Kanton Uri: Die Profile der Nationalratskandidaten ähneln sich

Drei Landräte und ein Gemeindepräsident kämpfen um den einen Urner Sitz im Nationalrat. Überflieger gibt es diesmal keinen.

Florian Arnold
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Der Altdorfer Gemeindepräsident Urs Kälin (rechts) gratuliert Pascal Blöchlinger zur Wahl als Landratspräsident. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 19. Juni 2019)

Der Altdorfer Gemeindepräsident Urs Kälin (rechts) gratuliert Pascal Blöchlinger zur Wahl als Landratspräsident. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 19. Juni 2019)

Den Anstoss für spannende Wahlen in Uri gab Nationalrat Beat Arnold. 2015 zog dieser als erster SVP-Vertreter aus Uri ins eidgenössische Parlament ein. Diesen Frühling nun musste er aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt bekanntgeben. Neben der SVP, die mit dem Altdorfer Pascal Blöchlinger ins Rennen steigt und den Sitz in Bern verteidigen möchte, haben aber auch die anderen Landratsparteien in Uri, die den Bundesratsparteien entsprechen, Anspruch auf den einzigen Urner Nationalratssitz erhoben. Sie tun dies mit den Kandidaten Simon Stadler (CVP), Matthias Steinegger (FDP) und Urs Kälin (SP). Obwohl die Kandidaten politisch sehr unterschiedlich ausgerichtet sind, gilt keiner der Kandidaten als absoluter Favorit. Denn die Leistungsausweise wiegen gegenseitig ähnlich stark.

Urs Kälin, SP, Altdorf, Historiker, 1959. Motivation: «Ich mache seit vierzig Jahren mit Leidenschaft Politik. Was in Bern entschieden wird, bestimmt unseren Alltag. Da will ich für Uri mitreden und mitentscheiden.»
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Simon Stadler, CVP, Altdorf, Lehrer, 1988. Motivation: «Ich bin jemand, der sich gerne engagiert. Am Amt reizt mich, mehrheitsfähige Lösungen zu finden, die einem Grossteil der Bevölkerung entsprechen.»
Pascal Blöchlinger, SVP, Altdorf, Ökonom, 1977. Motivation: «Mir macht die Arbeit im Parlament Freude. Ich möchte die konsequent bürgerliche Politik im Nationalrat stärken, den Föderalismus und die Demokratie stärken.»

Urs Kälin, SP, Altdorf, Historiker, 1959. Motivation: «Ich mache seit vierzig Jahren mit Leidenschaft Politik. Was in Bern entschieden wird, bestimmt unseren Alltag. Da will ich für Uri mitreden und mitentscheiden.»

Ältester Urner Kandidat ist der 60-jährige Urs Kälin (SP, Altdorf). Seit 2009 ist er im Gemeinderat Altdorf und heute Gemeindepräsident. Jüngst hat er Hartnäckigkeit bewiesen, indem er die unpopuläre Aufgabe übernahm, die Initiative eines Sportvereins zu bekämpfen: So wollte der FC Altdorf einen Fussballplatz im Dorfzentrum von Altdorf auf Kunstrasen umrüsten, um mehr Trainingszeit zu gewinnen. Das 3-Millionen-Projekt erachtete der Gemeinderat aber als zu teuer. Souverän vertrat Urs Kälin an der Spitze die Haltung des Gemeinderats und gehörte damit zu den wenigen, die sich im Vorfeld kritisch gegen das Anliegen des Vereins aussprachen, auch wenn dies viele hinter vorgehaltener Hand taten. An der Urne wurde Kälins Einsatz mit einem deutlichen Nein der Altdorfer Bevölkerung belohnt. Auch in anderen Themen machte der promovierte Historiker deutlich, dass er sich akribisch in Themen einarbeiten kann. Sein hoher Intellekt kommt aber beim einfachen Volk nicht immer gut an. Kälin steht ein für die typischen linken Anliegen. Zu seinen ausgewiesenen Stärken kann Kälin seine Konsensorientierung zählen, die er als Exekutivpolitiker in der grössten Urner Gemeinde benötigte.

