1. AUGUST: Das Fest in Altdorf vereint zwei Regionen

Im 13. Jahrhundert hätten sie sich die Köpfe eingehauen, am Freitag feierten sie miteinander: Der 1. August verband Altdorf und Einsiedeln in einem fröhlichen Fest.

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Trachtendame, Regierungsrat Stefan Fryberg (mitte) und Abt Martin Werlen von Einsiedeln. (Bild Manuela Kalbermatten/Neue UZ)

Trachtendame, Regierungsrat Stefan Fryberg (mitte) und Abt Martin Werlen von Einsiedeln. (Bild Manuela Kalbermatten/Neue UZ)

«Mörschel» ist einsiedlerisch und heisst Mörser. Oder auch: kleiner dicker Mensch. Sagt zumindest das Einsiedler Wörterbuch. Und es ist ein spezielles Nachschlagewerk, das da auf dem Altdorfer Winkel steht – der Kulturverein Chärnehus Einsiedeln hat das riesige Werk eigens für die 1.-August-Feier in Altdorf gebastelt. Statt darin zu blättern, kann man sich die Wörter mit ihrer korrekten Aussprache anhören, indem man sich einen der originellen Schläuche ans Ohr hält und sich von den Einsiedlern ihren Dialekt näherbringen lässt. Mitten unter ihnen sitzt ein Mann mit Uristier-T-Shirt und amüsiert sich göttlich über den ungewohnten Wortschatz. Altdorf und Einsiedeln begegnen sich linguistisch: «Bi yys säit mä das andärscht», meint eine Urnerin. Zwei Regionen kommen ins Gespräch.

Vom Kriegszug zum Extrazug
Dass dieses friedliche Miteinander nicht selbstverständlich ist, hatte Martin Werlen, Abt des Klosters Einsiedeln, in seiner 1.-August-Ansprache betont. «Was wir heute in Altdorf erleben dürfen, hätte unsere Vorfahren sehr erstaunt», sagte er vor einer gewaltigen bunten Menschenmenge auf dem Altdorfer Rathausplatz. Zwischen gelben T-Shirts mit Uristier und roten Schweizer Kappen blitzen die prächtigen Einsiedler Festtagstrachten auf. Werlen ist per Extrazug angereist, so wie Hunderte andere Einsiedler. Gemeinsam begingen die Regionen gestern den Nationalfeiertag. «Hätte Altdorf Einsiedeln im 13. Jahrhundert eingeladen, wären die Einsiedler nicht mit einem Extrazug, sondern als Kriegszug angerückt», fuhr Werlen weiter. Gelächter.

Begegnung in den Gassen
Seine Worte meinte der Abt aber ernst. In einem eindrücklichen Plädoyer für mehr Offenheit und Solidarität forderte er dazu auf, Grenzen nicht als Grund für Auseinandersetzungen, sondern als Chance für freundschaftliche Kontakte und Begegnungen zu sehen. Und sich nicht an idealisierte Bilder «von früher» zu klammern. «Wir neigen dazu, die Vergangenheit zu glorifizieren und die Gegenwart in einem schlechten Licht zu sehen», warnte er. «Wir werden allzu leicht zu Unglückspropheten.»

Manuela Kalbermatten

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Samstag in der Neuen Urner Zeitung.