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Gesundheitsförderung Uri thematisiert Sucht

Im Rahmen der Aktionswoche von Sucht Schweiz macht die Gesundheitsförderung Uri auf Probleme von Kindern suchtkranker Eltern aufmerksam – und gibt sinnvolle Tipps fürs Umfeld.
Die Gesundheitsförderung Uri will das Tabu um Suchtkrankheiten in Familien brechen. (Bild: PD)

Die Gesundheitsförderung Uri will das Tabu um Suchtkrankheiten in Familien brechen. (Bild: PD)

«Das Kind merkt ja nichts ...» – Viele Eltern glauben zu Unrecht, den Kindern Leid zu ersparen, indem sie ein Suchtproblem verschweigen. Auch kleine Kinder nehmen die Spannungen der Erwachsenen wahr, auch wenn sie diese nicht verstehen und einordnen können. Oft leiden sie gemäss einer Mitteilung der Gesundheitsförderung Uri umso mehr darunter. Das Kind leidet nicht nur unter den direkten Folgen der Alkoholabhängigkeit des betroffenen Elternteils, sondern auch unter der latent belastenden familiären Atmosphäre.

Vom 11. bis am 16. Februar wird durch Sucht Schweiz die nationale Aktionswoche für Kinder von suchtkranken Eltern durchgeführt. Diese Aktionswoche hat zum Ziel, das Tabu um Suchtkrankheiten zu brechen, die Situation und Bedürfnisse der Kinder von suchtkranken Eltern sichtbar zu machen, die bestehenden Angebote für Kinder und Eltern bekannt zu machen und die Öffentlichkeit zu dieser Thematik zu informieren und zu sensibilisieren.

100 000 Kinder in der Schweiz betroffen

Es wird geschätzt, dass in der Schweiz rund 100 000 Kinder in einer Familie leben, in der ein Elternteil alkoholabhängig ist. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von Kindern, deren Eltern von anderen Suchten betroffen sind.

Alkoholsucht ist eine psychische Krankheit, welche die ganze Familie betrifft. Einen alkoholabhängigen Vater oder eine alkoholabhängige Mutter zu haben bedeutet, mit einem Menschen zusammenzuleben, den man gleichermassen liebt und fürchtet. Für die Kinder bedeutet dies oftmals, dass das Familienklima angespannt, konfliktbeladen und unberechenbar ist. Sie haben häufig Angst, fühlen sich unsicher, einsam, schuldig und sind der elterlichen Willkür ausgesetzt. Aus Loyalität und Liebe zu den Eltern, aber auch aus Scham, verschweigen die Kinder gegenüber Aussenstehenden die belastende Situation meist.

Das Thema ist vielerorts immer noch tabu

Auch wenn die Problematik in den letzten Jahren erstmals in der Öffentlichkeit thematisiert worden ist, so bleiben Alkohol- und andere Suchtprobleme sowie ihre Auswirkungen auf die Familie laut der Mitteilung oft tabu, vor allem innerhalb und im Umfeld betroffener Familien. Weiter heisst es: «Dennoch sind sie keine Privatsache. Das Schweigen muss gebrochen werden.» Dazu brauche es ein gesellschaftliches Klima, in dem betroffene Eltern ihre Scham- und Schuldgefühle leichter überwinden können und ermutigt werden, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus alkoholbelasteten Familien haben ein Recht auf Unterstützung und Hilfe, unabhängig davon, ob ihre Eltern bereits eine Hilfeleistung in Anspruch nehmen.

Zu denken, dass alles gut wird, wenn der Elternteil mit Trinken aufhört oder das erwachsene Kind das Elternhaus verlässt, bleibe häufig ein unerfüllter Wunsch. Die Belastungen und Verletzungen bestehen und es ist wichtig, den Kindern zu verdeutlichen, dass sie keine Schuld an der Alkoholabhängigkeit der Eltern tragen. Dazu brauchen sie ihrem Alter entsprechende Unterstützung von Vertrauenspersonen und Fachleuten.

Es zeigt sich gemäss der Gesundheitsförderung, dass erwachsene Kinder von alkoholabhängigen Eltern ein bis zu sechsmal höheres Risiko haben, an psychischen Krankheiten wie Angststörungen und Depressionen zu erkranken sowie selbst abhängig zu werden.

Dennoch gibt es Faktoren, die einen schützenden Effekt haben, wie beispielsweise eine geregelte Tagesstruktur, Familienrituale, ein gutes Selbstwertgefühl, die Fähigkeit, mit Schwierigkeiten umzugehen und um Hilfe zu bitten, eigene Freizeitpläne oder eine positive Lebenseinstellung. Weiter zeigt sich, dass eine stabile Beziehung zum nichtabhängigen Elternteil, zu den Grosseltern oder zu einer erwachsenen Bezugsperson ausserhalb der Familie einen positiven Einfluss auf das Kind ausüben.

Tipps fürs Umfeld für einen sinnvollen Umgang

Helfen kann man gemäss der Mitteilung, indem man hin- und nicht wegschaut. Die eigene Unsicherheit, wie ein Kind, dem es schlecht geht, angesprochen werden kann, soll nicht dazu führen, dass nichts unternommen wird. So können in einem ersten Schritt den Eltern die Auffälligkeiten und die Sorgen um das Kind mitgeteilt werden. Dabei muss nicht zwangsläufig das Alkoholproblem angesprochen werden.

Weiter soll eine vertrauensvolle Beziehung hergestellt werden. Es sei wichtig, dass das Kind Vertrauen zu einer Person ausserhalb der Familie aufbauen kann.

Das Kind sollte aber auf nicht in einen Loyalitätskonflikt gegenüber seinen Eltern gebracht werden. Schliesslich soll Kontakt zu Fachpersonen aufgenommen werden. Die Konfrontation mit dem Thema Alkoholabhängigkeit ist heikel und erfordert ein geplantes Vorgehen. Es ist deshalb häufig sinnvoll, sich von Fachpersonen Unterstützung zu holen (siehe Box).

«Chinderliecht» - ein Angebot in Uri für Betroffene

Nach den Herbstferien 2018 konnte das Pilotprojekt «chinderliecht», ein kunsttherapeutisches Angebot für Kinder und Jugendliche von psychisch- oder suchtbelasteten Eltern, im Kanton Uri gestartet werden. Durch Malen und Gestalten können sie schwierige Situationen unmittelbar verarbeiten. Im geschützten Rahmen des Angebots lernen sie ihre starken und verletzlichen Seiten kennen und können ihre schönen, traurigen und schwierigen Erlebnisse und Gefühle ausdrücken.

Das Angebot ist für Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 16 Jahren gedacht und findet in einer kleinen Gruppe statt. Mit dieser Frühintervention wird das Risiko reduziert, dass sie in ihrem Lebensverlauf selber eine Alkoholabhängigkeit entwickeln oder anderweitig psychisch erkranken. (pd/jb)

Weitere Informationen finden Sie unter www.gesundheitsfoerderung-uri.ch/psychische-gesundheit/projekte/chinderliecht.

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