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ALTDORF: «Auf Flower-Power folgt Power»

An der Spitze des Berufs- und Weiterbildungszentrums gibt es einen Wechsel. Walter Bachmann blickt auf 24 interessante Jahre zurück.
Interview Florian Arnold
Rektor Walter Bachmann legte Wert darauf, auch selber im Schulzimmer zu stehen. (Bild Florian Arnold)

Rektor Walter Bachmann legte Wert darauf, auch selber im Schulzimmer zu stehen. (Bild Florian Arnold)

Interview Florian Arnold

Ende Juli tritt Walter Bachmann als Rektor des Berufs- und Weiterbildungszentrums (BWZ) zurück. Er war 24 Jahre lang an der Spitze der Berufsschule. An den Lehrabschlussfeiern wurde er gebührend verabschiedet.

Walter Bachmann, sind Sie ein Kuschel­pädagoge?

Bachmann: Nein, ich bin ein konsequenter Pädagoge, aber ein menschlicher. Mir ist wichtig, dass jeder Mensch nach einer ersten Chance mindestens eine zweite bekommt. Bei der dritten hört dann aber das Kuscheln auf.

War es Ihnen wichtig, bei den Schülern gut anzukommen?

Bachmann: Es war mir nicht wichtig, gut anzukommen. Aber es war mir wichtig, als gerecht und liebevoll wahrgenommen zu werden, ganz nach meinem Credo: «Sachen klären, Menschen stärken.» Auch wenn es Gerechtigkeit wahrscheinlich nicht gibt, sollte jeder das Gefühl gehabt haben, dass ich sicher nicht grundsätzlich etwas gegen ihn habe.

24 Jahre haben Sie auf diese Weise ein Team geführt. Gibt es Leute, die sich freuen, dass Sie gehen?

Bachmann: Selbstverständlich. Es gibt Lehrpersonen, die es wahrscheinlich gut finden, dass es einen Wechsel im Rektorat gibt. Auch in der Verwaltung gibt es Leute, die nicht um mich trauern.

Welche Momente dieser 24 Jahre sind Ihnen am meisten präsent?

Bachmann: Was mir sicher in Erinnerung bleibt, sind die sensationellen Lernenden, die bereit sind, Leistung zu bringen. Sie wollen ihren Teil zur Wirtschaft beitragen. Und zum andern sind das die Lehrpersonen, die sich für diese Schule einsetzen. Aber gerade bei den Lernenden ist die Leistungsbereitschaft in den vergangenen Jahren merklich gestiegen.

Woher kommt der Motivationsschub?

Bachmann: Das ist eine generelle Entwicklung. Auf Flower-Power ist Power gefolgt. Die Lernenden haben Freude am Arbeiten. Sie stellen nicht das Geld in den Vordergrund, sondern erbringen mit Motivation Topleistungen.

Ist das die markanteste Veränderung, die Sie über die 24 Jahre feststellen konnten?

Bachmann: Der Leistungsgedanke ist das eine. Aber die Lernenden sind zum Zeitpunkt des Abschlusses generell selbstbewusster und reifer als früher.

Merkt man dies auch im Schulbetrieb?

Bachmann: Ja. Die Lernenden sind sich von der Primarschule und der Oberstufe gewohnt, vor Leute zu stehen und eine Meinung zu vertreten. Sie tun dies aber in einem angenehmen Ton, sodass man miteinander diskutieren kann.

In 24 Jahren kann sich viel verändern. Markant ist sicherlich die Entwicklung in der IT-Welt. Konnte die ­Berufsschule mit dem horrenden Tempo immer Schritt halten?

Bachmann: Selbstverständlich. Es ist ­heute nichts Aussergewöhnliches mehr, dass eine Schreinerin am PC arbeitet. Alle, die zu uns kommen, bringen bereits riesiges Vorwissen mit. Wir könnten uns als Berufsschule gar nichts anderes leisten, als auf dem neusten Stand zu sein. Es ist nur so, dass heute niemand mehr jubelt, wenn wir in den Informatikraum gehen. Eher wünscht man sich, dass man ein Thema wieder ohne IT erarbeitet. Menschlichkeit erhält wieder mehr Gewicht.

Und welche Berufe sind heute am gefragtesten?

Bachmann: Am markantesten haben sich die Zahlen bei den Fachangestellten Gesundheit entwickelt, weil es diesen Beruf zuvor gar nicht gab. Nach wie vor beliebt sind aber kaufmännische Berufe, der Detailhandel und Elektroinstallateure. Daran wird sich auch nichts ändern.

Warum?

Bachmann: Diese Berufe gewähren eine solide Grundbildung. 10 Jahre nach ihrem Abschluss sind die wenigsten Elektro­installateure noch auf ihrem Beruf tätig, denn sie haben sich weitergebildet. Aber ohne ihren erlernten Beruf wären sie heute nicht am selben Ort.

Beliebt ist auch die Berufsmatura. Wie blickt man als Schulchef auf diese Entwicklung?

