1,6 Promille nach Autofahrt: Urner Landgericht spricht 42-Jährige schuldig

Weil sie alkoholisiert Auto gefahren sein soll, bestraft das Landgericht eine in Uri wohnhafte Frau. Diese wehrte sich gegen einen Strafbefehl, weil der Atemtest erst nach der Fahrt erfolgte.

Lucien Rahm
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Sie soll sich in angetrunkenem Zustand ans Steuer gesetzt haben, um von Bürglen nach Altdorf zu gelangen. Fast 1,6 Promille gibt der Atemalkoholtest an, als Polizisten sie nach der Fahrt am Wohnort eines Freundes aufsuchen.

Für das Urner Landgericht hat sich die 42-jährige Frau damit des Fahrens in fahrunfähigem Zustand schuldig gemacht. Es verurteilt die Mutter daher zu einer Busse von 400 Franken und einer bedingten Geldstrafe von 2100 Franken, wie dem nun vorliegenden Urteil zu entnehmen ist. Auch die Verfahrenskosten von 2800 Franken hat die Frau zu tragen.

Damit halbiert das Landgericht die ursprüngliche Busse von 800 Franken, welche Staatsanwältin Nora Greter vergangenes Jahr in einem Strafbefehl festgelegt hat. Gegen diesen wehrte sich die nun Verurteilte vergangene Woche vor dem Richter (Ausgabe vom 30. Juni). Erhöht hat das Gericht hingegen die bedingte Geldstrafe, die zunächst 1500 Franken betrug. Diese würde aber eh nur relevant, wenn sich die verurteilte Frau in den kommenden zwei Jahren erneut eines Vergehens oder Verbrechens schuldig macht.

Streit führte zur Autofahrt

Gegenüber dem Landgerichtspräsidenten Philipp Arnold argumentierte die Verurteilte vergangene Woche, der hohe Promillewert sei zustande gekommen, weil sie bei ihrem Bekannten in Altdorf gleich nach ihrer Ankunft weitere alkoholhaltige Getränke zu sich genommen habe. Erst 40 Minuten später sei die Polizei erschienen. Vor der Fahrt seien es lediglich zwei bis vier Halbliterdosen Bier gewesen, die sie innert dreieinhalb Stunden getrunken habe. Als Grund für ihre Autofahrt gab sie einen heftigen Streit mit ihrem damaligen Partner an, vor dem sie geflüchtet sei. «Ich habe eine Ohrfeige gekriegt. Da habe ich meine Tochter genommen und bin weggefahren.» Während des Lenkens habe sie sich nicht fahruntauglich gefühlt.

Ihr Verteidiger Heinz Holzinger war der Meinung, ein Fahren in derart angetrunkenem Zustand lasse sich «nicht ansatzweise» belegen. An die Adresse von Staatsanwältin Nora Greter richtete er die Worte: «Alle anderen Staatsanwälte hätten das Verfahren bei dieser Beweislage eingestellt.» Denn sowohl der damalige Partner der Verurteilten als auch ihr Altdorfer Bekannter, der ihr nach ihrer Ankunft einen Wodka und einen starken Aperol Spritz ausgeschenkt habe, hätten in ihren Zeugenbefragungen die Darstellung der Frau gestützt. Das Urteil sei für ihn daher nicht nachvollziehbar, wie Holzinger auf Anfrage sagt. Man werde nun das begründete Urteil abwarten und dann entscheiden, ob man das Urteil an die zweite Instanz weiterzieht.