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ALTDORF: «Alpenschutz bleibt ein Thema»

Annalise Russi will den Röhrenbefürwortern die Stirn bieten. Die ehemalige Landratspräsidentin fühlt sich der Streitkultur im Nationalrat durchaus gewachsen.
Annalise Russi möchte als erste Urner Grüne den Sprung ins Bundesparlament schaffen. (Bild Urs Hanhart)

Annalise Russi möchte als erste Urner Grüne den Sprung ins Bundesparlament schaffen. (Bild Urs Hanhart)

Elias Bricker

Der Strassenverkehr zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Annalise Russi (Grüne Uri, Altdorf). Denn aufgewachsen ist die 59-Jährige in Amsteg, zu einer Zeit, als es noch keinen Gotthard-Strassentunnel gab und sich der Verkehr durchs Dorf schlängelte. An manchen Tagen sei es fast unmöglich gewesen, die Strasse zu überqueren. Als Ethnologie-Studentin, die nebenbei ihre Brötchen als Primarlehrerin verdienen musste, kämpfte sie für die Alpeninitiative. Aufmüpfig, wie sie gewesen sei, wurde sie gar beim Rektor der Universität Zürich persönlich vorstellig und erreichte, dass sie Unterschriften in den Uni-Gebäuden sammeln durfte. Und während ihrer ganzen politischen Laufbahn setzte sich die Grüne für die Verlagerung des Transitverkehrs und für den Alpenschutz ein. Heute lebt Russi in der Schmiedgasse in Altdorf, einer der meistbefahrenen Strassen des Urner Hauptorts, wo sich die Autos ähnlich durchs Dorf schlängeln wie damals in Amsteg. Nun will sich Russi im Nationalrat für ihre Anliegen starkmachen.

Alternative zu Röhren-Turbos

Es ist kein Geheimnis: Ursprünglich wollte Russi nicht kandidieren. Erst vor vier Wochen – nach unzähligen Gesprächen und bestiegenen Berggipfeln – hat sie sich dazu durchgerungen. «Uri hat sich immer wieder klar für den Alpenschutz ausgesprochen», sagt Russi. Dennoch würden die Urner Parteien jetzt für die eidgenössischen Wahlen ohne Ausnahme Befürworter einer zweiten Röhre am Gotthard portieren. «Das kann doch nicht sein», sagt Russi energisch. «Das irritiert mich masslos.»

Auch Russi weiss, dass die zweite Gotthardröhre im Parlament ein längst durchgewinktes Geschäft ist. Im Februar wird das Volk darüber abstimmen. «Ich habe oft genug gesehen, dass das Volk nicht immer das tut, was das Parlament gerne hätte. Gott sei Dank», sagt Russi. «Egal, wie die Abstimmung ausgehen wird: Der Verkehr und der Alpenschutz werden in Bern ein Thema bleiben.» Dafür will sich die Berufsschullehrerin im Nationalrat stark machen. «Wir dürfen Uri nicht einfach der Lastwagenlobby ausliefern.»

Links-grüne Ziele im Visier

Die Verkehrspolitik hebe sie denn auch von den andern Kandidaten ab. «Sind wir ehrlich: In anderen Themen unterscheiden wir uns nicht erheblich», so Russi. «Wir kämpfen für gute Bildung, ein bezahlbares Gesundheitswesen, Arbeitsplätze, gute Verkehrsanbindungen und eine gute Altersvorsorge. Wir wollen alle das Beste für Uri.» Doch auch in der Energie-, Umwelt- oder Asylpolitik verfolgt Russi klar links-grüne Ziele. Uri stehe vor grossen Herausforderungen. «Mit der Neat wird sich unser Kanton stark verändern», glaubt sie. Davon verspricht sie sich Chancen – sowohl wirtschaftlich als auch touristisch. Sie will sich in Bern aber auch gegen die drohenden Kürzungen der NFA-Gelder starkmachen. «Ich verstehe, dass sich die Geberkantone wehren», sagt sie. «Doch wir stellen den übrigen Schweizern seit Jahrzehnten Infrastrukturen zur Verfügung, nur damit sie durch unseren Kanton brettern können. Da ist es doch das Mindeste, dass wir weiterhin gleichviel NFA-Gelder erhalten.»

Respektiert weit über Partei hinaus.

Russis politische Erfahrung ist beachtlich. 1994 gründete sie mit Gleichgesinnten die Grüne Bewegung Uri. Zwölf Jahre lang – von 2000 bis 2012 – sass die Altdorferin im Landrat. In den Jahren 2008/2009 war sie Landratspräsidentin – als erste Grüne überhaupt. 2010 kandidierte sie für den Regierungsrat und schaffte ein bemerkenswertes Resultat. SVP-Mann Beat Arnold, gegen den Russi nun am 18. Oktober erneut antritt, erreichte das absolute Mehr nur knapp. Denn die Altdorferin hatte sich als Landrätin weit über die Parteigrenzen hinaus Respekt verschafft. Selten nahm sie ein Blatt vor den Mund, vertrat konsequent ihre Meinung und zeigte nie Berührungsängste. «Wenn mich etwas stört, kann ich gar nicht anders, als mich zu äussern», sagt Russi, die bei einer Wahl weiterhin einige Lektionen Geschichte am BWZ Uri unterrichten möchte. Sie fühle sich der Streitkultur im Nationalrat durchaus gewachsen. «Das Vokabular in der Politik ist zwar rauer geworden. Doch wenn es sein muss, kann ich schon meine Krallen ausfahren», sagt sie – und lacht.

Mit der Tradition verbunden

Gemächlicher und bodenständig geht es in ihrer Freizeit zu und her. Russi ist Mitglied der Alphornbläser- und Fahnenschwingervereinigung Uri. «Ich sollte aber definitiv mehr üben und wieder konsequent den Proben beiwohnen», sagt die Alphornbläserin. Kürzlich absolvierte sie zudem den Urner Jagdlehrgang und legte die Prüfung des theoretischen Teils ab. Selber ein Tier zu erlegen, würde für sie aber keinen Sinn machen, da sie Vegetarierin sei. Ruhe findet die Altdorferin in den Bergen – weitab vom Verkehr.

Hinweis

Die «Neue Urner Zeitung» stellt alle Urner Kandidaten für die National- und Ständeratswahlen in loser Folge vor. Bereits erschienen sind Porträts von Frieda Steffen (21. September) und Beat Arnold (24. September).

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