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Als einmal Duschen in der Woche genügen musste

Das Ferienmachen hat sich in den vergangenen 100 Jahren gewaltig geändert, vor allem, was die Ansprüche an die Ferienaktivitäten betrifft. Eines ist aber geblieben: Die Gäste lassen sich nach wie vor gerne kulinarisch verwöhnen.
Christoph Näpflin
So präsentierte sich der Esssaal im Seelisberger Hotel Sonnenberg vor 150 Jahren. (Bild: Archiv Christoph Näpflin)

So präsentierte sich der Esssaal im Seelisberger Hotel Sonnenberg vor 150 Jahren. (Bild: Archiv Christoph Näpflin)

Als Michael Truttmann im Jahr 1874 sein Grandhotel Sonnenberg in Seelisberg eröffnete, war dieses für damalige Verhältnisse eines der exquisitesten Häuser weit und breit. Vornehme Gäste aus ganz Europa, vom Bürgermeister über den Kardinal bis zum Künstler, gaben sich ein Stelldichein auf der Aussichtterrasse über dem Urnersee. Die Gäste blieben während mehrerer Wochen und genossen Ruhe, Erholung und leichte Spaziergänge oder Ausflüge in der näheren Umgebung sowie vor allem das Essen und Trinken. Die fast ganzseitigen Menükarten der damaligen Zeit bestätigen die grosse Bedeutung, die das Essen für die Hotelgäste hatte.

Oft erholten sich die Urlauber von einer Krankheit oder liessen sich gegen Kopfschmerzen, Atem- oder Kreislaufprobleme vom im Hotel praktizierenden Arzt behandeln. Wer könnte sich heute noch vorstellen, dass es bei bis zu 500 Gästen im Hotel Sonnenberg nur gerade eine Dusche pro Stock gab. Für das wöchentliche Duschen mussten sich die Gäste im Voraus anmelden. Für die Körperhygiene gab es in der übrigen Zeit nur eine Schüssel sowie einen Krug mit Wasser auf dem Zimmer.

Das Essen kostete mehr als die Übernachtung

Reserviert wurde eine Zimmerpauschale für die beabsichtigte Aufenthaltsdauer. Dazu buchten die Gäste dann die Essenspausen während des ganzen Tages. Auf den Tisch im Hotel kam nur das allerbeste. Wer es sich Ferien leisten konnte, speiste vor 100 Jahren vor allem Fleisch, Austern und Hummer, während die übrigen Leute sich mit Kohl und Kartoffeln sowie mit allerlei saisonalem Gemüse begnügen mussten. Das neue Nahrungsmittel Reis sowie exotische Früchte aus den Kolonien gehörten in dieser Zeit ebenso zum guten Ton.

Wie das Essen von 1900 wohl heute ankommen würde – in einer Zeit mit verschiedenen Allergien sowie veganen Essensgewohnheiten? Der Koch musste sich auch um die Echtheit der Nahrungsmittel kümmern.

Köche und Ärzte arbeiten zusammen

Die Kochkunst kam aus den asiatischen Ländern über Griechenland und Italien nach Mitteleuropa. Da Ernährung vor allem auch mit Gesundheit zu tun hat, arbeiteten die früheren Köche häufig mit Ärzten zusammen. Im 19. Jahrhundert war es vor allem Frankreich, das die berühmtesten Köche hervorbrachte. Vor 100 Jahren mussten sich die Köche noch mit gepanschten Nahrungsmitteln herumschlagen. Oft wurde etwa Mehl mit Kalk gestreckt oder Kakao mit Dreck. Erst später gab es Gesetze, welche die Reinheit der Nahrungsmittel regelten. Die grossen Hotels in Europa qualifizierten ihre Köche am Ende der Saison. Diese Zeugnisse erhöhten den Marktwert des Kochs – und umgekehrt konnte sich das Hotel rühmen, einen international anerkannten Küchenchef im Haus zu haben. So konnte sich zum Beispiel der Koch Arnold Vögelin aus Basel rühmen, ein Kochzeugnis von Grandhotels in London, Lausanne und Seelisberg zu haben. Dies war für die Gäste des Hotels Sonnenberg dann auch ein Zeichen, wie gut der Koch sein musste, wenn er in den besten Hotels von ganz Europa gearbeitet hatte.

Seit 2002 veröffentlicht die «Neue Urner Zeitung» in loser Folge Beiträge zum Thema «Uri damals». Dabei dreht unsere Zeitung das Rad der Zeit, um ein paar Jahrzehnte zurück. In der heutigen Ausgabe befasst sich Christoph Näpflin mit Ferien- und Essgewohnheiten vor 100 Jahren.

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