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4 von 10 Zügen fahren mit Urner Strom

Das Wasserkraftwerk in Amsteg generiert den Grossteil des Stroms, der die Züge über die Gotthardlinie bringt. In einer Führung durch die Anlage erklärte Karl Epp, warum dem Kraftwerk bald der Wasserhahn für einen Monat zugedreht wird.
Remo Infanger
Das Kraftwerk in Amsteg. (Bild: Urs Hanhart, 7. Juni 2018)

Das Kraftwerk in Amsteg. (Bild: Urs Hanhart, 7. Juni 2018)

Verregnete Vormittage, wie der gestrige einer war, sind nicht jedermanns Sache. Karl Epp, Standortkoordinator des Wasserkraftwerks Amsteg (siehe Box), blickt ihnen jeweils freudig entgegen: «Wenn es regnet, sprechen wir im Kraftwerk von schönen Tagen, denn Regen bringt Wasser, und daraus machen wir Strom», erklärt Epp. Der 52-jährige Bristner führte unsere Zeitung gestern durch das Wasserkraftwerk in Amsteg. Erstaunt haben dabei die Dimensionen. Denn was man immer wieder vergisst: Das Wasserkraftwerk Amsteg produziert den Grossteil des Stroms, damit die Züge der SBB über die Gotthard-Bergstrecke nach Göschenen gelangen.

Jährlich 460 Gigawattstunden Strom

Die Tour durch das Kraftwerk startete im Kommandoraum, in dem die Anlage überwacht wird. «Pro Sekunde fliessen 50'000 Liter Wasser mit einem Druck von 28 Bar durch die Turbinen», erklärte Epp. «Daraus gewinnen wir jährlich 460 Gigawattstunden Strom.» Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB, ergänzte: «4 von 10 SBB-Zügen, die durch die Schweiz fahren, werden allein durch den aus Wasserkraft produzierten Strom der Urner Reuss-Kaskade angetrieben.» Das Wasserkraftwerk in Amsteg sei dabei ein zentrales Glied dieser Reuss-Kaskade, zu der auch die Wasserkraftwerke in Göschenen und Wassen gehören würden.

Wassermassen donnern über 280 Höhenmeter
auf Turbinen

So wird das Wasser, welches zunächst in den Kraftwerken Göschenen und Wassen gebraucht wird, in das Staubecken Pfaffensprung weitergeleitet und durch zwei 7,3 Kilometer lange Druckstollen ins Berginnere zum Wasserschloss oberhalb von Bristen geleitet. Auch Wasser vom Felli-, Etzli- und Chärstelenbach fliesst dazu. «Vom Wasserschloss stürzen die Wassermassen mit voller Geschwindigkeit auf die 280 Meter tiefer gelegenen drei Turbinen unseres Kraftwerks», erklärt Epp. Die Turbinen werden in Bewegung gesetzt, und die mechanische Energie wird in Elektrizität umgewandelt – ähnlich wie bei einem Dynamo.

Karl Epp, Standortkoordinator des Wasserkraftwerks Amsteg, in der alten Zentrale mit den Turbinenrädern und Generatoren, die heute unter Denkmalschutz stehen (Bild: Remo Infanger, Amsteg, 23. Juli 2018).

Karl Epp, Standortkoordinator des Wasserkraftwerks Amsteg, in der alten Zentrale mit den Turbinenrädern und Generatoren, die heute unter Denkmalschutz stehen (Bild: Remo Infanger, Amsteg, 23. Juli 2018).

Der Weg führt danach in das Innere des Bristenstocks, wo sich die Kaverne befindet. «Sie ist gleichzeitig das Kernstück der Anlage», so Epp. Auf 88 Metern Länge sind im Maschinenraum drei Generatoren eingebaut: «Trudi, Marie­theres und Clara heissen die Herzstücke unserer Anlage», sagt Epp. Sie seien benannt nach den Frauen der Mitarbeiter, welche die Generatoren zum ersten Mal in Betrieb genommen haben.

Das 1922 erbaute Kraftwerk wurde von 1993 bis 1998 grösstenteils neu gebaut. Grund dafür war die zunehmende Förderung des öffentlichen Verkehrs der SBB, wofür auch mehr Elektrizität benötigt wurde. So hat man die Kavernenzentrale mit den Generatoren und Turbinen in Amsteg in das Innere des Berges verlegt. «Viele wissen heute noch nicht, dass durch die grünen Rohre neben der alten Seilbahn nun seit bald 20 Jahren kein Wasser mehr fliesst», erklärt Epp.

Kraftwerk wird für einen Monat ausser Betrieb sein

Durch ein Tunnelsystem führt der Weg in den grossen Raum mit drei Kugelschiebern. «Sie übernehmen im Prinzip die Aufgaben von gigantischen Wasserhähnen, durch welche die Wassermenge reguliert wird.» Alle 20 Jahre müssen diese Kugelschieber ausgewechselt oder revidiert werden. Da es im kommenden September bei einer Maschine wieder so weit ist, wird das Kraftwerk Amsteg für einen Monat ausser Betrieb sein. «Täglich geht dabei Strom im Wert von 100000 Franken verloren», so Epp. Diese Energie können die SBB aber von anderen Kraftwerken beziehen.

Die wie gigantische Wasserhähne anmutenden Kugelschieber sind für die Regulierung der Wassermenge verantwortlich (Bild: Remo Infanger, Amsteg, 23. Juli 2018).

Die wie gigantische Wasserhähne anmutenden Kugelschieber sind für die Regulierung der Wassermenge verantwortlich (Bild: Remo Infanger, Amsteg, 23. Juli 2018).

«Bis 2025 wollen die SBB komplett auf erneuerbare Energie setzen», sagt Pallecchi. «Heute ist man bereits bei 90 Prozent, wobei die Wasserkraft, die im Reusstal gewonnen wird, einen grossen Teil ausmacht.» Die Stromproduktion aus Wasserkraft in Uri sei in vielerlei Hinsicht wichtig. So würden Wasserzinsen und Steuern Millionenbeträge ausmachen, die dem Kanton, den Korporationen Uri und Usern sowie den Gemeinden zugutekommen. Zudem würden Urner Kraftwerke über hundert Personen beschäftigen. Epp spricht daher von einer «alten Liebesgeschichte zwischen dem Kanton Uri, dem Strom und den SBB».

Wasser hat noch weiteren Nutzen

Das Wasser, das durch das Kraftwerk in Amsteg fliesst, hat schliesslich noch einen weiteren Nutzen: «Tief im Innern des Bergmassivs befinden sich nämlich auch riesige Rechner einer Firma, die Edelmetalle, Kunst und Daten bunkert», so Epp. «Mit unserem Wasser werden diese Rechner gekühlt.»

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