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ALTDORF: Asylbewerber soll vergewaltigt haben

Hatten eine junge Urnerin und ein Nigerianer einvernehmlich Sex, oder war es Missbrauch? Der Verteidiger fordert Freispruch, die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe.
Im Kanton Uri soll ein Mann eine Frau vergewaltigt haben. (Symbolbild Keystone)

Im Kanton Uri soll ein Mann eine Frau vergewaltigt haben. (Symbolbild Keystone)

Markus Zwyssig

Die Tat liegt bereits zehn Jahre zurück: Am 16. Oktober 2005 soll in einer Asylunterkunft in Altdorf eine junge Frau vergewaltigt worden sein. Der Mann, ein Nigerianer, war kurze Zeit später untergetaucht. Vor fünf Monaten wurde er bei der Einreise in die Schweiz verhaftet. Seither sitzt er in Sicherheits- und Untersuchungshaft in Stans. Gestern fand nun die Verhandlung vor dem Landgericht Uri statt. «Ich bin kein Vergewaltiger», sagte der 30-jährige Nigerianer. «Sie war meine Freundin.»

Massiv geblutet

Für die Oberstaatsanwalt-Stellvertreterin hingegen war gestern klar, die junge Frau wurde Opfer eines sexuellen Übergriffs. Spuren von Gewalteinwirkung gab es zwar nicht, die damals erst 17-Jährige hatte aber massiv geblutet. Die Frau ist, was ihre Intelligenz betrifft, geistig eingeschränkt. Gemäss Staatsanwältin ist ihr IQ mit 76 verhältnismässig tief. Sie weise zudem sichtbare körperliche Beeinträchtigungen auf. Die Staatsanwältin zweifelt an der Glaubwürdigkeit des Angeklagten. So ist dieser mehrmals unter falschem Namen eingereist. Ob er diesmal wirklich in die Schweiz kam, um ein Auto zu kaufen, wie er angab, sei mehr als fraglich. «Dem Mann ging es nicht um eine Liebesbeziehung, vielmehr war er nur am Sex interessiert.» Den Widerstand der Frau habe er bewusst ignoriert. Die Staatsanwältin forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Es sei eine Probezeit von 3 Jahren anzuordnen.

Die Rechtsvertreterin der Privatklägerin stellte Zivilforderungen insbesondere für medizinisch-psychische Leistungen, die sich auf knapp 5000 Franken belaufen. Der Angeklagte sei auch für weitere anfallende Kosten schadenersatzpflichtig. So befand sich die Frau in stationärer psychiatrischer Behandlung. Die Genugtuung liege im Ermessen des Gerichts. Die Rechtsanwältin bezifferte die Summe auf 20 000 Franken plus Zins. Zudem soll ein Kontaktverbot zum Schutz der Privatsphäre ausgesprochen werden. Die Frau, die zu 100 Prozent IV bezieht, ist offensichtlich heute noch traumatisiert. «Der Mann hat die junge Frau eiskalt für seine Zwecke ausgenutzt.» Sie seien nie ein Liebespaar gewesen.

Freispruch und Genugtuung

Der Verteidiger ist von der Unschuld des Nigerianers überzeugt. Er pochte daher vor Gericht auf einen Freispruch. Die Privatklägerin sei die Freundin des Mannes gewesen. Sie habe keinen erkennbaren Widerstand geleistet. Die Privatklägerin sei insbesondere von ihrer Mutter nachträglich bei ihren Aussagen beeinflusst worden, so der Verteidiger. Zudem seien verschiedene geschilderte Sachverhalte nicht zutreffend. So sei behauptet worden, der Mann habe das Zimmer, bevor es zum Sex gekommen sei, abgeschlossen. Das sei aber unmöglich, denn offensichtlich habe es gar keine Türe gegeben. Der Angeklagte habe sich fünf Monate in Untersuchungshaft befunden. Jetzt müsse man ihn so bald wie möglich entlassen. Zudem forderte der Verteidiger eine finanzielle Genugtuung.

Die Verhandlung vor dem Landgericht Uri fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Opfer sei ganz erheblich in der Privatsphäre betroffen, so Landgerichtsvizepräsident Heinz Gisler. Andererseits bestehe ein öffentliches Interesse, wie die Urner Justiz ein solches Verfahren behandle. Daher waren gestern die Medien im Gerichtssaal zugelassen.

Hinweis

Das Urteil soll den Parteien in den nächsten Tagen mündlich eröffnet werden.

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