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ALPBACH: Kanton sagt Nein zu KW Alpbach AG

Wer die Konzession für die Nutzung des Alpbachs im Erstfeldertal erhält, steht noch aus. Dem Projekt droht sogar das Aus – wenn bis Ende Jahr keine Baubewilligung vorliegt.
Bruno Arnold
Wer das Wasser des Alpbachs nutzen kann, muss sich noch in diesem Jahr entscheiden. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 21. März 2017))

Wer das Wasser des Alpbachs nutzen kann, muss sich noch in diesem Jahr entscheiden. (Bild: Paul Gwerder (Erstfeld, 21. März 2017))

Interview: Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Am vergangenen Mittwoch trafen sich auf Einladung der Gemeinde Erstfeld Vertreter jener Kreise, die das Wasser des Alpbachs im Erstfeldertal zur Stromproduktion nutzen möchten, zu einer Auslegeordnung. Einzig das EW Altdorf (EWA) hatte keine Einladung erhalten. Die Gründe für die Zusammenkunft: Viele Fragen sind offen, die Standortgemeinde Erstfeld gerät unter Druck, die Zeit drängt. Ende 2018 muss die Baubewilligung für das Kraftwerk am Alpbach vorliegen. Andernfalls wird die Zusicherung des Bundes für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), über welche die Gemeindewerke Erstfeld verfügen, hinfällig. Die KEV garantiert den künftigen Stromproduzenten einen Preis, der sich an ihren Produktionskosten orientiert. Will heissen: Ohne KEV kann ein Kraftwerk Alpbach nicht wirtschaftlich betrieben werden. Baudirektor Roger Nager äussert sich im Interview zum Zeitplan, zu möglichen Beteiligungen, aber auch zu den grössten Risiken, die momentan bestehen.

Roger Nager, liegt Ende 2018 eine Baubewilligung vor?

Der Zeitplan ist sehr eng, aber ich glaube daran. Denn aus Sicht des Kantons sind die zentralen Forderungen aus Erstfeld erfüllt: Die Trinkwasserquellen werden geschützt, die Gemeindewerke können sich beteiligen und sollen in den Betrieb des neuen Kraftwerks eingebunden werden, die AG würde ihren Sitz in Erstfeld haben. Mit dem Vorentscheid für die kleine Stufe ab dem Bereich Schopfen bis ins Gebiet Taubach hat der Landrat am 31. Januar den diesbezüglich wohl wichtigsten Schritt getan. Ich bin mir aber bewusst, dass wir angesichts des engen Zeitplans verletzbar sind, gerade wenn da oder dort auf Verhinderung oder Verzögerung gemacht wird.

Welches sind die wichtigsten Termine, die eingehalten werden müssen, um Ende 2018 am Ziel zu sein?

Sobald der Baudirektion ein Konzessionsgesuch vorliegt, wird der Eingang desselben im «Amtsblatt» publiziert. Danach können der Baudirektion für die gleiche Gewässerstrecke innert einer Frist von 180 Tagen weitere Konzessionsgesuche eingereicht werden (siehe auch Box «Konzessionsgesuch»). Wir werden das öffentliche Auflage- und Einspracheverfahren aber erst starten, wenn wir die Stellungnahmen der kantonalen Ämter kennen, wenn die Rückmeldungen des Bunds zu den Umweltverträglichkeitsberichten vorliegen und wenn wir uns mit den Umweltorganisationen geeinigt haben. Trotzdem können gegen aufgelegte Konzessionsgesuche immer noch privatrechtliche oder öffentlich-rechtliche Einsprachen eingehen. Diese müssen bereinigt werden, und das braucht Zeit. Fakt ist: Der Landrat muss spätestens im November entscheiden können, wer die Konzession erhält. Andernfalls wird am Alpbach in absehbarer Zukunft wohl kein Kraftwerk gebaut.

Potenzielle Konzessionäre sind die KW Erstfeldertal AG und die KW Alpbach AG. Wer hat die grösseren Chancen?

Diese Frage kann ich nicht beantworten. Es ist noch kein Konzessionsgesuch eingegangen. Ich weiss aufgrund der Sitzung vom Mittwoch, dass die KW Alpbach AG mit Verwaltungsratspräsident Paul Furrer an der Spitze zurzeit ein Konzessionsgesuch erarbeitet. Obschon der Kanton nicht als Initiant für ein Projekt zur Nutzung der Wasserkraft am Alpbach ab dem Gebiet Schopfen agiert, hat er ein grosses Interesse daran, dass die Planungen für das Kraftwerk am Alpbach vorankommen. Das KW Alpbach soll als Partnerkraftwerk zusammen mit weiteren Beteiligten erstellt und betrieben werden. Auch der Kanton steckt mit Partnern in einer Projektorganisation.

Wer sind diese Partner?

