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«Als ob der Kanton Uri nicht existiert»

In der Rubrik «Tribüne» schreibt der Urner Filmemacher Felice Zenoni über den Fahrplanwechsel im Kanton Uri und seine Auswirkungen.
Der Urner Filmemacher Felice Zenoni.

Der Urner Filmemacher Felice Zenoni.

Übers Pfingstwochenende titelten alle Informationskanäle, dass die Bahnfahrt ins Tessin 15 Minuten länger dauert. Darüber informiert haben die SBB am 5. Juni an einer Medienkonferenz. Grund dafür ist der Ausbau auf Doppelspur bei Walchwil. Interessant aus Innerschweizer Sicht ist an der Schlagzeile das völlige Ausblenden der Kantone Zug, Schwyz und Uri, denn natürlich dauert nicht nur die Fahrt ins Tessin bis Dezember 2020 länger. Die Verspätung fällt ja im Kanton Zug an und betrifft somit zuerst und deshalb eben auch diesen Kanton sowie Schwyz und Uri. Etwas mehr sprachliche Präzision und kommunikatives Feingefühl hätten hier nicht geschadet.

Nun zur Ist-Situation: Mit dem Auto fährt man vom Zürcher Hauptbahnhof in 55 Minuten zum Bahnhof Flüelen. Mit dem Zug dauerte die Fahrt bis anhin 64 Minuten. Die Bahn konnte der Strasse durchaus die Stirn bieten. Seit Pfingstsonntag mit dem Umweg über Rotkreuz sind es 80 Minuten. Wer kann, wird da wohl bis Dezember 2020 vermehrt ins Auto steigen, um in die Innerschweiz oder ins Tessin zu gelangen. Natürlich geben sich die SBB redlich Mühe, die Unannehmlichkeiten so klein wie möglich zu halten. Dennoch: Warum gibt es während der Bauzeit und während der Stosszeiten nicht beispielsweise einen stündlichen Zug-Shuttle, der Zürich und Arth-Goldau nonstop verbindet? Die «normale» Reisezeit wäre damit wohl ziemlich genau wieder zu schaffen. Momentan halten die Schnellzüge zwischen Zürich und Arth-Goldau in Rotkreuz neun Minuten, eine gefühlte Ewigkeit. Als Laie fragt man sich nach dem Grund. Muss der Lokomotivführer den Führerstand wechseln, weil der Zug in Rotkreuz die Richtung ändern muss?

Auch ein Express-Bus zwischen Zug und Arth-Goldau zu den Hauptverkehrszeiten könnte während der Bauzeit durchaus Sinn machen. Es wäre zumindest eine ÖV-Alternative, um auf kürzerem und direkterem Weg nach Art-Goldau und darüber hinaus zu gelangen.

Die Strecke Zug – Arth Goldau wurde 1897 eröffnet. Es werden also 123 Jahre vergangen sein, wenn dieser Abschnitt – immerhin eines der wichtigsten Teilstücke im Nord-Süd-Verkehr – 2020 endlich doppelspurig sein wird. Wir rühmen uns gerne für die in 17 Jahren gebaute, epochale Neat. Das Nadelöhr am östlichen Zugersee zählt in der Geschichte der SBB nicht zu den Ruhmesblättern. Überhaupt die Fahrt in den Süden. Was hat man uns nicht alles versprochen. 1992, als über die Neat abgestimmt wurde, schwebte dem Bundesrat eine Reisezeit von zwei Stunden vor. Zürich – Milano wohlgemerkt. So stand es damals im Abstimmungsbüchlein. Aktuell dauert es mit der schnellsten Verbindung und durch die Neat drei Stunden und 40 Minuten. Man wünscht sich schon fast den unbeliebten Cisalpino zurück. Und fragt sich leicht verwundert, wie dieser Zug die Strecke damals über den Berg in drei Stunden und 36 Minuten schaffte.

Doch ab Ende 2020 ist ja Besserung in Sicht. Dazu gehört nicht nur die Doppelspur am östlichen Zugersee, sondern auch der Ceneri-Tunnel und ab 2021 der Kantonsbahnhof Uri. Hier, und das ist das Hauptanliegen dieser Zeilen, bitte ich die Urner Behörden mit Nachdruck in Bern auf regelmässige Halte der Züge, die durch die Neat fahren, im Kantonsbahnhof zu pochen. Mit 5, 6 Halten pro Tag darf sich Uri nicht zufriedengeben und abspeisen lassen. Wir sollten dabei durchaus auch das Argument ins Feld führen, dass der Kanton Uri seit dem Beginn der Erfolgsgeschichte «Gotthard-Bahn» ein verlässlicher Partner ist. Die Bahn kann etwa dank Urner Wasser mehr als zehn Prozent seines gesamten Strombedarfs decken. Dafür sorgt das Kraftwerk Amsteg, das zu 90 Prozent im Besitz der SBB ist.

Was auf der Südseite in Bellinzona seit jeher gilt, sollte ab 2021 auch im Urner Hauptort möglich sein. Jeder Zug, der durch die Neat fährt, hält sowohl am Süd- wie Nordportal, denn nur so werden auch wir Urner endlich die Möglichkeit einer optimalen und durchgehenden Anbindung an den öffentlichen Verkehr erhalten.

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