler Gemeinderat will nun dennoch nach vorne schauen. Man werde aber sehr genau darauf achten, dass «die Vorgaben des Umweltverträglichkeitsberichts im späteren Betrieb des Heizkraftwerks eingehalten werden und sich damit die Aussagen der Betreiberin effektiv bewahrheiten», sagt Gemeindepräsident Rebsamen.

Der Bau des Kraftwerks und des Fernwärmenetzes kostet insgesamt 80 Millionen Franken. Es entstehen 15 bis 20 neue Stellen.

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