Alpentöne in Altdorf
Papilio-Schule sorgt für einen aussergewöhnlichen Festival-Auftakt

Rund 40 Schüler der Stiftung Papilio singen und spielen mit gestandenen Schweizer Musikern. Das zentrale Material des Projekts sind Kinderlieder.

Markus Zwyssig
Merken
Drucken
Teilen
Schülerinnen und Schüler der Stiftung Papilio proben für einen speziellen Auftritt zur Eröffnung des Musikfestivals Alpentöne.

Schülerinnen und Schüler der Stiftung Papilio proben für einen speziellen Auftritt zur Eröffnung des Musikfestivals Alpentöne.

Bild: PD

Das Start des Alpentöne-Festivals Mitte August wird anders als sonst. Rund 40 Schülerinnen und Schüler der Stiftung Papilio singen und tanzen bei der Uraufführung auf der Bühne. Sie machen dies zusammen mit Vera Kappeler am Piano, Anna Trauffer als Sängerin und am Kontrabass sowie mit Peter Conradin Zumthor am Schlagzeug. Der eigentliche Kopf des Papilio-Projekts mit dem Titel «Die siebte Jahreszeit» ist Tom Ryser – er ist fürs Konzept, die Regie und das gemeinsame Einstudieren der Aufführung mit den jungen Mitwirkenden der Papilio-Schule verantwortlich.

Papilio-Geschäftsführer Martin Huber.

Papilio-Geschäftsführer Martin Huber.

Bild: PD

«Das ist eine super Gelegenheit, denn unsere Schüler sind theater- und musikaffin», gibt sich Geschäftsführer Martin Huber überzeugt. Er ist selber auch Musiker und hat Musik studiert. Dabei traf er einst auch auf Graziella Contratto, die heuer zusammen mit Barbara Betschart erstmals das Festival Alpentöne leitet. Entstanden ist die Zusammenarbeit zwischen der Schule und dem Festival, nachdem Martin Huber den Verantwortlichen des Festivals das Gelände von Papilio für Konzerte anbieten wollte. Dieses sei gut gelegen und stehe während der Sommerferien sowieso praktisch leer, fand der Geschäftsführer. Auf dem Gelände findet zwar mindestens für diese Festivalausgabe noch keine Veranstaltung statt, dafür haben die Schüler der Stiftung im Theater Uri nun ihren besonderen Auftritt.

Eigene Kreativität ausleben

Erste Proben fanden bereits im vergangenen Dezember statt. Sie begannen, kurz nachdem das Theaterstück «Dr Püür gaht i d Feriä» aufgeführt worden war – coronabedingt online. Das Alpentöne-Projekt biete den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre eigene Kreativität auszuleben, gibt sich Tom Ryser überzeugt. Als Regisseur ist er sehr vielfältig im Einsatz. So arbeitet er für verschiedene Stadttheater, Opernhäuser in der Schweiz und im Ausland. Dabei bringt er Musicals, Opern, aber auch «abgefahrene Projekte» zur Aufführung, wie er sagt. Dabei arbeitet er mit internationalen Sängerinnen, Instrumentalisten sowie Tänzern, aber auch immer wieder mit Menschen mit einer Beeinträchtigung zusammen. So etwa bei einem Projekt am Theater Basel mit dem Titel «Exklusiv für Alle», das 2019 stattfand. Dabei öffnete er für eine blinde Frau die Bühne und ermöglichte ihr auf diese Weise eine starke Präsenz abseits ihrer Einschränkung.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Tom Ryser mit dem Werkauftrag fürs Alpentöne-Festival: «Die Kinder und Jugendlichen sollen sich auf der Bühne auf ihre eigene Art ausdrücken können, ohne sich dabei zu verbiegen.» Sie erhalten ihre Freiräume innerhalb eines vorgegebenen Musters. Tom Ryser setzt dazu auf zwei Musikerinnen und einen Musiker, die auch improvisatorische Elemente sehr versiert in ihr Spiel einbringen können. Das zentrale Material des Projekts sind Kinderlieder. «Kinderlieder sind immer auch Volkslieder und die, die wir immer noch kennen, trafen und treffen einen Nerv dieses grossen ungefähren Gefühls, das man Leben nennt», so der Regisseur. Einige von ihnen hätten Jahrhunderte überlebt, seien nicht zu kompliziert, aber raffiniert. «Joggeli wott go Birli schüttle» ist nur eines davon. Dazu kommen moderne Lieder, Ohrwürmer eben. Das Musikertrio gibt diesen Liedern eine Stimme, die Kinder und Jugendlichen der Schule Stiftung Papilio antworten mit ihren ureigenen Ideen und Bewegungen dazu.

