400-Jahre-Jubiläum
Abkurung und Kircheinweihung: Isenthal kann doppelt feiern

Zum 400-Jahre-Gemeindejubiläum war eine grosse Kinderfasnacht geplant. Coronabedingt wurde sie abgesagt. Trotzdem planen die Initianten zahlreiche Veranstaltungen im Jubiläumsjahr und blicken zurück auf die Entstehungsgeschichte der Berggemeinde.

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Das Dorf Isenthal Anfang des 20. Jahrhunderts, noch ohne das heutige Schul- und Gemeindehaus.

Das Dorf Isenthal Anfang des 20. Jahrhunderts, noch ohne das heutige Schul- und Gemeindehaus.

Bild: PD

(pd/mah) Im Jahr 2021 feiert Isenthal zwei grosse Jubiläen: die Abkurung von Seedorf vor 400 Jahren und die Einweihung der Kirche St.Theodul am 24. Oktober 1821. Isenthal hat sich behauptet – sobald es möglich wird, wird also gefeiert. Doch die Jubiläen bieten auch Gelegenheit zum Rückblick.

Die Zugänge über Ängisort nach Seedorf, aber auch der Weg zur Isleten oder über Bärchi nach Bauen waren vor allem im Winter lebensgefährlich. Schon 1407 beschwerten sich die «tallüt von iseltal» in ihrer Sorge um den Weg. Sie setzten eine Wegbehörde ein. Die Bewohner hofften auf einen Anfang in eine bessere Zukunft.

Wenig später, 1409, weihte der Weihbischof Franziskus von Konstanz den Altar der hölzernen Kapelle zu Ehren des Sittener Bischofs Theodul ein. Vermutlich waren es Walser, die schon im Spätmittelalter das Tal kolonisierten. 1483 baute man dann eine grössere Kirche – diesmal in der Dorfmitte. Der Siedlungsschwerpunkt verschob sich ins Dorf hin zur Einmündung des Kleintalbachs in die Isentaleraa. Die Talleute oder Kirchgenossen schlossen sich zur «Kirchhöre» zusammen. Dazu gehörten die Armenfürsorge und das Schulwesen. Erst im 15. Jahrhundert setzt die Überlieferung des Pfarrarchivs ein.

Vor 200 Jahren war es für die wenigen Einwohner eine Herausforderung, die grosse neoklassizistische Kirche St.Theodul zu bauen.

Vor 200 Jahren war es für die wenigen Einwohner eine Herausforderung, die grosse neoklassizistische Kirche St.Theodul zu bauen.

Bild: Josef Schuler/PD

Im Jahr 1698 hatte Isenthal 150 Einwohner – und wuchs stetig

Ohne Zweifel: Die Abkurung von der Mutterpfarrei 1621 verstärkte die Gemeindebildung. Das siebenköpfige Dorfgericht (heute der Gemeinderat) wurde 1774 eingesetzt, der Dorfschreiber führte seither Protokoll. Der Dorfvogt regelte das Allmendwesen, er zeichnete das Holz. Dem seit 1500 als «Kilchenpfleger» nachgewiesenen Kirchenvogt oblag das Kirchenwesen. Der Waisenvogt beaufsichtigte Mündel und Vögte. Die Kapläne, oder später die Pfarrer, waren Amtsträger, Seelsorger und zugleich die ersten Schulmeister. Sie lebten sporadisch seit 1517 und ständig ab 1650 im Dorf. Im Jahr 1698 gab es 150 Einwohner. Nun wuchs das Tal stetig. 1799 zählte man bereits 360 Leute, 59 Häuser, allein in Dorfumgebung waren es 24 Heime.

Es entwickelte sich ein Siedlungsmittelpunkt mit Kirche, Pfarrhof, Schulstube, auch mit einer Sägerei und Gasthäusern. In einer Urkunde von 1483 liest man «Villa», was «Dorf» bedeutet. Die fortschreitende Gemeinschaft der Isenthaler entstand aus Herausforderungen, die nur gemeinsam bestritten werden konnten. Über viele Jahrhunderte bildeten sich langsam die heutigen Strukturen der Talschaft heraus.

