ALPENTÖNE: «Wir sind beim Festival nicht auf grosse Namen aus»

Die Konzerte haben weniger polarisiert als in früheren Jahren. Trotzdem will Johannes Rühl nicht auf Experimente verzichten.

Markus Zwyssig
Drucken
Teilen
Alpentöne: Markus Kühnis und Geschwister Küng. (Bild: Urs Hanhart / Neue  UZ)

Alpentöne: Markus Kühnis und Geschwister Küng. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Am Sonntag ging in Altdorf das Musikfestival Alpentöne zu Ende. Das Publikum bekam ein breites Musik­programm mit 50 verschiedenen Konzerten zu hören. Für den Inhalt war der musikalische Leiter Johannes Rühl verantwortlich. Er zieht Bilanz.

Ils Fränzlis da Tschlin. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
37 Bilder
Ils Fränzlis da Tschlin. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Markus Kühnis und die Geschwister Küng. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Markus Kühnis und die Geschwister Küng. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Alpentöne Blasorchester. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Das Alpentöne Blasorchester. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Das Alpentöne Blasorchester. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Erika Stucki und da Blechhauf'n. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Christoph Pfändler. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Erika Stucki und da Blechhauf'n. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Christoph Pfändler. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang im Reussdelta. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang im Reussdelta. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Bauernmusik Altdorf beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Alpin Project beim Klangspaziergang (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Zunderobsi spielt beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Eröffnungskonzert mit Alma. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Eröffnungskonzert mit Alma. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Eröffnungskonzert mit Alma. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Eröffnungskonzert mit Alma. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Fredi M. Murer, Filmemacher, spricht während des Internationelen Musikfestival Alpentöne in Altdorf. (Bild: Keystone)
Alice Heri und Rita Muster von Bandella Millelire. (Bild: Keystone)
Mit alter Bauernmusik wurde das Festival eröffnet. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Mit alter Bauernmusik wurde das Festival eröffnet. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Mit alter Bauernmusik wurde das Festival eröffnet. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Sheephead Project Revival beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Sheephead Project Revival beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Sheephead Project Revival beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))

Ils Fränzlis da Tschlin. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))

Johannes Rühl, bei Alpentöne sorgten heuer junge Musiker für frischen Wind. Ist das Konzept aufgegangen?

Johannes Rühl: Das Festival hatte ja immer schon viel Elan. Eine zusätzliche Frische kommt nun mit den Jungen dazu. Denn die ganze Szene hat sich verjüngt. Das haben wir mit den Musikern aus Irland und Finnland sowie den Studenten der Hochschule Luzern gut abgebildet. Ihre Teilnahme am Festival hat uns sehr gut getan. Es gab aber beim diesjährigen Alpentöne-Festival nicht nur junge Musiker zu hören.

Es gab weniger Experimente als vor zwei Jahren. Ist das die neue Linie mit bekömmlicherer Kost?

Rühl: Experimente gehören bei Alpentöne sicher nach wie vor dazu. Vor zwei Jahren ist es aber auch ein bisschen schiefgelaufen. Das war nicht immer in unserem Sinne. Es kommt eben nicht immer so, wie wir es uns vorstellen. Die Musik machen ja nicht wir selber. Wir wollen mit unserem Festival aufzeigen, dass es in der alpinen Neuen Volksmusik viel Interessantes zu entdecken gibt. Spezielle Formate und Projekte sollen dabei aber immer auch Platz haben. Das war auch diesmal der Fall. So haben wir etwa bei der Basler Gruppe Klara und ihrem Musiktheater heftig aufgetragen. So etwas wird auch in Zukunft Platz in unserem Programm haben.

Was war für Sie am Festival die grösste Überraschung?

Rühl: Das Ensemble mit den Musikhochschulen aus Finnland, Irland und Luzern. Ich war verblüfft, wie die sich gefunden haben.

Gab es auch Programmpunkte, die nicht wie gewünscht ankamen?

Rühl: Musikalisch bin ich mit dem Gebotenen am diesjährigen Musikfestival sehr zufrieden. Eine Lösung müssen wir aber finden, was die Räume betrifft. Vor allem der Konzertsaal im «Schlüssel» ist zu klein geworden. Da müssen wir uns etwas überlegen. Die Konzerte selber sind beim diesjährigen Festival durchgehend auf ein sehr gutes Publiumsecho gestossen. In den früheren Jahren waren die Reaktionen zuweilen gespalten, das war diesmal weniger der Fall.

