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ALTDORF: «Arbeit ist ungesund verteilt»

Gewerkschafter und linke Politiker haben gestern auch in Uri Klartext gesprochen. Laut Syna-Chef Arno Kerst sind Arbeit und Freizeit nicht mehr im Gleichgewicht.
Rund hundert Gewerkschafter und Genossen lauschten den Ausführungen der 1.-Mai-Redner. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Rund hundert Gewerkschafter und Genossen lauschten den Ausführungen der 1.-Mai-Redner. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Urs Hanhart

Die Gewerkschaften Syna, Travail­suisse, Unia und SGB/GBU sowie die SP und Juso Uri veranstalteten gestern im Theater Uri in Altdorf eine gemeinsame 1.-Mai-Feier. Rund hundert Gewerkschafter und Genossen, darunter deutlich mehr Junge als in den Vorjahren, lauschten den Ausführungen von SP-Regierungsrat Markus Züst, Syna-Schweiz-Präsident Arno Kerst und Barbara Spalinger, Vizepräsidentin der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV).

Diesmal stand die Urner 1.-Mai-Feier unter dem Motto «Soziale Gerechtigkeit statt Ausgrenzung». «Das sind Themen, die wir schon seit Jahren propagieren und für die wir uns täglich einsetzen», sagte Züst. Er ergänzte aber umgehend: «Leider müssen wir ernüchtert feststellen, dass wir noch nicht viel weitergekommen sind. Die sozialen Gegensätze nehmen zu. Einkommen und Vermögen sind extrem ungleich verteilt. In unserer wohlhabenden Schweiz leben zu viele Leute an der Armutsgrenze. Immer mehr Menschen werden zu sogenannten Globalisierungsverlierern.»

Toleranz schwinde

Züst sagte weiter, dass die Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Fremden immer kleiner werde. Linke, Grüne und Gewerkschaften seien nach wie vor die einzigen politischen Kräfte, die sich echt für soziale Gerechtigkeit und Minderheiten einsetzten. «Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, dass der Neoliberalismus und die grenzenlose Globalisierung uns immer weiter in die Wirtschaftskrise treiben und zu noch grösserer Ausbeutung in der Welt führen», betonte der Regierungsrat. «Wir müssen uns weiterhin beharrlich und mit Nachdruck für die intelligenten linken Lösungen einsetzen.»

Kritik an der Ruag

Syna-Chef Arno Kerst ging in seiner Rede auf die Arbeitsbedingungen ein, die von den Unternehmen zusehends verschärft werden. «Arbeit und Freizeit sind nicht mehr im Gleichgewicht», sagte er. «Wer Arbeit hat, der hat meist viel zu viel Arbeit. Und zu viele haben gar keine Arbeit. Arbeit ist ungerecht und ungesund verteilt.» Arbeitnehmer würden immer mehr zur Manövriermasse. Kerst räumte ein, dass seit dem Nationalbankentscheid, die Frankenuntergrenze nicht mehr zu verteidigen, die wirtschaftliche Situation für die Exportindustrie, den Tourismus und den grenznahen Detailhandel schwieriger geworden sei. Um diese Herausforderung zu meistern, brauche es innovative und produktive Arbeitnehmer. «Das sind sie vor allem dann, wenn sie ausgeruht sind und nicht um ihre Arbeitsplätze bangen müssen», so Kerst. «Darum ist die Drohung, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, oder die tatsächliche Schliessung von Fabriken Gift für innovatives Arbeiten. Ich bezweifle sehr, ob Arbeitszeiterhöhungen, wie zuletzt bei der Ruag, tatsächlich die Produktivität steigern.»

SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger befasste sich in ihrer Ansprache mit der AHV und deren Erfolgsgeschichte. Sie nutzte die Gelegenheit, um für die von den Gewerkschaften lancierte AHV-plus-Initiative zu werben.

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem Risottoessen und einem Auftritt der Band Sheepheadmonkees.

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