Wahlgang: Uri wählt im Majorzsystem

Da im Kanton Uri nur ein einziger Sitz im Nationalrat besetzt werden kann, wird dieser per Majorzsystem bestimmt. Allerdings gibt es nur einen Wahlgang, sodass schliesslich das relative Mehr entscheidend ist: Jene Person mit den meisten Einzelstimmen ist gewählt. Das verlangt den politischen Parteien und deren Kandidaten einiges an taktischem Gespür ab. Denn mit jeder zusätzlichen Kandidatur steigen die Chancen, dass sich die Stimmen ähnlich Gesinnter mehr splitten. Das wiederum nützt jenen Parteien, die eher wählerschwach sind, aber auf eine treue Wählerschaft zählen können. Vier Kandidaten für einen Nationalratssitz: Das gab es in Uri zuletzt 2003  – und dies erst noch wegen einer «Pseudokandidatur». Neben Gabi Huber, die schliesslich gewählt wurde, dem Erstfelder Grünen Armin Braunwalder und dem Seedorfer SVP-Vertreter Paul Dubacher liess sich auch der Neuenburger Yves Merminod aufstellen. Letzterer holte schliesslich keine einzige Stimme und konkurrenzierte somit auch nicht die restlichen Kandidaten.

Linke dürfen hoffen wie noch selten

Das wird bei den diesjährigen Wahlen in Uri anders sein. Zur Auswahl stehen drei bürgerliche und ein linker Kandidat. Selten standen somit die Chancen für das linke Urner Lager so gut, weil sich gleich drei Bürgerliche die Stimmen teilen. Chancen ausrechnen darf sich aber auch der Polpolitiker der SVP. Für alle Kandidaten heisst das Ziel aber, ein klein wenig besser zu sein als der Rest. (zf)

Drei bürgerliche Landräte buhlen um Stimmen

Matthias Steinegger, Pascal Blöchlinger und Simon Stadler sitzen alle seit 2012 im Urner Landrat, Blöchlinger ist seit Juni Landratspräsident und damit offiziell «höchster Urner». In dieser Funktion ist ihm allerdings untersagt, sich politisch zu äussern. Als Gründungsmitglied der SVP Uri ist seine politische Haltung allerdings kein Geheimnis. Neben dem Einreichen von einigen Vorstössen war Blöchlinger einer der Drahtzieher der Standesinitiative «zur Souveränität bei Wahlfragen», wodurch die Kantone ihr Wahlsystem unabhängig der Einschätzung des Bundesgerichts hätten festlegen können. Diese wurde, nachdem sie einige ­Hürden genommen hatte, erst bei der Schlussabstimmung verworfen. Ausserdem versteht sich Blöchlinger als Verkehrspolitiker, der etwa aktuell für den Ausbau der Axenstrasse weibelt. Bis zu seiner Nomination war Blöchlinger Kantonalpräsident seiner Partei.

Ebenso wie Matthias Steinegger. Der Flüeler profitiert im Wahlkampf vor allem von einem sehr bekannten Namen, sein Vater Franz geniesst im Kanton Uri nach wie vor grosses Ansehen. Steinegger bedient sich einer Rhetorik, die das einfache Volk versteht, geizt aber noch mit Themen, die er in Bern anpacken möchte. Als seinen grossen politischen Erfolg kann er das Ja zur «zweiten Röhre» am Gotthard zählen, für das er an vorderster Front kämpfte. Als Teilhaber der Arnold & Co. AG ist er ein Vertreter der Urner Wirtschaft.

Der Hauptort-Bonus zieht bei dieser Wahl nicht

Auch der jüngste Kandidat, der 31-jährige Simon Stadler, hat einen prominenten Vater, den ehemaligen Ständerat und «tanzenden Landammann» Hansruedi Stadler. Der Sohn ist Präsident der landrätlichen Spitalkommission, die zur Überwachung des Um- und Neubaus des Kantonsspitals Uri gegründet wurde – ein 115-Millionen-Projekt. Auf einen Vorstoss von Stadler ist es zurückzuführen, dass das Berufs- und Weiterbildungszentrum in Altdorf um einen Neubau erweitert wurde. Der zum Primarlehrer umgeschulte Maurer gibt sich als Musterbeispiel für ein gut funktionierendes duales Bildungssystem. Mit einem jungen, motivierten Team hat er bereits jetzt bewiesen, dass er ein guter Wahlkämpfer ist.

Einen Überflieger sucht man auf den Wahlplakaten genauso vergebens wie einen absoluten Taucher. Da drei Kandidaten aus Altdorf kommen, wird für einmal nicht der Urner Hauptort über Wahl oder Nichtwahl entscheiden. Drei Bürgerliche erhöhen zudem die Chancen des einen Linken. Es bleibt spannend bis zum Schluss.