Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Eine Theologin, die ihre eigenen Wege zu Gott sucht

Martina Franck ist Schossraum-Prozessbegleiterin, integrative Therapeutin und Sozialpädagogin. Eine Frau, die auf unterschiedlichen Wegen zu Gott unterwegs ist.
Vera Rüttimann
Für sie ist Spiritualität eng mit der Körperwahrnehmung verbunden: die Religions-/Sozialpädagogin und freie Ritualbegleiterin Martina Franck. (Bild: Vera Rüttimann, Weggis, 25. April 2019)

Für sie ist Spiritualität eng mit der Körperwahrnehmung verbunden: die Religions-/Sozialpädagogin und freie Ritualbegleiterin Martina Franck. (Bild: Vera Rüttimann, Weggis, 25. April 2019)

Martina Franck liebt es, sich auf der Rigi mit der Natur zu verbinden. Besonders gern wandert sie in der Region Hinterbergen-Kaltbad. Die Rigi ist für Martina Frank mehr als nur ein Berg. «Hier am Fusse der Rigi mit Blick auf den See hinaus und geschützt von diesem Berg, spüre ich eine unglaublich weibliche Geborgenheit», sagt sie. Die Rigi ist für die 50-Jährige ein «sehr weiblich nährender, spirituell verbundener Raum». Ein Ort, den sie gerne auch mit anderen geniesst.

Die gebürtige Deutsche, die für das Bistum Aachen in Paderborn Religionspädagogik studiert hat, baute nach ihrem Studium ehrenamtlich ein Sozialprojekt in Brasilien auf. Das betreute sie neben ihrer Arbeit 25 Jahre lang als Beraterin des brasilianischen Teams und Vorsitzende des deutschen Fördervereins. Als Tochter einer Hochdorferin zog sie mit 30 Jahren nach Kriens und arbeitete in der Schweizer Pastoral. Schon in diesen Jahren waren ihr Rituale wichtig. Seit ihrem Umzug nach Weggis arbeitet sie verstärkt als freie Ritualbegleiterin. Gemeinsam mit Karin Marti, Mitarbeiterin der katholischen Seepfarreien Weggis-Gersau-Vitznau, führt sie auf der Rigi seit einigen Jahren «Jahreszeiten-Wandlungs-Rituale» durch. Rituale, die in der Tradition der Naturvölker stehen, die «ihr Leben im Spiegel der Natur betrachten und feiern». Idee der Rituale sei, sich selber zu reflektieren in der Verbindung zu den Prozessen in der Natur. Zu allen Jahreszeiten und zu jeder Witterung kommen jeweils Menschen aus den Seepfarreien und auch welche, die andere Formen von spiritueller Verbundenheit schätzen, zusammen. Das transformierende Feuer, Gesang und der authentische, persönliche Austausch verbinden.

Tiefgreifende, tröstende Feiern und Rituale

Martina Franck arbeitet auch in anderer Form als Ritualbegleiterin. Hochzeiten, Kindersegnungen, Geburtstage, Einweihungsfeiern, selbst Trennungen begleitet sie. Sie liebt die authentischen Gespräche, die sich z. B. bei Trauerritualen ergeben, und lässt bei der Feier möglichst viele persönliche Erinnerungen über den Verstorbenen erzählen. Seebestattungen sind für sie besonders eindrücklich: «Die Asche vermischt sich mit dem Wasser. Leben durchströmt den Tod.» Die Religionspädagogin sagt: «Solche Rituale wünschen sich Menschen, die keinen engen Bezug mehr zur Kirche haben. Diese Feiern können jedoch genauso tiefgreifend und tröstend sein wie in einer Kirche. Möglicherweise sogar noch echter, weil sie lebensnaher sind.»

Spiritualität ist für sie, die seit 2006 eine Praxis für psychologische Beratung und Körpertherapie führt, auch stark mit Körperwahrnehmung verbunden. Ganz Frau sein und ganz Mann sein und gemeinsam authentisch Partnerschaft leben, ist die Schwerpunktforschung in ihrer Arbeit. Als Referentin und Mitgestalterin in diversen Frauengruppierungen wie dem Verein Erwachte Weiblichkeit, dem Frauensymposium Schweiz oder in ihren Selbsterfahrungs- und Fortbildungskursen machte sie sich in den letzten Jahren auf diesem Gebiet einen Namen und betätigt sich dabei als gute Netzwerkerin. Der rote Faden bei ihren Vorträgen und Paarkursen ist «wirksam sein für eine authentische, partnerschaftliche, friedliche und naturverbundene Welt». Das Rüstzeug für ihre Arbeit holte sie sich in zahlreichen Fortbildungen wie Körperenergiearbeit, diversen Massageausbildungen, Schossraumprozessbegleitung sowie Gestalt­therapie und «Innere Kind Arbeit». Seit rund 30 Jahren begleitet sie Menschen auf ihren Lebenswegen.

Im Schossraum der Frau

Ihre Lebendigkeit und Kreativität, ihre Kraftquelle als Frau ist eng verbunden mit körperlicher und emotionaler Entspannung sowie spiritueller Anbindung. So ist vor allem die Schossraumbegleitung ein wichtiger Bestandteil von Martina Francks Arbeit mit Frauen. Schossraum? Sie kennt die neugierige Frage nach diesem Wort? «Der Schoss trägt in sich die Eierstöcke, die Gebärmutter und die Sexualorgane. Er ist auf energetischer Ebene das Zentrum weiblicher Kraft, der Quell weiblicher Kreativität und Weisheit», sagt sie. In heutiger sexualisierter Zeit, zahlreichen sexuellen Übergriffen und gleichzeitig übertriebener Scham haben Frauen, so Martina Franck, die Achtung und den natürlichen Zugang zu ihrer weiblichen Sexualität verloren. Im weiblichem Schossraum, so Martina Franck, kann tiefer Schmerz ­liegen. «Nur wenn dieser Schoss achtsam wahrgenommen wird und erwacht, kann die Weiblichkeit der Frau und ihre kraftvolle Persönlichkeit ganz aufblühen», ist sie überzeugt. Sie fügt an: «Je mehr ich mich entspanne in meinen weiblichen Körper, in meiner Sexualität und mich selbst wertschätze, desto mehr kann ich die werden, die ich zutiefst bin, und freudvoll in die Welt scheinen.»

Deshalb gibt die Weggisserin Selbsterfahrungskurse und Fortbildungen mit spirituellen Zeremonien und Einzelbegleitung zum Thema Schossraum, zur Stärkung des eigenen Heilungspotenziales, der Frauensolidarität, der Kontaktaufnahme mit der eigenen Kraftquelle und der tiefen Selbstannahme. «Alte Glaubenssätze und Verhaltensmuster, die sich im Körper und im Unterbewussten festgesetzt haben, können dadurch gelöst werden», weiss sie. Ziel ihrer ­Arbeit mit Frauen ist Friedensarbeit für die Familien.

Ob Pilatus oder die Felsen­kapelle auf der Rigi – die Atmosphäre dieser Kraftorte kommt Martina Franck in ihrer Arbeit mit Menschen deshalb sehr entgegen, weil «ich mich mein Leben lang nach Räumen sehne, wo Himmel und Erde sich begegnen, wo sich in mir eine verkörperte Spiritualität entfalten kann».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.