Meientaler Älpler feiern Alpabzug auch ohne Dorffest

Genau 101 Tage waren Kühe und Rinder auf der Alp Hinterfeld im Meiental. Am Wochenende kehrten sie zurück.

Georg Epp
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Mit Kuhhirt Benno Nauer an der Spitze nähert sich der Meientaler Alpabzug dem Dorf Wassen.

Mit Kuhhirt Benno Nauer an der Spitze nähert sich der Meientaler Alpabzug dem Dorf Wassen.

Bild Georg Epp (12.Sept. 2020)

Die Coronapandemie verhindert nach wie vor grössere Veranstaltungen. So auch das traditionelle Dorffest in Wassen am Tag des Alpabzugs, wo normalerweise bis zu 2000 Besucherinnen und Besucher begrüsst werden. «Die Kühe müssen aber trotzdem ins Tal», sagte Adrian Arnold, Präsident der Alpgenossenschaft Meiental. Die Älpler haben in Eigenregie sofort entschieden, auch ohne Dorffest die Tradition aufrechtzuerhalten, die Kühe wie gewohnt zu schmücken und das Ende eines guten Alpsommers zu feiern.

«Genau 101 Alpsommertage sind Rekord», hält Arnold fest. Normalerweise seien die Tiere im Durchschnitt 88 Tage auf der Alp. Auch die Milchleistung war gut. Jeden Sommer werden knapp 120000 Liter Milch zu 12 Tonnen Käse und andern Alpprodukten verarbeitet. Der Meientaler Alpkäse ist nach wie vor sehr beliebt. An einem kleinen Marktstand wurden Alpprodukte von der Alp Hinterfeld angeboten, doch ohne Älplerfest gab es nur wenige Besucher.

«Der Alpabzug ist die Krönung des Alpsommers»

Wer am vergangenen Samstag um die Mittagszeit durch Wassen fahren wollte, musste sich gedulden, einerseits staute es auf der Autobahn, und andererseits blockierte der Alpabzug die Hauptstrasse kurzfristig. Vor dem Abmarsch um kurz nach 9 Uhr bedankte sich Adrian Arnold beim Team auf der Alp Hinterfeld für die gute Arbeit. In Meien marschierten die Kühe und Rinder ein kurzes Stück auf der Passstrasse, der Rest der Strecke wurde auf dem alten Sustenweg absolviert.

Mit kleiner Verspätung stolzierten rund 80 herrlich geschmückte Tiere der 13 Genossenschafter der Alpgenossenschaft Hinterfeld kurz vor dem Mittag ziemlich zügig durch Wassen. Kuhhirt Benno Nauer aus Illgau freute sich, zum dritten Mal den Alpabzug an vorderster Front zu präsentieren. Auch er lobte den Alpsommer und meinte: «Der Alpabzug ist die Krönung des Alpsommers.» Nach wie vor sind Walter Kempf, Paul Epp und Balz Briker für das Schmücken der Kühe verantwortlich. Nicht nur für die Älpler ist der Anlass – eine Art Erntedankfest – speziell, sondern auch für die Besucher am Strassenrand. Den traditionellen Alpabzug hat man vor beinahe 20 Jahren wieder reaktiviert. Seit 2013 ist es der grösste organisierte Urner Alpabzug.

Den Alpsommer feierten die Älpler mit den Helfern in kleinerem Rahmen. Für einmal vergassen sie ihre Alltagssorgen, viele erhoffen sich auch im nächsten Jahr, einen ähnlich guten Alpsommer zu erleben – und dass die Coronapandemie nicht noch einmal das Älplerfest verhindert.