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UNGLÜCK: «Habe bei der Luftwaffe noch nie was Vergleichbares erlebt»

Vor rund fünf Monaten ist ein F/A-18- Kampfjet der Schweizer Luftwaffe am Lopper abgestürzt. Was hat das Unglück bei Piloten ausgelöst? Und welche Konsequenzen hat der Unfall auf das Training? Ein Kampfjet-Pilot aus Gersau erzählt.
Andrea Schelbert
«In der Luft kann man es nicht unbedingt geniessen» – Pilot Simon Waldis aus Gersau. (Bild: PD)

«In der Luft kann man es nicht unbedingt geniessen» – Pilot Simon Waldis aus Gersau. (Bild: PD)

Simon Waldis, wie wirkt sich der tragische Absturz am Lopper auf ihre Trainingseinheiten aus?

Simon Waldis*: Die Ursache des Absturzes ist noch nicht bekannt. Ausbildungstechnisch haben wir bisher keine Konsequenzen erfahren. Die Abteilung Flugsicherheit der Schweizer Luftwaffe konzentriert sich darauf, Gefahren zu erkennen und das Risiko zu verkleinern. Durch den Absturz ist mir noch bewusster geworden, dass in der Luft immer etwas passieren kann. Als ambitionierter Pilot in Ausbildung denkt man kaum an Unfälle, des Risikos ist man sich aber durchaus bewusst.

Armeechef André Blattmann war nach dem F/A-18-Absturz im Oktober 2013 erschüttert. Wie haben Sie reagiert?

Waldis: Ich war an jenem Tag mit der Klasse im Flugdienst im Tessin, als wir vom Absturz erfahren haben. Ich bin extrem erschrocken. Ich habe bei der Luftwaffe noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Für mich war insbesondere auch schlimm, wie der Unfall in den Boulevardmedien dargestellt wurde: Nur einen Tag nach dem Absturz wurde bereits ein Foto der verunfallten Kollegen gezeigt. Für die Hinterbliebenen muss das schwierig gewesen sein. Ich habe das nicht nachvollziehen können – und sehr bedauert.

Fliegt die Angst seit dem Unfall mit?

Waldis: Ich hatte noch nie Angst in der Luft. Militärpilot zu sein ist meine Passion. Wir bereiten uns jedes Mal sehr umfangreich auf die Flüge vor. Natürlich kann immer etwas passieren, doch wenn man die Gefahren kennt, wird das Restrisiko auf ein abschätzbares Minimum reduziert. Man muss einfach Respekt vor den möglichen Gefahren haben. Sicher wäre es falsch, wenn ich mit Angst in einen Flieger steigen würde. Jemand, der ängstlich Auto fährt, lenkt niemals so sicher wie einer, der selbstbewusst und aufmerksam fährt.

Wie gefährlich ist der Beruf des Militärpiloten?

Waldis: Statistisch gesehen ist der Beruf des Militärpiloten nicht ausserordentlich gefährlich. Ich habe den Eindruck, dass die Fahrt von Gersau nach Emmen wesentlich gefährlicher als die Fliegerei ist. Der Strassenverkehr birgt viel mehr Risiken, und letztlich sterben da ja verhältnismässig auch mehr Menschen.

Hat Ihre Mutter Angst um Sie?

Waldis: Ich glaube nicht. Mit 17 Jahren habe ich meinen Eltern gesagt, dass ich Militärpilot werden will. Sie haben die Selektion miterlebt und konnten einen Schritt nach dem anderen verfolgen, das hat sicherlich geholfen. Ich bin inzwischen seit 5 Jahren in der Ausbildung. Ich denke, dass meine Mutter ähnliche Sorgen wie andere Mütter hat. Meine Eltern haben mich immer unterstützt.

Und Ihre Freundin?

Waldis: Sie fliegt selber Segelflugzeug. Sie weiss, wie es in der Luft ist. Sie kann sich meinen Beruf darum besser vorstellen als jemand, der keine Ahnung davon hat. Meine Freundin unterstützt mich.

Was empfinden Sie – über alle Bereiche gesehen – als die grösste Herausforderung in Ihrem Beruf?

Waldis: Die ganze Ausbildung ist eine Herausforderung. Die Selektion ist ein langer und strenger Prozess. Ich bin sehr glücklich, dass ich das geschafft habe. In der Luft muss man jeden Tag Höchstleistungen abrufen. Wenn du in die Luft gehst, kannst du nicht mit halber Power fliegen. Es reicht nicht, wenn du nur 50 Prozent motiviert bist. Die Bereitschaft, jeden Tag diese Leistung aufzubringen, würde ich als Herausforderung bezeichnen.

Welche Gefühle erleben Sie während eines Fluges?

Waldis: In der Luft kann man es nicht unbedingt geniessen. Alles geht sehr schnell. Beim Fliegen hat man innert kürzester Zeit enorm viele Informationen zu verarbeiten und entsprechend zu handeln. Man muss extrem schnell Entscheide fällen. Fliegen ist anspruchsvoll und anstrengend. Du kannst dich in der Luft nicht zurücklehnen, aus dem Cockpit schauen und denken, ach, wie schön das alles ist. Einen Flug kann man eigentlich erst dann geniessen, wenn er vorbei ist und alles gut gelaufen ist.

ZUR PERSON

* Simon Waldis wird im Dezember nach zwei Jahren fliegerischer Ausbildung im Militär und einer Ausbildungszeit von fünfeinhalb Jahren zum Militärpiloten brevetiert. Danach wird er auf den F/A-18-Kampfjet umgeschult. Waldis ist 25 Jahre alt und lebt in Gersau/SZ.

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