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ABSCHLUSSARBEIT: Design hilft Alzheimer-Patienten

Die Ur­nerin Anina Trutmann will mit einer Patenschaft Alzheimer­patienten unterstützen. Dadurch könnten diese länger zu Hause leben.
Franziska Herger
Anina Trutmann aus Uri vor ihrer Werkschau zum Thema Alzheimer. (Bild: Eveline Beerkircher)

Anina Trutmann aus Uri vor ihrer Werkschau zum Thema Alzheimer. (Bild: Eveline Beerkircher)

Franziska Herger

«Was hat denn das mit Design zu tun?» Diese Frage musste die Attinghausnerin Anina Trutmann in letzter Zeit einige Male beantworten. Die Design-Management-Studentin an der Hochschule Luzern hat für ihre Bachelorarbeit eine Patenschaft für Alzheimerkranke entwickelt. «Wenn die Leute Design hören, denken sie, wir machen Möbel oder Kleider», lacht die 29-Jährige. «Ich erkläre dann jeweils, dass wir übers Design versuchen, Probleme zu lösen.»

Berührungsängste abbauen

Trotzdem hätte Trutmann zu Beginn ihrer Ausbildung nicht gedacht, dass sie ein soziales Thema für ihre Abschlussarbeit wählen würde. «Ich war eigentlich nie eine, die sich sehr für soziale Themen interessiert hat», sagt sie. Im Gespräch mit einem Kollegen, dessen Mutter an Alzheimer erkrankt ist, änderte sich das. «Ich merkte, dass ich – wie viele Leute – Berührungsängste gegenüber Alzheimerpatienten habe. Und ich wollte etwas machen, das mich auch persönlich fordert.»

Kaum mehr soziale Kontakte

Im Rahmen ihrer Arbeit fand Trutmann heraus, dass genau diese Berührungsängste das Leben der Betroffenen noch schwerer machen. Sie begleitete mehrere Alzheimerpatienten und ihre Angehörigen jeweils einen Tag lang. «Ein Patient hat mir erzählt, dass sich von zehn Personen, mit denen er früher Kontakt hatte, heute nur noch drei bei ihm melden», erzählt Trutmann. «Viele Menschen, auch Familienmitglieder, können oder wollen mit der Krankheit und den damit verbundenen Defiziten und Persönlichkeitsveränderungen nicht umgehen.» Für diejenigen Angehörigen, welche die Pflege übernehmen, sei die Belastung dadurch noch grösser.

Erleichterung verschaffen könnte eine Patenschaft, wie sie Trutmann in ihrer Bachelorarbeit entwickelt hat: «Dabei verbringen Freiwillige regelmässig Zeit mit einem Betroffenen», erklärt sie. «Wie oft das stattfindet, und was man unternehmen kann, wird individuell abgesprochen. Auch etwas Kleines wie ein Spaziergang bringt schon viel.» Trutmann hat sich bewusst auf Patienten konzentriert, bei denen die Krankheit noch nicht schwer ausgeprägt ist, denn diese wohnen oft noch zu Hause. «Ich wollte auch dazu beitragen, dass solche Patienten vielleicht erst etwas später ins Heim müssen.»

Für eine Patenschaft brauche es weder einen pflegerischen Hintergrund noch Vorwissen zum Thema Alzheimer. «Die Patienten sind ja sehr unterschiedlich, da braucht es auch ganz verschiedene Paten.» Eine soziale Ader sei aber von Vorteil. «Obwohl, die hatte ich am Anfang auch nicht, und heute würde ich jederzeit eine Patenschaft übernehmen.»

Öffentlichkeit informieren

Ihre Begeisterung für das Thema zeigt sich auch in der Plakatkampagne, die Trutmann als Teil der Arbeit entworfen hat. «Kopflos, nicht freudlos» steht da etwa, oder «Kopflos, nicht geschmacklos». «Es ist wichtig, die Öffentlichkeit für das Thema Alzheimer zu sensibilisieren», findet die junge Frau.

Die Patenschaften kamen in einer Testphase sehr gut an. «Die Alzheimerpatienten waren zwar anfangs etwas nervös, das hat sich aber nach kurzer Zeit gelegt.» Für die Angehörigen sei die neue Situation fast schwieriger gewesen. «Einer fremden Person so viel Verantwortung abzugeben, das ist nicht einfach», weiss Trutmann inzwischen. «Aber wenn sie sich nur schon eine halbe Stunde Zeit für sich nehmen können, ist das viel wert.» Auch für die Paten, allesamt Freunde und Bekannte von Trutmann, sei die Erfahrung bereichernd gewesen. «Würde das Projekt aber tatsächlich umgesetzt, wäre es sicher nicht einfach, genügend Leute zu finden», vermutet die Attinghausnerin. Ihre Arbeit sei ein Lösungsansatz, und noch ausbaufähig. «Es müsste geklärt werden, wie die Patenschaften zu Stande kommen können.» Auch juristische und behördliche Aspekte fehlen laut Trutmann noch.

Zukunft noch ungewiss

Ob Anina Trutmann die Arbeit nun selber weiterentwickeln will, weiss sie noch nicht. «Ich wollte eigentlich immer etwas mit Interior-Design machen», sagt sie. «Jetzt, wo ich so lange daran gearbeitet habe, lasse ich das Projekt jedoch ungern einfach liegen. Aber es läuft mir ja zum Glück nicht weg.»

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