Kolumne

Alles nur Chabis

Ruedi Bomatter
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Ruedi Bomatter, Freischaffender in der Kommunikationsbranche

Ruedi Bomatter, Freischaffender in der Kommunikationsbranche

Ich freue mich jeweils auf den Herbst, denn ich liebe Chabis und Schaffleisch, das traditionelle und leckere Chilbigericht. Seit vier Jahren sucht die Kulturkommission Altdorf jeweils am Chilbisonntag das beste Chabis-und-Schaffleisch-Rezept, eine gelungene Aktion, welche an alte Traditionen anknüpft und diese lustvoll in die heutige Zeit weiterführt.

Dass dabei jeweils auch eine vegetarische Variante angeboten wird, passt nicht allen in den Kram, aber das darf seinen Platz haben, finde ich. Als ich aber am Chilbisonntag vernehmen musste, wer – und vor allem für was – den goldenen Schöpflöffel übernehmen durfte, blieb mir fast die Pastete im Hals stecken. Gewonnen haben Marc Ochsner, Paolo de Caro und Heinz Nauer aus Einsiedeln mit dem traditionellen Schwyzer Hafechabis. Das ist auch sehr schmackhaft, hat aber – abgesehen vom Chabis – mit Chabis und Schaffleisch gar nichts am Hut, denn das Gericht wurde mit Schweinefleisch zubereitet. Irgendwie erstaunlich, dass man mit Schweinefleisch einen Schaffleisch-Kochwettbewerb gewinnen kann. Etwa so, wie wenn bei einem Velorennen ein Solex die Goldmedaille abholt.

Die Gewinner haben sich sichtlich über diese Ehre gefreut. Irgendwie muss es ihnen aber auch etwas blöd vorgekommen sein, denn die von Noëlle Gognat gestaltete Kochschürze ziert ein Schäfli. Irgendetwas ist da schiefgelaufen. Was genau, darüber kann ich nur spekulieren. An der Jury – dem degustierenden Publikum – kann es sicher nicht gelegen haben. Denn ihr wurde der Hafechabis auch als Chabis und Schaffleisch verkauft. Stellt sich die Frage, ob sich die Schwyzer unter Angabe von falschen Zutaten in den Wettbewerb geschummelt haben? Auch das kann ich mir nur schwer vorstellen. Die drei jungen Schwyzer arbeiten gerade an einem Kochbuch, und darin sind die Rezepte inklusive Zutaten publiziert. Möglicherweise haben die Mitglieder der Kulturkommission das Rezept nicht gesehen. Oder sie kennen den Unterschied zwischen einem Schwein und einem Lamm nicht. Auch undenkbar, dass in einem achtköpfigen Gremium niemand von Biologie eine Ahnung hat. Und dass ausgerechnet die Kulturkommission eine alte Tradition untergraben will, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Als Massnahme zur Zwangsintegration kann ich mir diesen Wettbewerb auch nicht vorstellen, selbst wenn einige integrationswillige muslimische Mitbürger leer geschluckt haben sollen, als sie feststellen mussten, dass ihnen ein Schwein im Schafspelz vorgesetzt worden ist. Steckt bei der systembedingt eher linksbesetzten Kulturkommission gar ein politisches Manöver dahinter? So ganz im Sinne: Der Wolf kann kommen, wir bereiten unser Schaffleisch und Chabis künftig mit Schweinefleisch zu. Oder handelt es sich da um eine Verschwörung der internationalen Schweinefleisch-Mafia?

Ich weiss es nicht. Alles nur Spekulationen, alles nur Chabis. Nur eines ist sicher: Die Altdorfer Chilbi mit ihrem Kochwettbewerb wird an der nächsten Fasnacht bestimmt ein Thema sein. Und auf die Fasnacht freue ich mich auch schon. Denn da gibt’s Fasnachtschüächli, Schenkeli und andere frittierte Fettigkeiten.