ALTDORF: Andri Schenardi schlüpft in die Rolle eines Eritreers

Andri Schenardi ist immer wieder auf Urner Bühnen zu erleben. Diesmal kommt er mit dem Theaterkollektiv Frei Raum aus Bern ins Theater Uri. Die Sprache spielt im Stück eine wichtige Rolle.

Heinz Keller*
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Andri Schenardi bei einer Probe für das Theaterstück «Zwing Uri – Tell my Ass». Am Donnerstag, 12. April, steht er mit einer neuen Produktion wieder einmal in Uri auf der Bühne. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 14. April 2016))

Andri Schenardi bei einer Probe für das Theaterstück «Zwing Uri – Tell my Ass». Am Donnerstag, 12. April, steht er mit einer neuen Produktion wieder einmal in Uri auf der Bühne. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 14. April 2016))

Heinz Keller*

redaktion@urnerzeitung.ch

Eine Skilehrerin auf der Suche nach ihren Grenzen, ein Eritreer und seine Flucht nach Bern, ein Mann mitten im Leben, der sich auf seine letzte Reise vorbereitet: Diese drei Geschichten erzählt das Theaterkollektiv Frei Raum in seinem aktuellen Theaterstück. Mit dabei ist auch Andri Schenardi. Der 37-jährige Urner absolvierte seine Schauspielausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste. Sein erstes fes­tes Engagement führte ihn ab 2007 an das Konzert-Theater Bern. Er ist als freier Schauspieler für Theater und Film tätig und seit der Spielzeit 2015/16 als Gast am Schauspielhaus Graz. Am Donnerstag, 12. April, kommt er mit dem Theaterkollektiv Frei Raum nach Altdorf.

Andri Schenardi, das Stück heisst «Über Stock und Stein – ein Liederabend». Was erwartet das Publikum?

Es ist ein Theaterabend, der sich dem Wandern verschrieben hat. Wandern kann man in der Tat über Stock und Stein, von einem Land ins andere oder gar vom hiesigen Leben in ein weiteres uns unbekanntes. Wandern ist schön und aufregend, kann aber auch angsteinflössend sein, wie das Leben im Ganzen. Das Stück handelt von drei Interviews, ­welche im realen Leben geführt und in einer fantasievollen, ver­spielten Inszenierung mit ganz unterschiedlichen Liedern auf die ­Bühne gebracht wurden, mit Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.

Sie leben in Bern und im Moment in Graz. Wie ist es, mit Berner Sängerinnen und Sängern in Uri aufzutreten? Singen Sie in Altdorf Urner- oder Bernerdialekt?

Das mit dem Urnerdialekt ist so eine Sache. Ich würde ja noch so gerne in meiner Muttersprache Theater machen, doch leider sprechen nur die allerwenigsten Helden oder Heldinnen des klassischen Theaters unseren Dialekt, nicht einmal Schillers «Wilhelm Tell» ... Bei der Berner Theatertruppe Frei Raum ist es dann allerdings so, dass die Figuren zwar Schweizerdeutsch sprechen, jedoch nicht Urnerdialekt. Und im ganz spezifischen Fall von «Über Stock und Stein» spreche ich das Deutsch eines eritreischen Flüchtlings. Ich spreche nicht mit Akzent, sehr wohl aber mit seiner Grammatik, damit der Wortlaut so eng am Original bleibt wie möglich. Das war eine grosse Herausforderung.

Die Menschen des Theaters Frei Raum erzählen drei Lebensgeschichten. Die weite Welt vermischt sich mit der Erlebniswelt der Zuhörerinnen und Zuhörer. Wie erreicht die Truppe dieses Ziel?

Wie genau es funktioniert, kann ich nicht wirklich beantworten, nur, dass es funktioniert. So haben wir in Bern bereits Hunderte von Menschen berührt. Die Geschichten werden direkt erzählt ohne Umschweife. Man darf dabei sein. Ein zuhörender Mensch ist voller Empathie. Im Endeffekt funktionieren auch niveauvolle Talkshows so, in welchen man reale Lebensgeschichten zu hören bekommt. Vielleicht hat man manchmal etwas Respekt in ein fremdes Leben einzutauchen, sobald man seiner Empathie jedoch «freien Lauf» lässt, ist man drin in einem fremden Leben und kann daraus lernen.

Worauf freuen Sie sich in der Aufführung in Uri besonders?

Ich freue mich auf einen vollen Theatersaal, voller lachender und inspirierter Urnerinnen und Urner.

Hinweis

* Der Autor dieses Artikels ist Leiter des Theaters Uri. Das Interview wurde uns im Zusammenhang mit der Vorschau auf das Theater-Weekend zur Verfügung gestellt.