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ÄRZTIN: «Das Spital hat einen hervorragenden Ruf»

Die Liebe hat Cornelia Simmen von Deutschland nach Uri geholt, der gute Ruf ins Kantonsspital Uri, wo sie als Assistenzärztin eine ganze Station betreut. Und obwohl ihr der Alltag in einem kleinen Spital gefällt, zieht die 33-Jährige im Januar weiter.
Carmen Epp
Cornelia Simmen macht die Arbeit im Kantonsspital Uri grossen Spass. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 19. September 2017))

Cornelia Simmen macht die Arbeit im Kantonsspital Uri grossen Spass. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 19. September 2017))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Dass Cornelia Simmen, geborene Bartels, im Kanton Uri lebt und arbeitet, hat sie nicht nur der Liebe zu verdanken. Zwar lernte die in der Nähe von Lörrach aufgewachsene Deutsche in ihrem letzten Jahr als Medizinstudentin einen Urner kennen und lieben, zog seinetwegen in den Kanton Uri und nahm bei der Hochzeit seinen Urner Namen an.

Dass es sie nach dem Staatsexamen ans Kantonsspital Uri (KSU) verschlägt, wäre jedoch auch ohne Amors Zutun nicht unwahrscheinlich gewesen, wie Simmen erklärt: «Das KSU hat einen hervorragenden Ruf, nicht nur in der Schweiz.» Im letzten Studienjahr absolvieren Medizinstudenten in Deutschland jeweils ein Jahr in der Praxis als Unterassistenten und bewerten die Spitäler auf einer Plattform, um anderen Studenten die Wahl zu erleichtern. Auf dieser Plattform rangiert auch das KSU in den vorderen Rängen. So würden sich viele Medizinstudenten aus Deutschland in Altdorf für eine Unterassistenzstelle bewerben. «Den meisten gefällt es dann so gut, dass sie bleiben möchten.»

Kleines Spital bringt abwechslungsreichen Alltag

Geblieben ist auch Simmen, wenn auch mit Unterbrüchen. Nach knapp anderthalb Jahren als Assistenzärztin in der Chirurgie des KSU wechselte sie in die Innere Medizin am Kantonsspital Schwyz. Seit Juni 2016 ist die heute 33-Jährige als Assistenzärztin zurück am KSU – ebenfalls auf der Abteilung Innere Medizin.

Assistenzärzte sind am KSU als Stationsärzte tätig, betreuen also Patienten einer ganzen Station – Simmen aktuell jene im dritten Stock. Sie stellt Diagnosen, ordnet Behandlungen an, macht Visiten, führt Gespräche mit Angehörigen und rapportiert Ein- und Austritte. Zweimal pro Woche begleitet sie den Kaderarzt zur Visite, und jeweils mittags bespricht sie mit ihm das weitere Vorgehen.

Damit ist Simmen als Stationsärztin für durchschnittlich zehn bis zwölf Patienten zuständig. Anders als etwa in einem Unispital sind die Diagnosen und Krankheitsfelder auf den einzelnen Stationen gemischt. So auch an diesem Dienstag: Eine Person war zur Abklärung einer Blutarmut auf dem dritten Stock, ein Patient wurde mit Brustschmerzen eingeliefert, ein anderer mit einem Asthmaanfall. Ein weiterer Patient von Simmen klagte über Schmerzen und zeigte erhöhte Entzündungswerte im Blut, deren Ursache noch gefunden werden musste, ein anderer brauchte nach einem Zahnabszess die intravenöse Gabe von Antibiotika. In einem weiteren Zimmer befand sich ein Patient, der sich im Ausland mit Tuberkulose angesteckt hatte. Und ein anderer Patient wurde wegen eines Tumors zur Bestrahlung ins Kantonsspital Luzern überführt.

Die Assistenzärzte am KSU wechseln jeweils die Stationen – und damit auch das Arbeits- und Lernfeld, wie Simmen erklärt: Auf dem dritten Stock, den sie aktuell betreut, begleiten die Stationsärzte den Nierenspezialisten bei dessen Visite. Auf dem sechsten Stock lernen die stationierten Assistenzärzte auch den Ultraschall kennen, auf dem fünften Stock die Langzeitpflege. Genau diese Abwechslung ist es, die Simmen an ihrer Arbeit im KSU schätzt. «Der Alltag ist abwechslungsreich, und die Atmosphäre sehr familiär.»

Die Freuden und Leiden einer Spitalärztin

Bei aller Freude, die Simmen für ihren Beruf hegt: Er bringt auch eine gewisse psychische Belastung mit sich. Dies nicht etwa, weil sich im Spital mitunter auch Tragisches abspielt und Patienten sterben. «Das gehört nun mal dazu und wird im Team jeweils besprochen und aufgearbeitet.» Fordernd seien vor allem die Nachtdienste, bei denen sie während einer 12-Stunden-Schicht allein ist. Wenn dann plötzlich fünf Patienten auf einmal in den Notfall kommen, sei das schon eine Herausforderung, sagt Simmen. Gleichzeitig sind es aber gerade diese Situationen, die ihr positiv in Erinnerung bleiben. «Wenn ein Patient mit einer schweren Infektion oder einem Herzinfarkt zu uns kommt und später beschwerdefrei das Spital verlassen kann, ist das schon eine Genugtuung.»

Schade sei hingegen, dass man als Ärztin im Spital die ­Patienten – abgesehen von chronisch Kranken – nur in Akutsituationen bei sich habe und die Nachbetreuung nicht mitverfolgen könne. Das soll sich jedoch bald ändern: Ab Januar wird die 33-Jährige ein halbes Jahr Hausarzt-Luft in einer Urner Praxis schnuppern. Möglich macht dies ein Programm des Kantons, das Assistenzärzten ein solches Praktikum teilweise mitfinanziert, um allenfalls neue Hausärzte zu gewinnen.

Die Urner Patienten scheinen es Simmen angetan zu haben. «Auch wenn es manchmal schwierig ist, wenn viele gleich heissen», sagt die junge Ärztin und lacht. Mit Vorurteilen gegenüber Deutschen sei sie bisher nie konfrontiert worden. «Das liegt vielleicht daran, dass mein süddeutscher Dialekt dem Schweizer Dialekt sehr ähnlich ist und ich nicht sofort als Ausländerin enttarnt bin.»

Hinweis

Morgen Sonntag, 24. September, stimmt die Urner Bevölkerung über den Kredit für den Um- und Neubau des KSU ab. Unsere Zeitung blickte hinter die Kulissen des KSU und porträtierte mehrere Angestellte. Mit diesem Por­trät wird die Serie abgeschlossen.

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