Als das Auto im Kanton Uri Einzug hielt

Die ersten Automobile kamen um das Jahr 1900 in die Urschweiz und fuhren anfangs noch mit Velonummern herum.

Rolf Gisler-Jauch
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Ausflug der Familie Gisler-Lusser auf den Urnerboden mit einem Fiat.

Ausflug der Familie Gisler-Lusser auf den Urnerboden mit einem Fiat.

Bild: Fotoarchiv Carl Gisler-Lusser

Das Staatsarchiv hat auch die Aufgabe, die verschiedenen Amtsdruckschriften – vom Amtsblatt über das Schulblatt bis hin zum Rechenschaftsbericht – zu sammeln. Eine der beliebtesten Amtsdruckschriften, die sich zwar nicht in jedem Haushalt, aber doch in vielen Autos findet, ist das so genannte «Nummerä-Biächli». In der gepflegten Amtssprache nennt es sich «Verzeichnis der Fahrzeughalter». Die Ausgabe 2019 umfasst 524 Seiten.

Das erste «Verzeichnis der Motofahrzeughalter des Kantons Uri» erschien im Jahre 1951. Es kam mit 40 Seiten aus, um alle Halter von leichten und schweren Motorwagen, Händlerschilder, Landwirtschafts-Traktoren sowie Motorräder aufzuführen. Halter von «leichten Motorwagen» waren bis zur Nummer 428 aufgeführt. Allerdings gab es in der Reihenfolge der einzelnen Nummern einige Lücken, so dass Anfang der 1950er-Jahre gut 400 Autos mit Urner Kontrollschildern und Lieferwagen verkehrten. Lastwagen (UR 1001-1096) und Motorräder (UR 1-386) hatten ihre eigene Numerierung.

Von der Velonummer zur Konkordatsnummer

Die ersten Automobile erschienen in Uri bereits um 1900 und wurden der Fahrradverordnung unterstellt. Sie hatten somit eine Velonummer zu lösen. Wenn die Fahrt jedoch über die Kantonsgrenze ging, kamen die «Benzinschnauferl» oder «Hastkutschen» ins Gebiet der Konkordatskantone. Die Urner Automobilisten hatten somit bis 1915, als Uri dem Automobilkonkordat auch beitrat, eine Schwyzer Nummer für ihr Automobil zu lösen. Die Autonummern waren für die ganze Schweiz kantonsweise durchnummeriert. Das Automobil wurde vor allem als Sportmittel der Reichen angesehen. Das Urner Polizeikommando fand es deshalb angesichts der sieben Urner Motorwagen für genügend, sich mit zwölf Schildern einzudecken. Doch es sollte wieder einmal ganz anders kommen.

Die Verzeichnisse der Fahrzeughalter im Grössenvergleich: Im grünen Automobilkalender 1929 (links) sind nebst nützlichen Hinweisen alle damals in der Schweiz in Verkehr gesetzten Automobile aufgeführt.

Die Verzeichnisse der Fahrzeughalter im Grössenvergleich: Im grünen Automobilkalender 1929 (links) sind nebst nützlichen Hinweisen alle damals in der Schweiz in Verkehr gesetzten Automobile aufgeführt.

Bild: Rolf Gisler-Jauch

Das Nummernsystem stösst schnell an seine Grenzen

Im Ersten Weltkrieg konnte das Automobil mit den Motorlastwagen den Beweis seiner Wirtschaftlichkeit antreten und in den 1920er-Jahren ging die Post ab. Die Automobilzahlen schossen erstmals in die Höhe. Wenn es in Uri ein Verzeichnis der Urner Motorfahrzeughalter gegeben hat, hat dieses Dokument (bisher) nicht ins Staatsarchiv gefunden. In den Jahren 1930 bis 1938 wurden Schilder und Halter beim Lösen der Fahrbewilligung, über das ganze Jahr verteilt, im Urner Amtsblatt veröffentlicht.

