Aktionswoche gibt betroffenen Kindern eine Stimme

Die Aktion «Kinder von suchterkrankten Eltern» soll das Tabu von Sucht im Elternhaus brechen – auch in Uri.

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In der Schweiz leben rund 100000 Kinder mit einem suchtbelasteten Elternteil.

In der Schweiz leben rund 100000 Kinder mit einem suchtbelasteten Elternteil.

Bild: PD

(pd/RIN) Rund 100000 Kinder in der Schweiz leben mit einem Elternteil, der von einem problematischen Konsum von Alkohol oder einer anderen Substanz betroffen ist, wie die Gesundheitsförderung Uri in einer Mitteilung schreibt. Dies bedeute eine massive psychische Belastung für die ganze Familie. Dabei sind von Verhaltenssüchten, wie zum Beispiel Geldspielsucht, Kaufzwang oder übermässiger Internetkonsum betroffene Haushalte noch nicht eingerechnet.

Um dafür zu sensibilisieren, findet vom 10. bis 16. Februar zum zweiten Mal in Folge die von Sucht Schweiz koordinierte Aktionswoche «Kinder von suchtkranken Eltern» statt. Ziel ist es, das Tabu zu brechen und den betroffenen Kindern eine Stimme zu geben – um ihre Situation und die Bedürfnisse sichtbar zu machen.

Situation wird oft geheim gehalten

Auch Kinder aus psychisch- und suchtbelasteten Familien würden ihre Eltern lieben und wollen ihnen keinen Schaden zufügen. Deshalb werde die familiäre Situation meist geheim gehalten und die Kinder tragen die Last dieses Geheimnisses während der ganzen Kindheit, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Ihr Leiden werde oft nicht erkannt. Wenn ein Elternteil suchtbelastet ist, leide die ganze Familie darunter – sowohl die betroffene Person, wie auch die Partnerin oder der Partner und die Kinder. Für die Kinder bedeute dies oftmals, dass das Familienklima angespannt, konfliktbeladen und unberechenbar ist. Sie seien täglich mit Angst, Scham, Schuldgefühlen, Unsicherheit und nicht zuletzt mit Isolation konfrontiert.

Kinder von psychisch erkrankten und suchtbelasteten Eltern stellen eine besondere Risikogruppe dar. Im Vergleich zu Kindern aus Familien, die keine Suchtproblematik aufweisen, haben Kinder von alkoholabhängigen Eltern ein sechsmal höheres Risiko, eine psychische Erkrankung zu entwickeln.

Egal wie alt die Kinder sind, Kinder von psychisch erkrankten, suchtbelasteten Eltern brauchen Unterstützung. In ihrer Mitteilung gibt die Gesundheitsförderung Uri dazu folgende Schutzfaktoren für betroffene Kinder bekannt: mit einer Vertrauensperson sprechen, die ihr Leid anerkennt; eine stabile Beziehung zum nichtabhängigen Elternteil oder einer anderen erwachsenen Vertrauensperson haben; ein strukturierter Tagesablauf, zum Beispiel für Mahlzeiten, und familiäre Rituale wie Feste oder andere Aktivitäten haben; sowie ein gutes Selbstbewusstsein aufbauen; persönliche Interessen ausbauen und eigene Pläne schmieden und realisieren. Zudem sei es häufig sinnvoll, sich von Fachpersonen Unterstützung zu holen.

«Chinderliecht» bietet Urner Betroffenen Hilfe

«Chinderliecht» ist ein unterstützendes Angebot für Kinder und Jugendliche von psychisch, suchtbelasteten Eltern im Kanton Uri. Im Rahmen dieses Angebots können diese mit professioneller Begleitung ihre schwierigen Situationen malend und gestaltend verarbeiten. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 16 Jahren und findet in einer kleinen, überschaubaren Gruppe statt. Mit dieser Frühintervention soll das Risiko, selber psychisch zu erkranken, reduziert werden, schreibt die Gesundheitsförderung Uri abschliessend.