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50 Lehrstellen konnten in Uri nicht besetzt werden

94 Prozent der Urner Jugendlichen haben nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit eine direkte Anschlusslösung gefunden. Die Sorge um den Nachwuchs führt jedoch bei den Lehrbetrieben dazu, dass sie immer früher eine Zusage für eine Lehrstelle machen.
Sie haben ihre Lehrzeit bereits erfolgreich hinter sich gebracht: junge Berufsleute aus den kaufmännischen Bereichen und aus dem Detailhandel an der Lehrabschlussfeier im Theater Uri in Altdorf. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 5. Juli 2018)

Sie haben ihre Lehrzeit bereits erfolgreich hinter sich gebracht: junge Berufsleute aus den kaufmännischen Bereichen und aus dem Detailhandel an der Lehrabschlussfeier im Theater Uri in Altdorf. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 5. Juli 2018)

Mit Ende des Schuljahrs 2017/2018 haben 342 Urner Jugendliche die obligatorische Schulzeit abgeschlossen. Einige besuchen weiterhin eine allgemeinbildende Schule; für die grosse Mehrheit aber beginnt mit dem Übertritt in die Lehre ein ganz neuer Lebensabschnitt.

Für die Jugendlichen im Kanton Uri hat sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt in den vergangenen Jahren äusserst positiv entwickelt. «Aufgrund der demografischen Entwicklung schliessen weniger Jugendliche die obligatorische Schulzeit ab; gleichzeitig werden weiterhin ähnlich viele Lehrstellen angeboten wie in früheren Jahren», heisst es in einer Mitteilung der Beruf-, Studien- und Laufbahnberatung.

Wie die Erhebung zum Schulende zeigt, verfügen 94 Prozent der Urner Jugendlichen, die soeben die obligatorische Schulzeit beendet haben, über eine direkte Anschlusslösung auf Sekundarstufe II. Sie treten ohne Zwischenlösung in eine berufliche Grundbildung oder eine allgemeinbildende Schule (Gymnasium oder Fachmittelschule) über. Nur 6 Prozent absolvieren ein Zwischenjahr. Somit ist die direkte Übertrittquote im Kanton Uri sehr hoch. Schweizweit absolvieren durchschnittlich 20 Prozent der Jugendliche ein Zwischenjahr.

Lehrbetriebe wollen Schüler frühzeitig an sich binden

Die für die Jugendlichen und ihre Eltern erfreuliche Entwicklung bereitet den Lehrbetrieben indes zunehmend Sorge. Diesen Sommer konnten in Uri rund fünfzig Lehrstellen nicht besetzt werden. Darum versuchen immer mehr Betriebe, die Schüler an sich zu binden, indem sie ihnen frühzeitig eine Lehrstellenzusage machen. Fast 27 Prozent der Jugendlichen, die im August 2018 eine Lehre antreten, haben bereits in der 2. Oberstufe eine mündliche Lehrstellenzusage erhalten. Die Quote der Lehrstellen, die schon vor Beginn der 3. Oberstufe vergeben wurden, ist in den vergangenen sieben Jahren von 4 auf 27 Prozent gestiegen.

Druck nimmt zu, Fehlentscheide drohen

Die negativen Begleiterscheinungen dieser Entwicklung werden immer stärker ersichtlich. Wenn Jugendliche schon bei der ersten Schnupperlehre in der 2. Oberstufe eine mündliche Zusage erhalten, befassen sie sich nicht mehr mit anderen Berufen. Der Berufswahlprozess wird vorzeitig abgebrochen, und die Auseinandersetzung mit Alternativen findet nicht statt.

Die frühen Zusagen für eine Lehrstelle bewirken , dass Jugendliche und Lehrbetriebe beim Berufswahl- und Selektionsprozess unter massiven Druck geraten. Dadurch werden Fehlentscheidungen provoziert. Im Endeffekt schadet das nicht nur allen Beteiligten, sondern auch dem Ansehen der Berufsbildung.

Probleme würden teilweise auch in den Schulen entstehen, heisst es in der Mitteilung. «Nach erfolgter Zusage sinkt die Motivation bei vielen Jugendlichen.» Das stelle die Oberstufenschulen und zunehmend auch die Berufsfachschulen vor grosse Herausforderungen. Entsprechende Aufrufe von kantonalen Stellen, Berufsbildungskommission und von Wirtschaft Uri, die sich dafür einsetzen würden, dass die Selektion der Lehrlinge in der 3. Oberstufe stattfinden sollte, hätten aber bisher noch nicht die gewünschte Wirkung erzielt. (red/MZ)

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