Spezielle Leute für spezielle Schüler

Von den Musikern werde bei diesem Projekt viel Einfühlungsvermögen verlangt, sagt Martin Huber: «Es braucht spezielle Leute, denn wir haben auch spezielle Schüler.» Die Kinder und Jugendlichen würden stark ins Projekt miteinbezogen. Das Konzert sei eine grosse Herausforderung für die Schüler, aber auch für die Musiker. «Die Kinder und Jugendlichen haben ganz unterschiedliche Beeinträchtigungen.» Huber ist überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt: «Wenn man sich aufeinander einlässt, erschliesst sich für beide Seiten eine andere Welt.» Das zeigt sich denn auch bei den Proben. So setzt sich plötzlich ein Kind zu Vera Kappeler ans Piano. Ein anderes versucht sich mit Peter Conradin Zumthor am Schlagzeug.

Ein Kind sitzt Peter Conradin Zumthor auf den Schoss und versucht sich beim Schlagzeugspielen. Im Hintergrund: Sängerin und Bassistin Anna Trauffer.

Ein Kind sitzt Peter Conradin Zumthor auf den Schoss und versucht sich beim Schlagzeugspielen. Im Hintergrund: Sängerin und Bassistin Anna Trauffer.

Bild: PD

Die Arbeit werde von den Verantwortlichen der Stiftung gut begleitet, so Tom Ryser. Die betreuenden Lehrpersonen von Papilio seien wichtig für den stabilen Rahmen im Umgang mit den Kindern. Trotzdem arbeite das künstlerische Team frei – was eine sehr schöne Erfahrung voller interaktiver Momente und Prozesse sei. «Wir beobachten, hören und sehen, wie sich jedes Kind entfaltet während der verschiedenen Proben», so Ryser. Und er gibt sich überzeugt: «Das Zusammenspiel zwischen Musik, Raum und Bewegung schenkt allen ein kreatives Erlebnis, das wir wiederum am Eröffnungskonzert in einer Momentaufnahme dem Publikum weitergeben möchten.»

Bei der Probe darf einmal selber auf die Pauke gehauen werden.

Bei der Probe darf einmal selber auf die Pauke gehauen werden.

Bild: PD

Österreich ist bei «Alpentöne» zu Gast

Das Festival Alpentöne bietet vom 12. bis 15. August rund 40 Konzerte. Zu Gast ist Österreich mit seinem breiten Schaffen der Alpenkultur. In diesem Jahr erschliesst das Festival neue Konzertorte und -formen: Im Theater Uri, im Cinema Leuzinger, in der Kirche St.Martin, im Kulturkloster, im Mehrzweckraum Dätwyler, im Garten der Musikschule und im Haus für Kunst Uri. Der traditionelle Festivalausklang findet mit dem sonntäglichen Klangspaziergang im Reussdelta statt. Das Zelt vom Lehn wandert dieses Jahr auf den Winkel. Da die Corona-Schutzmassnahmen mehr Platz erfordern, bietet sich diese Alternative an. Das «Alpentöne» 2021 gilt gemäss Bundesamt für Gesundheit als Grossveranstaltung. Damit gelten besondere Regeln: Vereinfachte Schutzmassnahmen, dafür Zutritt nur mit einem Covid-19-Zertifikat oder einem aktu­ellen Schnelltest, der vor Ort gemacht werden kann. (MZ)



Hinweis: Die Festivaleröffnung mit den Kindern der Schule Stiftung Papilio findet am Donnerstag, 12. August, um 18 Uhr, im Theater Uri statt. Der Vorverkauf beginnt am 7. Juni. Tickets gibt es unter www.ticketino.ch oder am Schalter der Uri Tourismus AG in Altdorf.