Bachmann: Mit einer riesigen Freude und einer grossen Zufriedenheit. Wir sind von Anfang an voll eingestiegen. Anfänglich waren wir stolz, dass wir zwei Klassen zusammenbrachten. Jetzt haben wir eine Klasse für die gesundheitlich-soziale, eine für die technische und eine für die kaufmännische Berufsmatura. Der Kanton Uri steht im schweizerischen Schnitt gut da. Und erfreulich ist für mich, dass jedes Jahr eine beträchtliche Truppe der Berufsmaturanden an die Pädagogische Hochschule wechselt. Denn ich glaube, diejenigen, die zuerst einen handwerklichen Beruf erlernt haben, sind nicht die schlechtesten Lehrer.

Das BWZ ist ein Zusammenschluss aus der Gewerblichen Berufsschule, der Bauernschule und der Kaufmännischen Berufsschule. Wie haben Sie die Fusion in Erinnerung?

Bachmann: Wenn man zurückschaut, war von keiner dieser Schulen der Wille da, sich zusammenzuschliessen. Das kam von oben. Mich hat erstaunt, wie sich alle mit dieser Situation abgefunden haben. Alle wollten das Beste daraus machen, und rückblickend kann man sagen, dass dies auch erreicht worden ist.

Welche wichtigen Hürden hat die Schule ansonsten noch genommen?

Bachmann: Wir waren sicherlich innovativ, was das zehnte Schuljahr und die Attestausbildung angeht. Mir hat es immer Spass gemacht, solche Dinge zu ent­wickeln. Aber eine Berufsmatura einzu­führen war nur möglich, weil auch ­Lehrpersonen mitgemacht haben. Die Schulleitung hat nur die Grundlagen geschaffen. Aber ohne Team geht gar nichts.

Gab es auch Rückschläge während Ihrer Zeit als Rektor?

Bachmann: Am meisten Sorgen hat es mir immer bereitet, wenn jemand die Lehre abbrechen musste. Das hat mich auch am stärksten belastet. Auf der strukturellen Ebene waren aber die Platzverhältnisse eine Erschwernis unserer ­Schule. Jetzt allerdings ist der Ausbau aufgegleist, und wir können nach vorne schauen.

Die Eröffnung der umgebauten ­Schule werden Sie nicht mehr als Rektor erleben. Erfüllt Sie dies mit Wehmut?

Bachmann: Ich hätte ja noch länger bleiben können, wenn das für mich mit Wehmut verbunden gewesen wäre. Es ist gut, jetzt den Schnitt zu machen. Alles ist in die Wege geleitet. Die Durchführung kann nun jemand anderes übernehmen.

Das Highlight des Jahres haben Sie schon hinter sich: Wie haben Sie Ihre letzten Diplomfeiern erlebt?

Bachmann: So eine Feier ist das Sahnehäubchen, und ich bin einfach begeistert von den Lernenden, die während eineinhalb Stunden ausgestellt auf der Bühne hochanständig und motiviert sitzen. Ich habe Hochachtung vor den Topleistungen. Aber in meinen Augen haben jene, die alles für eine 4,2 gegeben haben, noch mehr Ruhm und Ehre verdient.

Hand aufs Herz: Hängen Ihnen nach über 70 Feiern die Reden des Bildungsdirektors nicht zum Hals raus?

Bachmann: Ich bin so aufgeregt bei den Feiern, dass ich nicht einmal meine ­eigene Rede richtig mitbekomme. Die Bildungsdirektoren mögen mir es deshalb verzeihen: Aber in der Hektik bin ich mit mir beschäftigt.

Nun treten Sie ab. Was wünschen Sie der Schule?

Bachmann: Mein Wunsch ist es, dass sie sich so weiterentwickelt wie bisher. Mit dem neuen Leiter werden neue Ideen kommen. Wichtig ist, dass es innovativ und kreativ weitergeht.

Worauf freuen Sie sich persönlich?

Bachmann: Ich werde sicher mehr in die Berge gehen. Ein Ziel ist es, alle Urner Bergseen zu erreichen. Und dann habe ich Pläne im Hinterkopf, die ich nach vorne nehme, wenn mir langweilig ist.

Wird man Sie als Zuschauer an den nächsten Abschlussfeiern antreffen?

Bachmann: Ganz sicher nicht.

Walter Bachmann

Zur Person - 1951 wurde Walter Bachmann in Altdorf geboren, wo er auch aufwuchs. In Sitten schloss er das Lehrerseminar ab und unterrichtete in Altdorf auf der Primarstufe und in Pfaffnau auf der Oberstufe. 1979 absolvierte er die Ausbildung zum Berufsberater und arbeitete als solcher bis 1991 beim Kanton Uri. Dann übernahm er die Kantonale Berufsschule, die 2008 zusammen mit anderen Institutionen zum Berufs- und Weiterbildungszentrum Uri fusioniert wurde. Bachmann ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen
Kindern.

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