1750 Schattdorfer wollen neue WOV-Pläne

Dem Gemeindepräsidenten von Schattdorf wurde am Dienstag die Petition überreicht. Damit wird eine angepasste Verkehrsführung beim WOV-Kreisel gefordert.

Florian Arnold
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Iwan Deplazes, Cornel Betschart und Markus Brand (von links) übergaben am Dienstag Gemeindepräsident Bruno Gamma 1750 Unterschriften.

Iwan Deplazes, Cornel Betschart und Markus Brand (von links) übergaben am Dienstag Gemeindepräsident Bruno Gamma 1750 Unterschriften.

Bild: Florian Arnold

Dem Gemeinderat von Schattdorf wurde am Dienstagabend eine Petition mit 1750 Unterschriften überreicht. Die Unterzeichner fordern, die Vereinbarung zwischen Kanton und Gemeinde betreffend flankierender Massnahmen wegen der West-Ost-Verbindung (WOV) neu zu verhandeln. Hinter der Aktion steckt die Interessengemeinschaft «WOV für alle». Dieser gehören ehemalige und aktuelle Landräte, ehemalige Gemeindepräsidenten, Unternehmer sowie Bürger von Schattdorf an. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Pläne für die Gemeinde Schattdorf zu stoppen und neu zu überdenken.

«Unnötige Massnahmen» sollen verhindert werden

In der Petition enthalten ist auch ein Vorschlag, wie die Verkehrsführung gestaltet werden könnte: Die Gotthardstrasse soll direkt über den neuen Kreisel erschlossen werden und gleichberechtigt zur Dorfstrasse befahrbar sein. «Der Gemeinderat verzichtet auf das Ziel, den Durchgangsverkehr um 80 Prozent zu reduzieren, um alle Schattdorfer von der WOV profitieren zu lassen», so die Forderung. Durch diese Massnahmen werde die Sicherheit im Dorfkern erhöht, die Kosten «für unnötige» flan­kierende Massnahmen an der Gotthardstrasse reduziert und das Verkehrsaufkommen gleichmässig verteilt. Nach der Vorstellung der Initianten braucht es keine künstliche Abwertung der Strasse.

«In Schattdorf ist viel Unmut spürbar», sagte Markus Brand, Initiator der Petition, gestern bei der Übergabe. Dies habe er schon bei der Frühlingsdorfgemeinde gespürt, als er ein dezidiertes Votum abgab, das mit spontanem Applaus unterstrichen wurde. Daraufhin habe er sich mit Kollegen abgesprochen und schliesslich entschieden, eine «freundliche Petition» an den Gemeinderat zu starten. Brand betonte: «Wir stellen nicht die WOV in die Frage.» Denn diese habe das Urner Stimmvolk gefordert. Die vielen Unterschriften, die das Mass einer Volksabstimmung bei weitem übertreffen, stellten aber einen klaren Auftrag dar.

Gemeinderat ist bereit, sich einzusetzen

Gemeindepräsident Bruno Gamma nahm die grosse Kiste mit den Petitionsbogen entgegen. «Der Gemeinderat Schattdorf weiss über den Unmut Bescheid», so Gamma. Man sei bereit, sich für die Anliegen der Bevölkerung einzusetzen.

Die Petitionäre stören sich insbesondere am Kreisel bei der Coop-Tankstelle, der die Gotthardstrasse gegen Süden nicht direkt anschliesst. Der Gemeindepräsident appellierte aber daran, die Situation gesamtheitlich anzuschauen. «Ich bin überzeugt, dass gewisse Massnahmen ergriffen werden müssen», so Gamma. Die Verkehrsanschliessung von Schattdorf müsse einen Mehrwert darstellen. «Alles wird miteinander zusammenspielen», gibt der Gemeindepräsident zu bedenken. «Es nützt nichts, wenn wir den Kreisel anders bauen, und woanders umso mehr Massnahmen ergreifen müssen.»

Wird Dorf zur «Hauptverkehrsachse»

Genau dies stellen aber die Petitionäre in Frage. Denn sie gehen davon aus, dass mit den Massnahmen die Dorfstrasse zur «Hauptverkehrsachse» wird. Dies ist für Gemeindepräsident Gamma allerdings nicht gegeben, schliesslich soll die WOV auch Schattdorf vom Durchgangsverkehr entlasten. Wichtig sei es, dass der Kanton eine Erhebung der jetzigen Situation mache, wie viele Fahrzeuge zum Durchgangsverkehr und wie viele zum Zielverkehr zählen.

Ein Anliegen der Petitionäre ist es zudem, über die weiteren Schritte transparent informiert zu werden. Wichtig sei, die Bevölkerung in die Entscheidung einzubinden. Als nächsten Schritt will man mit dem Kanton nun das Gespräch suchen. Für Gemeindepräsident Gamma ist aber klar: «Mit dem neuen Konzept werden wir wohl nicht alle 1750 Schattdorferinnen und Schattdorfer zufriedenstellen können. Aber wir stecken im Prozess.»

Baudirektor will sich Anliegen anhören

Baudirektor Roger Nager ist bereit, sich die Anliegen der Petitionäre an einem Runden Tisch anzuhören. Er betont aber: «Es gilt, einen kantonalen Volksentscheid umzusetzen. Der politische Prozess ist eigentlich abgeschlossen.» Dass es flankierende Massnahmen im Bereich Schattdorf braucht, damit der Verkehr auf die WOV gelenkt werden kann, ist für den Baudirektor klar. Zu Gesprächen sei er aber selbstverständlich bereit.

Das sind die Pläne

Flankierende Massnahmen

Die Petitionäre zielen auf die flankierenden Massnahmen ab. Diese haben zum Zweck, den Verkehr auf die WOV zu lenken. Aus diesem Grund wird das Abzweigen auf die Gotthardstrasse beim Knoten Schächen wie auch beim Adlergarten erschwert (Vortrittsrechte werden angepasst) und die Strasse zu einer Kernfahrbahn mit Velostreifen auf beiden Seiten umgebaut. Weitere Massnahmen werden im anschliessenden Abschnitt vom Adlergarten bis zur Militärstrasse getroffen. Beim Schächen und beim Adlergarten wird die Route der Busse, die heute durch die nötigen Linksabbiegemanöver behindert sind, priorisiert.

Gegen die Petition gewehrt hatten sich die Landratskandidaten von SP und Grünen in Schattdorf. Sie empfahlen in einer Mitteilung, die Ausgestaltung des Kreisels bei der Schächenbrücke, wie ihn eine IG fordert, nicht zu unterstützen. Das Argument, dass mit der West-Ost-Verbindung (WOV) auf der Dorfstrasse der Transitverkehr massiv zunehme, sei reine Angstmacherei. Auch die VCS-Sektion Uri hatte sich gegen das «Aufweichen der flankierenden Massnahmen» gewehrt. Der Bau der WOV dürfe gemäss Vereinbarung zwischen dem Kanton und den betroffenen Gemeinden erst beginnen, wenn die flankierenden Massnahmen sichergestellt seien.