ÜBERNAHME: «Wir können nicht im Alleingang bestehen»

Der Küssnachter Weichkäseher­steller Baer wird französisch. Der neue Besitzer soll den Export ankurbeln. Für den Verkauf nennt Inhaber Stephan Baer noch andere Gründe.

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Stephan Baer in den Produktionshallen der Baer AG in Küssnacht. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Stephan Baer in den Produktionshallen der Baer AG in Küssnacht. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Stephan Baer*, weshalb verkaufen Sie Ihr Familienunternehmen?

Stephan Baer: Ich verkaufe, weil ich die Produktion und die Arbeitsplätze in Küssnacht erhalten möchte. Seit der Marktöffnung für Käse ist nicht mehr garantiert, dass wir in diesem Wettbewerb im Alleingang bestehen können.

Heisst das, dass die Firma Baer die Verliererin der Marktöffnung ist?

Baer: In gewissem Sinn, ja. Wir haben nicht die Grösse, um im Alleingang weiterhin in diesem industriellen Umfeld bestehen zu können. Doch sind wir so gross, dass wir keine Nische besetzen können. Um weiterbestehen zu können, braucht Baer eine höhere Auslastung. Da der Schweizer Markt gesättigt ist, kann dies nur über den Export erreicht werden. Dies ist uns bisher nicht gelungen.

Nach der Marktöffnung sind die Exporte für Weichkäse eingebrochen. Auch bei Baer?

Baer: Nein, der Export ist nicht eingebrochen, hingegen sind wir im Heimmarkt durch die billigere Importkonkurrenz bedrängt worden. Wir wussten, dass der Wettbewerb härter wird, wenn die Grenze aufgeht, und unser Ziel war, durch genügend Export einen Ausgleich zu schaffen. Wir können erst seit sechs Jahren Weichkäse exportieren und müssen feststellen, dass wir nicht genügend Mittel haben, um allein ein genügendes Exportvolumen aufzubauen.

Sie waren bisher ein verlässlicher Partner der Zentralschweizer Bauern. Nun lassen Sie diese im Stich.

Baer: Ich lasse die Milchbauern nicht im Stich. Sie werden künftig mehr Milch liefern können, denn die neue Besitzerin, die Lactalis, wird die Produktion ausweiten.

Ist dies sicher? Haben Sie eine Zusage, dass Produktion und Arbeitsplätze in Küssnacht gesichert bleiben?

Baer: Ich habe keine schriftliche Zusicherung, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Doch habe ich mit Lactalis intensive Gespräche geführt und bin deshalb überzeugt, dass sie eine glaubwürdige Strategie hat. Sie will Küssnacht weiterentwickeln und international stärken.

Interview von Inge Staub

HINWEIS
* Stephan Baer ist Präsident des Verwaltungsrates und Geschäftsleiter der Baer AG in Küssnacht. Er leitet das Familienunternehmen in dritter Generation.