Abgesetzter Generalvikar Martin Kopp: «Der Bischof will offenbar nicht zuhören»

Martin Kopp äussert sich zu Reaktionen, die er erhalten hat, und zur Stellungnahme von Bischof Peter Bürcher.

Martin Uebelhart
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Martin Kopp.

Martin Kopp.

Bild: Nadia Schärli (Erstfeld, 9. Mai 2017)

«Es ist kaum zu glauben», sagt Martin Kopp, ehemaliger Generalvikar der Urschweiz zu den Reaktionen auf seine Absetzung. «Ich habe Hunderte von Briefen, Mails und Telefonanrufen erhalten», sagt er im Gespräch. Zunächst habe er sich allerdings etwas zurückgezogen. «Da ging fast alles an mir vorbei.» Diese Rückmeldungen hätten eine schöne Seite. Nun habe er Sympathie von ganz unterschiedlichen Leuten erfahren. «Das stellt mich auf.»

Neben den persönlichen Reaktionen, die ihn erreicht haben, weiss er auch von zahlreichen Briefen und Mails – «eine dreistellige Zahl» – die direkt an den Bischofssitz in Chur geschickt worden seien. Und dann gebe es die Petition, die ohne sein Wissen lanciert worden sei von Leuten, die spontan gesagt hätten, dass das so nicht gehe.

Bischof geht nicht auf Anliegen der Menschen ein

«Ich bin erschüttert», sagt Martin Kopp zur Stellungnahme von Bischof Peter Bürcher, Apostolischer Administrator für das Bistum Chur. «Nicht so sehr wegen mir», hält er fest, sondern wegen der Art und Weise wie mit den Anliegen umgegangen werde, welche die Leute in Briefen oder auch mit der Petition an den Bischof herangetragen hätten. «Er geht überhaupt nicht darauf ein», so Kopp. Ihre Sorgen würden nicht ernst genommen. Das sei ein bestbekanntes Muster im Bistum Chur, das bis auf Bischof Haas zurückgehe.

«Der Bischof will offenbar nicht zuhören», meint er und spricht von einer restlosen Gesprächsverweigerung. «Mein Eindruck ist: Hätte er einen Teil der Briefe gelesen, hätte er nicht so etwas schreiben können, wie er es jetzt in seiner Stellungnahme getan hat.»

Bischof hat zugegeben, «geimpft» zu sein

Umso schärfer falle die neuerliche Attacke gegen ihn aus, meint Martin Kopp. Mit einigen Sätzen, die er gegenüber der «NZZ» geäussert habe, soll er laut Bürcher die ganze Krise ausgelöst haben. Dabei seien diese kaum der Erwähnung wert. «Ich bin sehr froh, dass Bischof Bürcher zugegeben hat, bezüglich meiner Person ‹geimpft› worden zu sein», sagt Kopp weiter. «Er hat das Misstrauen schlecht verborgen.» Kopp habe diese Haltung mehr als einmal beobachtet. Unter Bischof Huonder habe jahrelang Misstrauen geherrscht. Bürcher habe dieses einfach übernommen.

Martin Kopp erzählt zusammenfassend von einer Reaktion, die er von einem emeritierten Bischof erhalten habe. «Er hat mir am Telefon gesagt, so etwas könne sich nur im Bistum Chur abspielen.»

Online-Petition mit über 1000 Kommentaren

Die Stellungnahme des Bischofs ist auch eine Antwort auf die erwähnte Petition. Online haben sie bis am Montag über 3300 Personen unterschrieben. Lanciert hat sie am 19. März eine Gruppe von Theologinnen und Theologen, die seit der Kundgebung gegen die sexuellen Missbräuche in der Kirche verbunden sind. Einer von ihnen ist der Luzerner Eugen Koller (61). Dieser ist seit bald 20 Jahren Redaktor des Pfarreiblattes Uri Schwyz und ist selbst seit 30 Jahren Seelsorger, seit 12 Jahren in einer psychiatrischen Klinik.

Eugen Koller, katholischer Theologe, Luzern.

Eugen Koller, katholischer Theologe, Luzern.

Bild: PD

Koller freuen die zahlreichen Unterschriften für die Online-Petition. «Es haben nicht einfach mehr als 3300 Personen unterschreiben, über 1000 von ihnen haben auch Kommentare hinterlassen.» Damit habe man nicht gerechnet. Und die Kommentare unterstützten fast einhellig die Meinung, dass man mit einem verdienten Mann wie Martin Kopp nicht so umgehe. Eugen Koller geht davon aus, dass viele Leute unterschrieben haben, die mit der katholischen Kirche verbunden seien und sich engagierten, sei es beruflich oder auf freiwilliger Basis und auch viele Gläubige. «Es sind fast ausschliesslich Leute, die eine gute Erfahrung mit Martin Kopp gemacht haben als überzeugender und offner Seelsorger, der im Leben steht und die Sorgen und Nöte der Leute kennt und nicht zuletzt einen guten Draht zu Jugendlichen hat.»

Koller weiss, dass die Petition kaum dazu führen wird, dass in Chur ein Umdenken stattfindet. Aber es sei sehr wichtig, dass die Menschen die Möglichkeit hätten, sich zu äussern. «Wir sind in einer Demokratie gross geworden.» Die Kirche sei zwar keine Demokratie, «doch Gläubige und Seelsorger dürfen doch noch ihre Meinung sagen», so Koller. Ganz viele Menschen hätten Angst und Bedenken, dass die Misere im Bistum Chur nicht gelöst werde, wenn nicht wirklich ein qualifizierter Bischof eingesetzt werde, der den Weg mit allen im Bistum finde.