1. AUGUST: Kanton Uri präsentiert seine grosse Vielfalt

Heisse Temperaturen prägten den Nationalfeiertag. Während am 31. Juli in Flüelen ein Feuerwerk-Spektakel geboten wurde, ging es am 1. August in Altdorf und anderen Gemeinden gemütlich zu und her. Appenzell Ausserrhoden wusste als Gastkanton zu überzeugen.

Philipp Zurfluh
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Auf dem Rathausplatz in Altdorf war auch der Stelzenmann aus Appenzell Ausserrhoden zu Besuch. (Bild: Philipp Zurfluh)

Auf dem Rathausplatz in Altdorf war auch der Stelzenmann aus Appenzell Ausserrhoden zu Besuch. (Bild: Philipp Zurfluh)

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Plätze im Schatten waren am Dienstagvormittag äussert gefragt im Altdorfer Dorfkern – doch viele gab es nicht davon. Bei sonnigem Wetter und Temperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius hat die offizielle 1.-August-Feier auf dem Rathausplatz stattgefunden. Trotz Hitze lockte die Feier viel Publikum in das verkehrsfreie Altdorf.

Der Altdorfer Gemeindepräsident Urs Kälin meinte bei seiner Ansprache: «Ich bin stolz darauf, dass wir in der Schweiz mit ihren föderalistischen Strukturen trotz unserer Vielfalt immer wieder Kompromisse zu Stande bringen.» Dies habe uns zu einem der erfolgreichsten Staaten der Welt gemacht. «Was unser Land voranbringt, ist nicht mehr Nationalstolz, sondern mehr lebendige Demokratie», sagte der Gemeindepräsident. Hier seien die Appenzeller ein grosses Vorbild.

Hans Altherr hat Erbarmen mit Publikum

Offizieller Gastkanton war Appenzell Ausserrhoden. In der Grussbotschaft und Festansprache hat der ehemalige Ständerat und Ständeratspräsident Hans Altherr die Vielfalt der Schweiz hervorgehoben und mahnte gleichzeitig: «Wir müssen uns der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen bewusst sein.» Wichtiges müsse von Unwichtigem unterschieden werden. Weiter betonte er: «Wir müssen aufeinander zugehen, das Gespräch, die Auseinandersetzung suchen, konstruktiv und zukunftsorientiert.» Hans Altherr hatte mit dem Publikum, das dem heissen Wetter ausgesetzt war dann doch etwas Erbarmen und liess die letzten beiden Seiten seines Referats aus. Für viel Witz und Unterhaltung während der Feier sorgte Philipp Langenegger, Schauspieler aus dem Appenzellerland, der mit seiner Darbietung die Lacher des Publikums auf sicher hatte. Einen musikalischen Auftritt hatte der junge Hackbrettspieler Silvio Kolb, der mit seinen Darbietungen sein Können unter Beweis stellte.

Auf dem «Winkel»-Areal präsentierte der Gastkanton eine ganze Menge Appenzellerland. Vielerlei Attraktionen, ein reichhaltiges Angebot von feinen Spezialitäten sowie diverse Auftritte von Musikgruppen – dem Publikum fehlte es an nichts. Gleichzeitig herrschte auf dem Lehn Hochbetrieb an den rund 80 Marktständen. Den Gästen wurde ein buntes und vielfältiges Sortiment an Produkten und Spezialitäten angeboten. Die Gastronomiebetriebe buhlten ihrerseits um die Gunst der durstigen und hungrigen Gäste und konnten sich über zu wenig Andrang nicht beklagen.

Gestartet waren die Festivitäten im Urnerland bereits am 31. Juli mit dem grossen und traditionellen Feuerwerk in Flüelen, diesmal etwas kürzer als sonst – nämlich genau neun Minuten. Die Veranstaltung zieht von Jahr zu Jahr mehr Besucher an. Tausende Schaulustige lockte dieses wunderbare Lichtspektakel an den See, so dass zeitweise kaum noch ein Durchkommen war. Wer noch nicht genug gefeiert hatte, konnte sich bis in die frühen Morgenstunden an speziell aufgestellten Bars am Seeufer vergnügen und das Tanzbein schwingen.

«Wir müssen zu unseren Werten Sorge tragen»

Andermatt seinerseits hat sich zum Geburtstag der schweizerischen Eidgenossenschaft besonders schön herausgeputzt. Überall hingen Schweizer, Urner und Andermattner Fahnen und hinterliessen einen festlichen Eindruck. Hinter Meyer’s Sporthaus fand ab 11 Uhr das Unterhaltungsprogramm zur 1.-August-Feier unter dem Motto: «Tradition und Brauchtum in Andermatt» statt. Das Ländlertrio Tänzig, mit den beiden Handörgeler Dominik Imholz und Erich Bürler, spielte «urchige Innerschwyzer Musik». Zu den Klängen vom Alphorntrio Gemsstock mit René Briker, Toni Gisler und Sepp Bühlmann wurden die beiden Fahnenschwinger Werner Arnold und Martin Arnold besonders gefordert. Trotz des starken Föhns, dem grössten Gegner der Fahnenschwinger, machten es die beiden «Fähnler» recht gut.

