50 JAHRE FASNACHTSZUNFT SEELISBERG: Grosse Köpfe liefern Namen

In Seelisberg gibt es seit 50 Jahren einen Kinderumzug. Die Urner ergriffen die Initiative, weil es mit Brunnen damals fast zu einem Streit gekommen wäre.

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Zwei Generationen bestimmten die Fasnacht der vergangenen 50 Jahre, Domini mit Sohn Thomas Gisler (links) und Josef mit Sohn Seppi Truttmann. (Bild pd)

Zwei Generationen bestimmten die Fasnacht der vergangenen 50 Jahre, Domini mit Sohn Thomas Gisler (links) und Josef mit Sohn Seppi Truttmann. (Bild pd)

Die Fasnacht in Seelisberg hat eine uralte Tradition. Frühmorgens zogen die Fasnächtler nach Volligen und gingen dann von Haus zu Haus durchs ganze Dorf. Verschiedene Familien empfingen die Fasnächtler mit Livemusik oder Klängen aus dem Grammophon. Dann wurde getanzt, gegessen und getrunken mit immer wieder neuen Besuchern.

Am Schmutzigen Donnerstag gingen die Familien zum Fasnachtsumzug nach Brunnen. Da die Seelisberger Kinder mehr Orangen als die Brunner Schulkinder auffangen konnten, hatten die Brunner immer weniger Freude am Fasnachtsbesuch der Seelisberger. Beinah wäre es deswegen zu einem Streit gekommen.

Maskierte werden beschenkt
Die Seelisberger organisierten dann kurzerhand am Schmutzigen Donnerstag einen eigenen Kinderumzug mit anschliessender Bescherung. «Wir möchten den Kinderumzug grösser machen und die Kinder reichhaltig beschenken. Wir werden deshalb in den nächsten Tagen bei allen Haushalten vorbeikommen, um ein Scherflein für die Kinderbescherung bei Ihnen zu erbitten», schreibt das Fasnachtsinfoblatt von 1958.

Speziell rief das Blatt auch alle Frauen und Töchtern auf, an der Fasnacht mitzumachen. Alle Maskierten erhielten eine Stempelkarte, welche sie beim fasnächtlichen Besuch in verschiedenen Restaurants und Dorfgeschäften zeigten. Je nach Anzahl der Stempel erhielten die Fasnächtler einen Batzen sowie einen Gutschein für einen frischen Zopf.

Die Fasnacht lebte auf
Im Januar 1959 traf sich eine Hand voll Fasnächtler im Hotel Schützenhaus und gründete eine Fasnachtszunft. Werner Baumann amtete bis zu seinem Tod als Präsident. Die weiteren Gründungsmitglieder Domini Gisler und Josef Truttmann arbeiteten mehrere Jahrzehnte aktiv im Vorstand mit. «Als wir nach einem Namen für die Zunft suchten, kamen einige Herren mit grossen Hutnummern zur Tür herein. Da sagte einer zum Spass am Tisch ?jetzt chämid diä mit de grossä Grindä? und schon war der Name ?Gross-Grinden-Zunft? gefunden», erinnert sich Domini Gisler an den Gründungsabend. Vierzig Fasnächtler schrieben sich bei der Zunft ein, heute sind es über 250 Mitglieder. Die Fasnachtsauslagen der Zunft für 1959 betrugen Fr. 262.50 bei Spendeneinnahmen von über 300 Franken. Bereits ein Jahr später ernannte die Zunft Erwin Zwyssig zum ersten Zunftmeister. Seitdem ist der Umzug dem Leben und Wirken des Zunftmeisters gewidmet. «Anfänglich liefen Kühe und Fussgängergruppen am Umzug mit, später konnten dank verschiedener grosser Garagen und Unterstände auch Fasnachtswagen gebaut werden», erzählt Josef Truttmann über die Entwicklung an den Umzügen in Seelisberg.

Umzug auf Samstag verschoben
Anfänglich veranstalteten verschiedene Restaurants in Seelisberg einen Maskenball, während einer gewissen Zeit organisiert der Samariterverein in der Turnhalle einen grossen Fasnachtsabend. Immer besuchte die Zunftmeisterfamilie auch das Altersheim. 1979 erhielt die Zunft durch Josef Truttmann einen eigenen Zunftmeistermarsch.

Zur Belebung des traditionellen Besuchs beim Zunftmeister gründeten Zunftmitglieder 1989 die «Chatzämuisig Seelisberg». Ab 1994 fand der Umzug im jährlichen Wechsel mit der Kinderfasnacht statt, und seit 2007 ist der Umzug am Fasnachtssamstag zu sehen. So hoffen die Fasnachtsverantwortlichen, mehr Besucher am Umzug begrüssen zu können.

Seit 1998 erscheint im 2-Jahres-Rhythmus ein Narrenblatt, das von der Zunft verfasst wird.

Christoph Näpflin