Bürglen: Jetzt wird gegen die 5G-Antenne mobilisiert

Anwohner sammeln Unterschriften gegen die geplante Mobilfunkanlage bei der Motorfahrzeugkontrolle.

Markus Zwyssig und Christian Tschümperlin
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Rund 50 Personen versammelten sich am Donnerstagabend, um nun Unterschriften gegen die neue Mobilfunkanlage zu sammeln. (Bild: Markus Zwyssig, 24. Oktober 2019)

Rund 50 Personen versammelten sich am Donnerstagabend, um nun Unterschriften gegen die neue Mobilfunkanlage zu sammeln. (Bild: Markus Zwyssig, 24. Oktober 2019)

Rund 50 besorgte Anwohner versammelten sich am Donnerstagabend bei der Motorfahrzeugkontrolle. Sie wehren sich gegen den geplanten Bau einer neuen, 25 Meter hohen Mobilfunkanlage unmittelbar hinter der Motorfahrzeugkontrolle (siehe unsere Zeitung vom Mittwoch). In den nächsten Tagen wollen die Gegner nun möglichst viele Unterschriften zusammen bringen und mit einer Sammeleinsprache politisch Druck machen.

Bruno Bomatter wohnt nur wenige Meter von der projektierten Mobilfunkanlage entfernt. (Bild: Markus Zwyssig, 24. Oktober 2019)

Bruno Bomatter wohnt nur wenige Meter von der projektierten Mobilfunkanlage entfernt. (Bild: Markus Zwyssig, 24. Oktober 2019)

«Die Antenne steht nicht in der Industriezone, sondern vielmehr im Wohnquartier», sagte Bruno Bomatter, der nur wenige Meter neben der projektierten Mobilfunkanlage wohnt. «Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind heute noch nicht bekannt.» Zwischen 3000 und 4000 Personen seien berechtigt, eine Einsprache zu machen, schätzt Bomatter. In unmittelbarer Nähe trainiert der Fussballclub Schattdorf. Die Initianten hoffen auf Unterschriften der Sportler ebenso wie von besorgten Eltern von Kindergarten- und Waldspielgruppenkindern, welche sich oft ganz in der Nähe der Anlage aufhalten. «Einsprache machen können Anwohner in einem Radius von fast einem Kilometer», stellte Adi Arnold aus Bürglen fest. «Das erstaunt, wenn doch die Fachleute immer sagen, eine Gefahr der Strahlen sei nicht bewiesen.»

Remo Bätscher. (Bild: Markus Zwyssig, 24. Oktober 2019)

Remo Bätscher. (Bild: Markus Zwyssig, 24. Oktober 2019)

Der Widerstand wächst täglich. Die Facebookgruppe der Gegner zählt über Hundert Mitglieder. Auch der Whatsapp-Chat hat immer stärkeren Zulauf. Den Initianten geht es darum, gemeinsam gegen die 5G-Antenne im Wohngebiet zu kämpfen, über deren geplanten Bau im Vorfeld nicht informiert worden sei. Die Anwohner wehren sich gegen die massiv erhöhte Strahlungsbelastung. Sie fürchten um ihre Gesundheit und erwarten eine massive Wertminderung der Liegenschaften. Remo Bätscher aus Bürglen sagt:

«Es ist wichtig, möglichst viele Unterschriften zu sammeln. Das macht Eindruck und hat Gewicht.»
Aldo Wipfli. (Bild: Markus Zwyssig, 24. Oktober 2019)

Aldo Wipfli. (Bild: Markus Zwyssig, 24. Oktober 2019)

Aldo Wipfli findet es beängstigend, was über 5G geschrieben wird: «Wir müssen die Leute wachrütteln.» Kritisiert wurde von den Anwesenden der unerschütterliche Glaube an den Fortschritt. «Die Zukunft der nächsten Generation steht auf dem Spiel», sagte Gertrud Gisler aus Schattdorf. «Wegen der Digitalisierung werden Jobs wegrationalisiert.» Der Neubau einer Mobilfunkanlage für die Swisscom war vor einer Woche im «Urner Amtsblatt» ausgeschrieben und projektiert worden. Die Baupläne können auf den Gemeindekanzleien in Bürglen, Schattdorf und Altdorf eingesehen werden. Zudem sind die Pläne unter www.ur.ch/baugesuche aufgeschaltet. Das entsprechende Grundstück auf Bürgler Gemeindegebiet befindet sich im Eigentum des Kantons. Eine Zustimmung bezüglich Strahlenbelastung muss das Amt für Umweltschutz geben. Die Baubewilligung erteilt schliesslich die Gemeinde Bürglen. Die Zeit fürs Unterschriftensammeln drängt, denn die Einsprachefrist ist auf 20 Tage beschränkt.

Bürgler Gemeinderat zeigt sich befremdet

Auch der Gemeinderat Bürglen ist befremdet über das Vorgehen der Swisscom, sagte Gemeindepräsidentin Luzia Gisler gestern auf Anfrage. «Die Bauherrschaft hat uns vorgängig nicht informiert und auch nicht das Gespräch mit uns gesucht.» An den Gemeinderatssitzungen sei die neue Mobilfunkanlage ebenfalls ein Thema. «Wir nehmen die Anliegen der Bevölkerung sehr ernst und prüfen nun, wie wir selber aktiv werden können», so Gisler.