UNFALL: Unfallkater Quasimodo ist «extrem hart im Nehmen»

Seine qualvolle Fahrt endete in Luzern – seine Geschichte ging bis weit über die Landesgrenze. Jetzt hat Kater Quasimodo zwar keine Ohren mehr, dafür zahlreiche Fans. Und endlich ein festes Zuhause.

Pascal Imbach
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Elian Huber von der Tierklinik Obergrund mit Kater Quasimodo. (Bild Dominik Wunderli)

Elian Huber von der Tierklinik Obergrund mit Kater Quasimodo. (Bild Dominik Wunderli)

Als der Patient spätnachts eingeliefert wurde, schaute er ziemlich übel drein. Doch scheinbar hatte er am Abend des 8. Juli das letzte seiner sieben Leben noch nicht aufgebraucht: Ein Wadenbeinbruch im rechten Hinterbein, ein ausgerenktes Sprunggelenk und einige Schürfwunden, so lautete die wundersame medizinische Bilanz. Und: abgebrannte Ohren.

Quasimodo, ein streunender Kater, war an jenem Abend kurz nach 23 Uhr bei der Ausfahrt Gisikon Richtung Luzern über die Autobahn A 14 gehuscht und von einem Auto frontal erfasst worden, das mit voller Fahrt – also Tempo 120(!) – in Richtung Luzern unterwegs war. Die Lenkerin hatte ausser einem «dumpfen Knall», wie sie später sagte, nichts mitbekommen. Als sie zu Hause in Luzern angekommen war, war die Überraschung dafür umso grösser: Kopfüber eingeklemmt hing da ein Büsi vorne im Kühlergrill des Peugeots – und lebte noch!

Die Geschichte, die erst vor eineinhalb Wochen durch eine Meldung der Luzerner Polizei publik wurde (und auch in unserer Zeitung zu lesen war), verbreitete sich danach über die Medien und soziale Netzwerke wie ein Lauffeuer. Nicht nur in der Schweiz berichtete man über das Crash-Büsi, sogar in Deutschland, Österreich und England sorgte es für Schlagzeilen.

Als das Tierchen schliesslich am besagten Abend notfallmässig in die Tierklinik Obergrund in Luzern eingeliefert wurde, musste es insgesamt vier Operationen über sich ergehen lassen, die es allesamt schadlos überstand. «Quasimodo ist extrem hart im Nehmen», sagt Andrea Gut, die in der Klinik als tiermedizinische Praxisassistentin arbeitet.

Weit über 100 Anrufe

Gut zwei Monate lang hat man den Kater behandelt und wieder aufgepäppelt – in aller Ruhe. Als die Geschichte dann aber die Runde machte, ging die Post ab. «Am Anfang hatten wir mindestens 20 bis 30 Anrufe pro Tag – von Journalisten, vor allem aber von Leuten, die sich erkundigten, wie es dem Büsi denn gehe, auch solchen, die es am liebsten gleich mit nach Hause nehmen wollten», erzählen Andrea Gut und ihre Arbeitskollegin Elian Huber. Insgesamt sind weit über 100 Anrufe eingegangen, in der Praxis hat man längst aufgehört zu zählen. Einige sollen gar versucht haben, sich als Besitzer der Katze auszugeben, um sie zu bekommen. «Aber niemand hatte einen glaubwürdigen Beweis – etwa ein Foto vom Büsi vor dem Unfall.» Ebenfalls ein klares Indiz dafür, dass sich zuvor niemand für das Tier verantwortlich fühlte, ist der Umstand, dass es während zweier Monate in der Tiermeldezentrale ausgeschrieben war – ohne dass sich jemand gemeldet hatte. Ein beschriftetes Halsband oder gar einen Chip trug der Kater ebenfalls nicht.

Nicht taub, dafür umso berühmter

Inzwischen ist Quasimodo, dessen Alter auf rund drei Jahre geschätzt wird, dem Team der Tierklinik Obergrund dermassen ans Herz gewachsen, dass man entschieden hat, ihn zu behalten – und zwar nicht nur vorübergehend, sondern für immer. Abgesehen davon hätten sich die Kosten für die medizinische Behandlung bislang auf «mehrere tausend Franken» belaufen, wie Praxisassistentin Andrea Gut sagt. So hat Quasimodo seinen Helfern letztlich also nicht nur sein Leben und seinen Namen (in Anlehnung an den ebenfalls leicht entstellten «Glöckner von Notre-Dame») zu verdanken, sondern nun auch ein neues, festes Zuhause. «Ihm geht es tipptop hier, er geht oft nach draussen, ist neugierig und bis auf die abgebrannten Ohrspitzen wieder vollständig gesund», sagt Andrea Gut. Quasimodo sei ein «extrem liebes und zutrauliches Kerlchen», schwärmt man in der Klinik. Und immer noch würden Leute anrufen oder vorbeikommen, um sich nach der wohl berühmtesten Katze der Schweiz zu erkundigen, erzählt Gut. «Wir hoffen, dass nach diesem Zeitungsartikel nun endlich wieder Ruhe einkehrt.»

Übrigens: Taub ist der Kater trotz seiner verletzten Ohren nicht – sein Gehör funktioniert einwandfrei. Bleibt also zu hoffen, dass Quasimodo das nächste heranbrausende Auto rechtzeitig hört.