Das EW Altdorf, die Gemeindewerke Erstfeld und die Korporation Uri. Ich betone aber: Die Frage, wer dereinst ein Projekt am Alpbach realisieren wird, ist nach wie vor offen. Die Beteiligung des Kantons wie auch der Standortgemeinde muss im Rahmen der laufenden Verhandlungen mit den möglichen Investoren definitiv festgelegt werden. Auch eine verlässliche Antwort auf die Frage, ob sich die Gemeindewerke Erstfeld mit der KW Alpbach AG zusammentun oder ob sie sich an der erwähnten KW Erstfeldertal AG beteiligen wollen, kann ich momentan nicht geben.

Wie geht es nun weiter?

Sobald Konzessionsgesuche eingegangen sind, werden diese nach den vorgeschriebenen Kriterien geprüft. Das weitere Verfahren richtet sich nach den Vorgaben der Gewässernutzungsverordnung. Wem man den Vorzug geben muss, ist in der GNV klar festgehalten. Den Konzessionsentscheid wird der Landrat fällen. Dieser Beschluss ist dem fakultativen Referendum unterstellt.

Die KW Alpbach AG will nicht mit dem EWA kooperieren, sondern eine Erstfelder Lösung anstreben. Könnte sich der Kanton auch eine Zusammenarbeit mit der KW Alpbach AG vorstellen?

Ich habe am Mittwoch in Erstfeld klar kommuniziert, dass der Kanton aktuell keinen Grund sieht, mit der KW Alpbach AG zu kooperieren. Wir bleiben unseren bisherigen Partnern – EWA, Gemeindewerke und Korporation Uri – treu. So kurz vor der Hochzeit springen wir nicht mit einer neuen Frau ins Bett.

Weshalb dieses unmissverständliche Nein zur KW Alpbach AG?

Wir wissen – trotz mehrmaliger Nachfrage – bis heute nicht, wer alles hinter dieser AG steckt und wie es mit der Finanzierung oder auch mit der langfris­tigen Ausrichtung dieser Gesellschaft aussieht. Und gerade diesbezüglich brauchen wir konkrete Angaben und nachhaltige Perspektiven, geht es doch um eine Konzession für 80 Jahre. Wenn der Kanton oder die Korporation einen verlässlichen und kompetenten lokalen Partner wie das EWA nicht im Boot haben möchten, würde das kaum jemand verstehen. Dieses Unternehmen hat ein grosses Know-how im Bau und Betrieb von Kraftwerken. Ich bin überzeugt, dass wir mit dem EWA und dem Gemeindewerk Erstfeld, also mit zwei erfahrenen Energieunternehmen, ein geringes Risiko eingehen. Zudem hat das EW Altdorf in der Vergangenheit massgeblich zur Verlängerung der KEV-Zusicherung an die Gemeindewerke Erstfeld beigetragen und klar bewiesen, dass es den Energieversorger vor Ort einbeziehen will.

Das Nein zur KW Alpbach AG tönt unwiderruflich. Provozieren Sie damit nicht zeitraubende Einsprachen, eine destruktive Verzögerungstaktik von allfälligen Mitbewerbern und damit letztendlich das Aus für ein Kraftwerk am Alpbach?

Wird das Kraftwerk am Alpbach nicht gebaut, dann gibt es nur Verlierer. Es geht – gerade angesichts des Zeitdrucks – einzig und allein darum, möglichst schnell die beste Lösung am Alpbach zu finden. Jetzt braucht es Kompromissbereitschaft und Verzicht auf das Weiterverfolgen von Einzelinteressen.

Wie wollen Sie die KW Alpbach AG von ihrem Vorhaben abbringen?

Es geht nicht darum, irgendjemanden von etwas abzubringen. Ich bin sogar froh, wenn mehrere Bewerber möglichst schnell ein Konzessionsgesuch einreichen. Konkurrenz belebt das Geschäft. Wenn man mehrere Projekte einander gegenüberstellen kann, wirkt sich dies nur positiv aus, denn es hilft, eine optimale Variante zu finden. Die KW Alpbach AG hat ein legitimes Interesse, die Konzession anzustreben. Auch weiss ich, dass die Leute rund um Verwaltungsratspräsident Paul Furrer seriöse Studien betrieben und fundierte Basisdaten erarbeitet haben, gerade im hydrologischen Bereich. Ich könnte mir – immer im Wissen, dass die Zeit drängt – als weitere Option durchaus vorstellen, dass mögliche Investoren oder Interessenten diese Unterlagen von der KW Alpbach AG erwerben könnten. Hier ist Transparenz gefragt.

Wenn Sie auf Transparenz setzen: Weshalb wurde der KW Alpbach AG nach dem Anlass vom Mittwoch ein «Medien-Maulkorb» verpasst?

Das trifft so nicht zu. Wir haben nur beschlossen, dass bei Medienanfragen zur Auslegeordnung vom Mittwoch die Koordination der Kommunikation über die Baudirektion stattfinden soll. Selbstverständlich steht es der KW Alpbach AG, dem EW Altdorf, der Gemeinde Erstfeld oder auch der Korporation Uri offen, ihre Absichten oder ihre Sicht der Dinge öffentlich zu erläutern.

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