Isenthal kurte sich vor 400 Jahren von Seedorf ab.

Isenthal kurte sich vor 400 Jahren von Seedorf ab.

Bild: Bruno Imholz/PD

Eine Arbeitsgruppe programmiert das Jubiläumsjahr

Der kirchliche Hauptanlass der Jubiläumsfeiern ist an Fronleichnam, der weltliche mit Buchvernissage und Ausstellung während der Kilbi. Eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern von Kirchenrat, Gemeinderat und der Kulturkommission hat zusammen mit den Vereinen und privaten Initiativen ein stimmiges Jahresprogramm 2021 gestaltet. Dieses wurde in alle Haushaltungen verteilt. Coronabedingt mussten die ersten Anlässe verschoben werden, so unter anderem ein Eröffnungskonzert mit der Musikschule, dem Schul- und dem Jodelchor. Trotzdem sind 2021 weitere Veranstaltungen vorgesehen: Am Sonntag, 25. April, laden die Jugendgruppe und die Frauen- und Müttergemeinschaft zu einem Familiengottesdienst mit Pfarrei-Zmorge ein.

Festwochenende mit Kilbi: Höhepunkt ist eine Dorfbuch-Vernissage

Der eigentliche Jubiläumshöhepunkt, das Festwochenende «200 Jahre Gotteshaus und 400 Jahre Eigenständigkeit», ist an der Kilbi vom 16. bis 18. Oktober geplant. Höhepunkt wird die Ausstellungseröffnung mit Dorfbuch-Vernissage mit Dr. Hans Stadler sein. Der Festgottesdienst wird umrahmt mit der Uraufführung einer Komposition von Josef Gasser mit Blasmusik, Chor, Alphorn und Orgel. Alle weiteren Anlässe und coronabedingte Änderungen sind auf der Website der Gemeinde publiziert.

Seit über 20 Jahren organisiert in Isenthal das «Gwääger-Fasnachtsdirektorium» mit dem Lehrerteam eine stimmungsvolle Kinderfasnacht. Dieses Jahr gab es weder Dorfumzug noch Prämierung.

Seit über 20 Jahren organisiert in Isenthal das «Gwääger-Fasnachtsdirektorium» mit dem Lehrerteam eine stimmungsvolle Kinderfasnacht. Dieses Jahr gab es weder Dorfumzug noch Prämierung.

Bild: Josef Schuler/PD

Umzug um das Schulhaus – statt im ganzen Dorf

«Wie kann man trotz Corona etwas fasnächtliche Atmosphäre ins Schulhaus zaubern?», fragte sich Schulleiter Andy Huwyler. Für ihn war sonnenklar: Der im Gemeinde-Jubiläumsjahr vorgesehene Fasnachtsumzug mit Trompeten und Pauken durch das ganze Dorf konnte dieses Jahr nicht stattfinden. Sehr zum Bedauern der Kinder und Lehrer. In normalen Jahren sorgen auch Eltern und Musikanten dafür, dass es in den Dorfgassen ordentlich tönt.

Nach dem Umzug findet jeweils eine grosse Kindermaskenprämierung mit schönen kleinen Preisen statt. Nicht so dieses Jahr. «Wir verkaufen heuer den ‹Gwääger›, das Isenthaler Fasnachtsblatt, ohne ‹Hudiball› im Urirotstock», meint der «Gwääger»-Dichter Bruno Imholz schmunzelnd. Doch im Dorfladen kann man auch heuer den «Gwääger» kaufen.

«Mit den Einnahmen finanzieren wir die Kinderfasnacht», ergänzt der «Urirotstock»-Hotelier und «Gwääger»-Direktor Ruedi Bissig. Während er und Bruno Imholz den heissen Punsch mit Mutschli und Schoggistengel auf der Terrasse bereitmachten, liefen die fasnächtlichen Kinder rund um das Schulhaus. Fürs nächste Jahr hoffen alle, dass die 20-jährige Tradition der Maskenprämierung wieder durchgeführt werden kann.