Gemeindepräsidentin Yvonne Baumann sagte bei ihrer 1.-August-Ansprache: «Wir leben in einem einzigartigen und atemberaubend schönen Land, das sehr vielfältig ist.» Baumann forderte die Bevölkerung auf, zu den Traditionen Sorge zu tragen und sich gegenseitig zu unterstützen. «Wir dürfen unsere Eigenständigkeit nicht verlieren.» Gleichzeitig warnte sie die Anwesenden: «Wir schätzen etwas erst richtig, wenn wir es nicht mehr haben, deshalb müssen wir zu unseren Werten Sorge tragen.»

Der absolute Höhepunkt und Publikumsmagnet in Andermatt war der Korso mit Oldtimerautos durch das Dorf. Angeführt wurden die Autos vom Oldtimerbus der Auto AG Uri. Dahinter zogen weitere Gefährte die Blicke der Zuschauer auf sich. Rund hundert Fahrzeuge präsentierten sich bei hochsommerlichen Temperaturen von ihrer schönsten Seite. Danach hatten die Gäste Gelegenheit, mit den historischen Fahrzeugen eine Runde mitzufahren.

Ausgelassene Stimmung in Göschenen und Gurtnellen

In Göschenen gab es anlässlich des Nationalfeiertags ein grosses Fest. Vor dem Festakt wurde aber zuerst eine Messe in der Kirche gehalten. Pfarrer Kari Muoser segnete das neue Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr ein. Mit einem Segen und Weihwasser wurde es eingeweiht. Gemeindepräsident Felix Cavaletti und Feuerwehrpräsident Fredi Furger sprachen einige Worte und bedankten sich. Die rund 150 erschienen Personen wurden zuerst mit einem Apéro begrüsst. Dieser Apéro wurde vom ehemaligen Verkehrsverein Göschenen offeriert. Viele Göschener sowie auswärtige Gäste fanden sich im ehemaligen Hallenbad wieder. Anschliessend gab es Speis und Trank zur Liveband Ürixx. Das Publikum nutzte nicht nur die Gelegenheit, um zu feiern, sondern auch um viele Kontakte zu pflegen und aufzufrischen.

In Gurtnellen begeisterte ein Feuerwerk am späten Abend des 31. Juli Jung und Alt. Dieses Feuerwerk finanziert sich seit Jahren durch Gönnerbeiträge der Festbesucher und Festbesucherinnen selber. Nach dem Motto «never change a winning team» haben sich für die Durchführung der Bundesfeier erneut die Fasnächtler des Fasching-Clubs und die Musiker der Brass Band Gurtnellen zusammengetan und organisierten ein attraktives Programm. Auch dieses Jahr fand der traditionelle Anlass auf dem Spiel- und Begegnungsplatz im Wyler statt, und die Bevölkerung von Gurtnellen und einige Feriengäste sorgten für eine ausgelassene Stimmung. Das Glanzstück der Feier war aber das fünfzehnminütige Feuerwerk.

Auseinandersetzungen zwischen alkoholisierten Personen

Für die Kantonspolizei Uri ging es am Nationalfeiertag mehrheitlich ruhig zu und her. Wie es auf Anfrage unserer Zeitung bei der Polizei heisst, sei der Tag unproblematisch verlaufen. Zu verzeichnen waren lediglich zwei Vorfälle in der Nacht auf den 1. August in Flüelen. «In den frühen Morgenstunden kam es in der Nähe des Bahnhofs zu zwei Auseinandersetzungen zwischen Personengruppen. Die Beteiligten standen unter Alkoholeinfluss», sagt Kommandant Reto Pfister. Nun würden genauere Abklärungen und Befragungen durchgeführt.

In Flüelen wurde der 1. August wie gewohnt bereits am Vortag gefeiert. Höhepunkt war das Feuerwerk über dem Urnersee. Das mit Musik umrahmte Raketenspektakel lockte Tausende Schaulustige an. Am Tag danach herrschte trotz heissen Temperaturen in Altdorf und anderen Gemeinden ausgelassene Volksfeststimmung. (Bild: Lisa Planzer)

In Flüelen wurde der 1. August wie gewohnt bereits am Vortag gefeiert. Höhepunkt war das Feuerwerk über dem Urnersee. Das mit Musik umrahmte Raketenspektakel lockte Tausende Schaulustige an. Am Tag danach herrschte trotz heissen Temperaturen in Altdorf und anderen Gemeinden ausgelassene Volksfeststimmung. (Bild: Lisa Planzer)

In Andermatt bildete der Autokorso mit Oldtimern den Höhepunkt am Nationalfeiertag. (Bild: Paul Gwerder)

In Andermatt bildete der Autokorso mit Oldtimern den Höhepunkt am Nationalfeiertag. (Bild: Paul Gwerder)