ALTDORF: 20 Jahre: Die Alpen-Initiative feiert und mahnt

Der Verein Alpen-Initiative besteht auf einer raschen Einführung der Alpentransitbörse. Am Jubiläumsfest in Flüelen wurde kritisiert, dass der Alpenschutzartikel 15 Jahre nach dem Ja zur Initiative nur ansatzweise umgesetzt sei.

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Bundesrat Moritz Leuenberger bei seiner Ansprache. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Bundesrat Moritz Leuenberger bei seiner Ansprache. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Die Alpen-Initiative beging am Samstag in Flüelen gleich zwei Jubiläen, und zwar die Gründung des Vereins Alpen-Initiative vor 20 Jahren und das Ja des Schweizer Stimmvolkes vor 15 Jahren zur Initiative «Zum Schutz des Alpengebietes vor dem Transitverkehr». Am Fest mit 250 Gästen lobte Bundesrat Moritz Leuenberger die Alpen-Initiative für die konstruktive Zusammenarbeit wie beispielsweise beim Aushandeln des Landverkehrsabkommens. Er schenkte ihr das Preisgeld von 5000 Euro des «European Railway Award», der ihm zu Beginn des Jahres von der Gemeinschaft europäischer Bahnen und Infrastrukturbetreiber (CER) für seine nachhaltige Verkehrspolitik überreicht worden war.

«Nicht im Alleingang realisierbar»
Zur von der Alpen-Initiative eingebrachten Idee einer Alpentransitbörse gab Verkehrsminister Leuenberger zu bedenken, dass die Schweiz die Börse nicht im Alleingang realisieren könne. Nur eine international abgestimmte Einführung im gesamten Alpenbogen verspreche Erfolg. In der «SonntagsZeitung» kündigte er ein Pilotprojekt für die Gotthard-Achse an. Zuerst müssten aber die Infrastrukturen vorhanden sein wie der Ausstellplatz in Monteforno. Dies sollte bis 2011 möglich sein, erklärte Leuenberger im Interview der «SonntagsZeitung».

Im Alpenraum gebe es verschiedene Ideen, wie man die negativen Folgen des Schwerverkehrs eindämmen könne, und die Börse sei nur eine davon, sagte Leuenberger in Flüelen. Ein weiterer Vorschlag sei das Emmissionshandels-System. Dieses begrenze den Schadstoffausstoss. Die Genehmigungen für die Alpendurchfahrten würden dann an einer Börse gehandelt, und zwar ähnlich wie bei der Alpentransitbörse. Der Unterschied sei aber, dass statt der Lastwagen die Menge der Schadstoffe limitiert würden. Der SP-Bundesrat erinnerte daran, dass das Ziel, den Alpenraum vor den negativen Folgen des Schwerverkehrs zu schützen, zwar klar und einfach sei. «Der Weg dorthin aber führt angesichts von Hindernissen auf Umwegen über Berge und Täler und auch über unsere Nachbarn», sagte Leuenberger.

Sanierung ohne zweite Röhre
Fabio Pedrina, Präsident der Alpen-Initiative und Tessiner SP-Nationalrat, drängte auf eine rasche Realisierung der Alpentransitbörse. Es sei auch Aufgabe der Alpen-Initiative, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie der Gotthard-Strassentunnel ohne zweite Röhre und ohne Isolierung des Tessins saniert werden könnte. Weiter äusserte Bernhard Tilg, Mitglied der Tiroler Landesregierung, hohe Erwartungen an die Alpentransitbörse. Auch Michel Dubromel als Vertreter von 3000 französischen Umweltverbänden äusserte sich positiv zur Börse. Am Fest nahmen auch Vertreter der Bergkantone Graubünden, Tessin, Uri und Wallis teil.

ap