«Ab heute bin ich wieder auf dem Stellenmarkt» – Das sind Reaktionen aus dem Urner Rathaus

So äusseren sich die gewählten Regierungsräte, die Parteipräsidenten und die nicht gewählten Politiker zu den Wahlen im Kanton Uri.

Florian Arnold
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Damit hatte man nicht gerechnet: Der Urner Regierungsrat wurde am Sonntag im ersten Wahlgang komplett bestimmt. Die Urner entschieden sich für eine konkordante Lösung: Die CVP behält drei Sitze, die FDP gibt einen Sitz zu Gunsten der SVP ab, die nun nach vier Jahren wieder in der Exekutive vertreten ist. Die SP behält ihren Sitz. Neu Einsitz genommen haben Christian Arnold (SVP) Seedorf und Daniel Furrer (CVP) Erstfeld.

Christian Arnold: «Die Urner wollen Konkordanz»

Christian Arnold.

Christian Arnold.

Bild: Urs Hanhart

«Ich bin hocherfreut über meine Wahl und auch überrascht, dass es im ersten Wahlgang geklappt hat», sagt der frischgewählte SVP-Regierungsrat Christian Arnold. Mit 6442 Stimmen lag er 737 Stimmen über dem absoluten Mehr. «Die Urner wollen Konkordanz und die drittstärkste Fraktion in der Regierung», erklärt er sich die Wahl. Mit dem 43-jähigen Seedorfer ist die SVP nach vier Jahren in die Regierung zurückgekehrt. Zudem habe offenbar auch seine langjährige Arbeit als Seedorfer Gemeinderat und Landrat überzeugt.  

Daniel Furrer: «Wir wissen mit dieser Macht umzugehen»

Daniel Furrer.

Daniel Furrer.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

«Ich habe mir in den kühnsten Träumen ausgemalt, dass es knapp wird. Dass es nun auf die richtige Seite für mich gekippt ist, macht mir grosse Freude», sagt der frisch gewählte Daniel Furrer. «Hinter so einer Wahl stehen viele Personen, das ist auch ein gutes Zeichen für sie, dass wir offenbar vieles richtig gemacht haben.» Mit Furrers Sitzgewinn und dem Sitzverlust der FDP ist die CVP nun wieder die stärkste Macht im Regierungsrat. «Wir wissen mit dieser Macht umzugehen. Unsere Partei ist sehr breit aufgestellt, das wird auch weiterhin so sein» verspricht Furrer. Schon im Vorfeld hatte sich Furrer dazu bekannt, dass er mit der Justizdirektion liebäugelt. Daran habe sich nichts geändert. «Ich bin gespannt auf die Diskussionen.» Der Wahlkampf sei sehr aufwendig gewesen, aber fair verlaufen.

Dimitri Moretti: «Auch andere Zentralschweizer Kantone hätten einen SP-Regierungsrat verdient»

Dimitri Moretti

Dimitri Moretti

Bild: Urs Hanhart

Die Wahl von Dimitri Moretti stand auf der Kippe. Umso erfreuter war er, dass er es im ersten Wahlgang geschafft hat. Dass er mehr Stimmen holte als sein Konkurrent aus der SVP, Christian Arnold, sieht er als gutes Zeichen. «Ich machte schon vor vier Jahren ein besseres Resultat als die SVP. Dass ich ein Bisheriger bin, war aber sicher auch ein Vorteil», sagt er. Er sei zufrieden, bei den Wiedergewählten vorne mit dabei zu sein. Trotzdem bedauert er, einem reinen Männergremium anzugehören. Dies gäbe kein gutes Bild ab. Moretti ist bis auf weiteres der einzige SP-Regierungsrat in der Zentralschweiz. «Ich habe das Gefühl, auch andere Kantone in der Zentralschweiz hätten einen SP-Regierungsrat verdient», sagt er dazu.

Georg Simmen: «Ab heute bin ich wieder auf dem Stellenmarkt»

Georg Simmen.

Georg Simmen.

Bild: Urs Hanhart

Die Wahl verpasst hat Georg Simmen, FDP, Realp. Die Enttäuschung war dem Urschner anzusehen. «Ich habe bis zum Schluss gekämpft und nun hat es in Gottes Namen nicht gereicht.» Er werde nun sein Leben frisch ordnen. «Ab heute bin ich wieder auf dem Stellenmarkt. Im April mache ich einen kleineren Jakobsweg und im Sommer eine grössere Wanderung.» Die Wahl beweise, dass die CVP klar die stärkste Partei im Kanton bleibe. «Ich habe im Wahlkampf prononciert politisiert und war so für einige nicht wählbar», glaubt Simmen. Der Anspruch der SVP sei gerechtfertigt gewesen. Dass auch seine Herkunft aus dem Urserntal, wo auch Regierungsrat Roger Nager herkommt, eine Rolle gespielt habe, schliesst Simmen nicht aus. Als gewählter Landrat will er nun weiter politisieren. Ob er in vier Jahren nochmals antreten werde, sei eine Frage von der Ausgangslage.

Pascal Blöchlinger: «Mein Resultat stellt mich nicht zufrieden»

Pascal Blöchlinger.