Es war somit ein nicht alltägliches Ereignis als ein Kunde des Staatsarchivs den «Schweizerischer Automobil-Kalender 1929» zur Ansicht vorbeibrachte. Dieser wurde im Verlag der «Automobil-Revue» in Bern herausgegeben und war ein «Taschenbuch zum täglichen Gebrauch für Automobilfahrer».

Vierstellige Urner Konkordatsnummern

Die Konkordatsnummern waren maximal vierstellig und wurden zum Teil auf dem Nummernschild vom Kantons- und Schweizerwappen flankiert. Die höchste Nummer mit der 9999 war dem Kanton Genf zugeteilt. Die ersten 1'000 Nummern waren für die Automobilisten des Kantons Zürich reserviert. Die «Nr. 1» der ganzen Schweiz hielt 1929 die Uto-Garage am Seefeldquai 1 in Zürich. In der Schweiz wurden damals auch noch Autos gebaut. Die «Nr. 4» und «5» waren deshalb auf die Orion Automobilwerkstätte zugelassen. Tausend Nummern reichte bald nicht mehr aus. So wurde die Nummer mit einem Buchstaben, in der Reihenfolge des Alphabets, ergänzt und das Kantonswappen teilweise ersetzt. Die Buchstaben I und Q kamen allerdings nicht zu Ehren. Ende 1928 war im Kanton Zürich die T-Serie erreicht. Die Nummer 1 mit und ohne Buchstaben-Zusatz kam somit 19 mal vor. Und im Kanton Zürich verkehrten bereits rund 19'000 Motorfahrzeuge.

UR 2601-2700

Der Urner Automobilisten waren die Nummern 2601-2700 zugeteilt. Zu den zugeteilten 100 Nummern gesellte sich bis 1928 noch eine Serie A dazu. Die höchste Nummer war 1929 die «2682 A» des Bäckermeisters Ernesto Arioli in Erstfeld. Wie die «2601» waren weitere Nummern nicht im Verkehr. Die Zahl der eingelösten Nummern betrug 120. Die tiefste davon war die «2602» und lautete auf das Elektrizitätswerk Altdorf. «2603» gehörte dem Altdorf Arzt Adolf Jann. Viele seiner Berufskollegen sind ebenfalls als Automobilisten aufgeführt. Das Automobil verkürzte die Zeit für die oft weit entfernten Hausbesuche. Eine weitere häufig aufgeführte Berufsgruppe sind die Hoteliers und Gastwirte, welche das Verkehrsmittel auch in den Dienst der Kundschaft stellten. Am Wagen von Fabrikdirektor Adolf Däwyler, war das Nummernschild «2658» angebracht. Die «Nr. 1» wurde im erst – unter welchen Kriterien auch immer – 1933 mit der Einführung des Schweizerischen Strassenverkehrsgesetztes (SVG) und der heutigen kantonalen Nummerierung zugeteilt.

Die ersten Konkordatsnummern waren dunkelgrün mit weissen Ziffern. Bei den Urner Nummern kam zu Beginn der 1930er-Jahre noch eine «B»-Serie dazu. Bei diesen wie auch die erneuerten bisherigen Schilder standen dann schwarze Zahlen auf weissem Grund.

Eine Frau ist 1929 unter den 120 Fahrzeughaltern keine namentlich, beziehungsweise vornamentlich aufgeführt. Bezeichnungen wie «Geschwister Gisler» oder «Familie Nager» lassen jedoch die Möglichkeit zu, dass sich bereits Ende der 1920er-Jahre die Weiblichkeit vereinzelt hinter das Steuer gesetzt hat. Aufsehen erregte auf jeden Fall Fräulein Munz aus Zürich mit Beifahrerin in ihrem Bugatti an dem Klausenrennen 1929 – nicht nur wegen ihres «Bubikopfs».

Im ersten Urner Nummernbüchlein von 1951 sind dann zwei Frauen in den Top 20 aufgeführt: «UR 12» hatte Frau Anna Mattli-Gamma, Fusspflegerin, in Erstfeld, und «UR 15» Emma König-Rütschi in Sisikon.

Dieser Beitrag wurde vom Staatsarchiv Uri zur Verfügung gestellt.