Wo liegen die interessanten Entwicklungen in der Volksmusik?

Rühl: Da geben zunehmend auch die Jungen den Ton an. Sie machen Volksmusik, kennen sich aber auch in anderen Genres aus. Sie sind sehr gut ausgebildet und vielleicht etwas freier und ungezwungener in ihrem Zugang zur Volksmusik.

Immer mehr Festivals kämpfen um die Gunst des Publikums. Wie schwierig ist es, sich zu positionieren?

Rühl: Das ist wohl das kleinste Problem, das wir in Altdorf haben. Um Alpentöne und all die anderen Aktivitäten rund um die Volksmusik kann man Altdorf beneiden. Der Urner Hauptort ist ja wirklich zu einem Volksmusikzentrum für die Zentralschweiz und auch für die ganze Schweiz geworden. Zu diesem Erfolg haben alle beigetragen. Ich denke da an das Haus für Volksmusik, das Volksmusikfestival, das im kommenden Jahr leider nicht stattfindet, an Alpentöne oder auch den Mühlirad-Verlag. Wir sind sehr auf Kooperation aus. Man kennt sich und kommt gut miteinander aus.

Der zur Verfügung stehende Kuchen an Sponsoren wird kleiner. Auf wie sicheren Beinen steht das Festival?

Rühl: Am Fundament wird sich nichts ändern. Kanton und Gemeinde stehen voll hinter dem Festival Alpentöne. Die Zeiten werden aber ganz sicher nicht leichter. Die Gelder werden knapper. Zudem gibt es viele Sponsoren, die auch gerne mal die Pferde wechseln. Das kann man ihnen ja auch nicht verübeln. Nur wird es immer schwerer, neue Unterstützer aus der Privatwirtschaft zu finden.

Vor zwei Jahren konnte das Publikum auf dem Lehnpatz Stiller Has gratis geniessen. Ein derartiger Lockvogel für das breite Publikum fehlte heuer. Ist so etwas in Zukunft wieder möglich?

Rühl: Stiller Has war nie als Lockvogel gedacht. Wir sind nicht auf grosse Namen aus. Vieles könnten wir uns auch gar nicht leisten. Der Auftritt von Stiller Has war vielleicht auch eine Ausnahme. Die Band hat aber gut hineingepasst ins Zelt. Diesmal war auf dem Lehnplatz wiederum ein vielfältiges Musikprogramm kostenlos zu hören. Nebst einheimischen Gruppen gab es ein Kinderkonzert mit Silberbüx oder die fantastische französische Gruppe Du Bartas und das österreichisch-schweizerische Kombinat Alpenrösli.

Das Festival ist jetzt zwar erst gerade zu Ende gegangen. Trotzdem: Wie sehen die Pläne aus?

Rühl: Wir müssen immer erst durchatmen, wenn es vorbei ist. Die Pläne für das nächste Festival sind noch nicht so konkret. Wir wollen das diesjährige zuerst mal wirken lassen. Dass es in zwei Jahren wieder ein Festival geben wird, davon gehe ich aus.

Kommen Ihnen auch die Wünsche des Publikums zu Ohren?

Rühl: Ja, die Reaktionen des Publikums spürt man bei den Konzerten unmittelbar. Deswegen versuche ich, möglichst oft dabei zu sein. Konzerte dürfen bei uns aber auch polarisieren. Ein wenig Salz in der Suppe tut dem Ganzen gut. So sind beim Auftritt der Wiener Choralscola und Drehleiherspieler Matthias Loibner in der Pfarrkirche St. Martin viele rausgegangen. Die, die geblieben sind, haben es aber sehr genossen.

Hilft da Vielfalt, den Publikumsgeschmack zu treffen?

Rühl: Wir bieten fünfzig Gruppen in drei Tagen, das ist doch gewaltig. Die Konzerte im Zelt auf dem Lehn sind sogar umsonst. Und wer eine Karte kauft, kann eben noch mehr entdecken. Dazu kommt, dass wir auch die Einheimischen miteinbeziehen. Mit dem Alpentöne-Blasorchester, das zum vierten Mal auftrat, beim Klangspaziergang und mit den «einheimischen Tönen» waren die Urner im Programm doch sehr gut vertreten.