Pascal Blöchlinger.

Bild: Florian Arnold

Ebenfalls die Wahl verpasst hat Pascal Blöchlinger «Ich bin froh, dass Christian Arnold den Sprung geschafft hat. Unsere Stimmen haben sich nicht gesplittet, wie das einige vorausgesagt haben. Mein Resultat stellt mich aber nicht zufrieden», gibt Blöchlinger zu. «Die Gründe werden wir noch analysieren müssen.» Am Wahlkampf hat es wohl nicht gelegen, war Blöchlinger doch sehr präsent. «Es hat sich insofern gelohnt, als dass ich mir keine Vorwürfe machen muss, zu wenig gemacht zu haben. Ich habe meine Positionen im Wahlkampf klar dargelegt, vielleicht war es fast zu politisch, wenn ich es mit den andern vergleiche.» Erschwerend hinzu komme bei ihm, dass er nicht auf eine Verwandtschaft und ein berufliches Umfeld im Kanton Uri zählen könne. Innerhalb der Partei sah man es zudem nicht sehr gerne, dass Blöchlinger wild kandidierte. «Bei den Leuten, mit denen man innerhalb der Partei viel Kontakt hat, haben sich die Wogen rasch geglättet», so Blöchlinger. 

Karin Gaiser: «Für mich ist es ein Wahnsinns-Erfolg»

Karin Gaiser.

Karin Gaiser.

Bild: Urs Hanhart

Karin Gaiser hatte die Hürde der Nomination innerhalb der CVP verpasst. Eine Gruppe Frauen hatte die Erstfelderin aber vor wenigen Tagen nochmals ins Spiel gebracht und online einen Aufruf gestartet. 732 Stimmen lauteten auf ihren Namen. «Für mich ist es ein Wahnsinns-Erfolg. Mit dieser Deutlichkeit hätte ich nicht gerechnet, zumal ich keinen Wahlkampf geführt habe», sagt Karin Gaiser. Ihr beweise dies, dass ihr die Urner das Amt zugetraut und sich eine Frau im Regierungsrat gewünscht hätten. «Den Entscheid, nicht wild zu kandidieren, habe ich mir sehr gut überlegt», so Gaiser. Trotzdem bedauert sie nun den frauenlosen Zustand im Regierungsrat. «Es geht nicht nur um Frauenthemen, sondern darum, dass Frauen einen anderen Blickwinkel einbringen können.» Sie hoffe schwer, dass sich die Parteien nun darum bemühen, geeignete Frauen aufzubauen. «Aber ich erhoffe mir auch, dass es mehr Frauen gibt, die sich ein solches Amt zutrauen. Das ist wichtig für die Gesamtgesellschaft.»

Ruedi Cathry: «Es gehören Frauen in die Urner Regierung»

Ruedi Cathry.

Ruedi Cathry.

PD

Ruedi Cathry: Die FDP hat einen Sitz verloren. «Es war eine herausfordernde Ausgangslage. Georg Simmen hat mit der FDP Uri einen guten Wahlkampf gemacht. Daran liegt es nicht. Der Unterschied ist nicht riesig zu Daniel Furrer. Wir müssen es akzeptieren. Die Regierung ist gewählt und mich hat überrascht, dass es in einem Wahlgang vonstatten ging.» Dass der zweite Urschner eine Rolle gespielt hat, glaubt Cathry. «Es ist die Summe aller Dinge. Der zweite Urschner hat eine Rolle gespielt, aber es sind auch persönliche Angelegenheiten. Georg Simmen hat den aktiveren Wahlkampf geführt. Aber das macht nicht die Wahl aus.» Frauenfrage: «Es ist eine Katastrophe, zu der es nicht hätte kommen dürfen. Wir haben die Frauenangelegenheit bei uns schon vor mehreren Jahren unter die Lupe genommen, da wir mit dem Rücktritt von Barbara Bär rechnen mussten.  Aber es ist uns und den anderen Parteien nicht gelungen, eine Frau mit Qualifikationen, die auch will, aufzustellen. Man hat dem Punkt hohe Beachtung geschenkt. Aber die Frauen, die das Profil hätten, wollten beim besten Willen nicht. Eine Frau ohne das Profil aufzustellen, wäre der falsche Weg gewesen. Wir müssen vorwärts schauen. Man muss daran gehen. Es gehören Frauen in die Urner Regierung.»

Flavio Gisler: «Für uns ist es ein super Wahlsonntag»

Flavio Gisler.

Flavio Gisler.

Bild: Florian Arnold

Flavio Gisler ist hocherfreut über das Resultat. «Ich habe gedacht, dass es knapp werden könnte. Für uns ist es ein super Wahlsonntag, auch mit Blick auf die Landratswahlen.» Bei diesen legte die CVP zwei Sitze zu. «Die Konkordanz war den Wählern wichtig. Und die CVP ist nach wie vor die grösste Partei, was am Schluss wahrscheinlich den Ausschlag gegeben hat.» Der Wahlkampf sei fair verlaufen. Es wurde nicht gegeneinander geschossen. 

Ein 2. Wahlgang findet am 19. April 2020 statt.

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