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ALTDORF: 800 Musikfans, spontane Reime und eine Anreise-Odyssee

800 Personen besuchten das 12. Tonart-Festival im Theater Uri. Neben Publikumsmagnet Seven hatten auch verschiedene Newcomer eine Chance auf einen Auftritt. Die Festival-Band Take This begleitete im Foyer insgesamt neun Sänger.
Markus Zwyssig
Shem Thomas (links) rappt gemeinsam mit Newcomer Nemo im Theater-Uri-Foyer. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 11. März 2017))

Shem Thomas (links) rappt gemeinsam mit Newcomer Nemo im Theater-Uri-Foyer. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 11. März 2017))

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Es war bereits nach Mitternacht am Samstagabend, als der junge Nemo das Publikum nochmals kräftig anfeuerte. Dieses streckte die Hände in die Luft und schwenkte sie im Takt der Musik. Der 17-jährige Rapper aus Biel ermunterte die Konzertbesucher, das Smartphone hervorzunehmen und ein Video zu machen. «Das Filmchen könnt ihr Menschen schicken, die ihr nicht ausstehen könnt.» Nemo sang seine unmissverständliche Botschaft: «I ha ke Bock uf di.»

Die Hip-Hop-Musik war am Festival im Foyer des Theaters Uri prominent vertreten. Rap gab es am Freitag und Samstag auch mit Roger Rekless. Seine Spezialität ist es, spontan zu reimen. Bei seinen Improvisationen bezieht der Freestyle-Rapper mit ein, was er im Publikum sieht. Dritter im Bund war der musikalisch etwas eigenwillige Baze (siehe Box). Vertreten waren am Tonart-Festival aber auch Soul, Funk, Rock und Pop.

Streik führt zu einer Anreise-Odyssee

Die Songs der Band Malky um die beiden musikalischen Köpfe Daniel Stoyanov und dem Produzenten Michael Vajna sind sonst eher ruhig und beschaulich und eignen sich bestens für endlos scheinende Autofahrten dem Sonnenuntergang entgegen. Doch sie können auch losrocken – gerade wenn sie ihren Bestand auf fünf Mann aufstocken, wie am Freitagabend im grossen Saal im Theater Uri bewiesen wurde. Sie hatten das 12. Tonart-Festival lanciert.

Stunden vor dem Auftritt war bei den Veranstaltern aber Hektik aufgekommen. Weil am Flughafen in Berlin das Bodenpersonal streikte, war der Flug der deutschen Band in die Schweiz in Frage gestellt. Es mussten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, dass es doch noch klappte. Morgens um 3 Uhr startete die Fahrt mit dem Auto nach Hamburg. Dort nahmen die Musiker den Flieger in die Schweiz. Trotz Anreise-Odyssee konnten sie rechtzeitig im Theater Uri spielen – wenn auch im Stress vergessen wurde, die Batterien der Gitarre zu checken. Philipp Truniger, musikalischer Leiter, freut’s: «In zwölf Jahren ist bei uns noch nie ein Konzert ausgefallen.»

Hauptact am Samstagabend war Seven. Er überzeugte das Publikum im grossen Saal im Theater Uri. In der Trio-Formation nahm er viel von seinem Tempo weg, das er sonst auf der Bühne versprüht. Es gab wenig Funk, dafür viel gepflegten Soul. Für einmal war es gut, dass die Besucher im Theater Uri sitzen konnten.

Die Post ging dafür im Foyer ab. Einmal mehr meisterte die Band Take This die beiden Abende souverän. Sie begleitete insgesamt eine Sängerin und acht Sänger. Neben Nemo, Baze und Roger Rekless waren es William White, Gustav, Häni («Halunke»), Damian Lynn, Shem Thomas und die Italo-Sängerin Ade.

800 Musikfans besuchen das Tonart-Festival

Die Organisatoren des Festivals ziehen ein positives Fazit. «Der grosse Publikumsaufmarsch zeigt, dass das Festival nicht mehr aus dem Urner Kulturleben wegzudenken ist», so Mediensprecher Ralph Aschwanden. Rund 800 Personen besuchten das 12. Tonart-Festival. Sowohl der Freitag- als auch der Samstagabend waren ausverkauft. Eines ist jetzt schon klar: Es gibt im kommenden Jahr wieder ein Festival. Dieses findet am 9. und 10. März 2018 statt.

Nachgefragt

Der Berner Mundart-Rapper Basil Anliker alias Baze besuchte vor seinem Auftritt am Tonart-Festival in Altdorf den Coiffeur. Beim Warten aufs Haareschneiden unterhielt er sich mit unserer Zeitung über Hip-Hop.

Baze, wie gefällt es Ihnen am Tonart-Festival?

Das Festival findet in einem schönen Gebäude statt. Ich freue mich auf den Auftritt. Mit der Band Take This habe ich vor sechs Jahren schon einmal gespielt. Beim Tonart-Festival ist sie zu einer Hausband geworden und begleitet verschiedene Sänger. So einen Auftritt habe ich selten. Meistens spiele ich mit meinen verschiedenen Gruppen Konzerte.

Was ist der Unterschied zwischen Kurzauftritt und abendfüllendem Konzert?

In 15 Minuten kann sich nicht dieselbe Intensität entwickeln wie bei einem Konzert. Man kann weniger ins Detail gehen. Es muss auf der Bühne halt einfach sofort grooven.

Hip-Hop ist kommerzieller geworden. Stört Sie das?

Mir ist das eigentlich egal. Aber spätestens wenn es wie Schlager tönt, hat das nichts mehr mit Hip-Hop zu tun. Ich verfolge aber ganz andere Absichten und fixiere mich nicht nur auf Hip-Hop. Meine Musik ist zum Teil weit weg davon. Nur eine Stilrichtung zu spielen, ist für mich zu langweilig. Das zeigt sich auch auf meinem neuen Album. Mein Ziel ist es, gute Musik zu machen. Das Prinzip ist einfach: Entweder es gefällt einem oder nicht.

Baze vor dem Besuch beim Coiffeur in Altdorf. (Bild: MZ)

Baze vor dem Besuch beim Coiffeur in Altdorf. (Bild: MZ)

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