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ALTDORF: Auf Teufels Befehl wird gehörig geschneit

Die Marionettenbühne Gelb-Schwarz bringt «Das Urner Krippenspiel» von Heinrich Danioth neu inszeniert im Theater Uri heraus. Das offene Bühnenbild erlaubt einen Blick auf das, was sonst hinter dem Vorhang passiert.
Die Spieler lassen im Schneetreiben den Teufel und Wegknecht Joder aufeinandertreffen. (Bild: Angel Sanchez (Altdorf, 10. Dezember 2017))

Die Spieler lassen im Schneetreiben den Teufel und Wegknecht Joder aufeinandertreffen. (Bild: Angel Sanchez (Altdorf, 10. Dezember 2017))

Andri Schenardi sinniert über vergangene Zeiten. Er legt die Schallplatte mit dem Urner Krippenspiel von Heinrich Danioth aus den 1960er-Jahren auf. Der Klang des alten Radios mit Röhrenverstärker weckt nicht nur bei ihm Erinnerungen, wie an der Premiere der Neuinszenierung am Mittwochabend im Theater Uri zu spüren war.

Nach den persönlichen Worten des 37-jährigen Schenardi ist man mitten drin im Klassiker des Urner Künstlers. Der Teufel schlüpft aus seiner Kiste und beginnt – mit der Stimme von Schenardi – auf dem Schoss des Schauspielers zu verhandeln: Und zwar mit Gott, der als einziger Charakter im Stück nicht als Marionette erscheint, aber ebenfalls von Schenardi gesprochen wird. Und so schlüpft der Schauspieler während einer Stunde beinahe in sämtliche Rollen, ob Mann oder Frau, ob gut oder böse.

Bald eilen ihm die Marionettenspieler zu Hilfe und übernehmen die Bedienung der Fäden. Durch das offene Bühnenbild sind sie immer zu sehen, was auch den Elan erkennen lässt, mit dem sie bei der Sache sind: Manche Spieler sprechen den Text mit, während sie teilweise zu zweit den Figuren Leben einhauchen, was auch komplexe Bewegungen möglich macht.

Livemusik und Historisches vermischen sich zu Collage

Auch Livio Baldelli hat alle Hände voll zu tun. Er sorgt für die Livemusik beim Krippenspiel. Mit Ausschnitten aus der Schallplatte und Loops entsteht eine Soundcollage verfeinert mit live gespielten Instrumenten.

Als Zuschauer weiss man oft kaum, wo man hinschauen soll. «Schnee, Schnee, Schnee, nur immer mee, mee, mee, und nyyt as Schnee, Schnee, Schnee», befiehlt der Teufel, und schon lassen es die Spieler gehörig schneien. Und dann werden die Marionettenführer von einer speziell konzipierten Maschine unterstützt, die noch viel mehr Schneeflocken beisteuert, sodass sich das Publikum im tiefsten Winter wähnt. Die Schnee­maschine ist aber nur eine von verschiedenen technischen Raffinessen, mit denen das Bühnenbild von Burkart & Pfaffen ausgestattet ist.

Regisseur Matteo Schenardi sorgt mit seiner Inszenierung dafür, dass das Krippenspiel aus dem Jahr 1944 auch heute noch aktuell wirkt. Einiges im Stück scheint zeitlos, anderes wurde angepasst. Vermissen werden einige Danioth-Kenner wohl vor allem zwei Figuren: Bruno und Nero. Mit ihnen stellte Danioth Hitler und Mussolini dar. Nichts an Aktualität eingebüsst hat die Darstellungsform von Maria und Josef. Sie treten als zwei Emigranten auf, die vor dem Krieg geflohen sind.

An der Premiere gab es viel Applaus für die Neuinszenierung, die Verantwortlichen und vor ­allem auch für die Marionettenspieler. Matteo Schenardi ist denn auch sehr zufrieden mit dem Start. «Unsere Inszenierung, bei der das Publikum auch die Marionettenspieler sieht, zeigt eindrücklich auf, wie viele Leute es braucht, um das Stück auf die Bühne zu bringen», sagt der Altdorfer. Erfreut ist er, dass bereits vor der Premiere derart viele Tickets verkauft worden sind: «Im Vorverkauf gibt es keine Billette mehr. Man kann aber an der Abendkasse sein Glück versuchen.»

Marionetten 2003 geschaffen und eingekleidet

Das Krippenspiel wurde von der Marionettenbühne Gelb-Schwarz neu produziert und wird nun im Rahmen der Altdorfer Dezembertage aufgeführt. Fredy Burkart hat die Marionetten 2003 neu gebaut; Irène Fussen diese eingekleidet.

Die Marionettenbühne führte das Krippenspiel 2003 in Altdorf und 2004 mit grossem Erfolg in Erstfeld mehrmals auf. Der Verein will «das Urner Krippenspiel» erhalten und die Marionettentradition durch weitere Stücke mit Bezug im weitesten Sinn zum Kanton Uri pflegen.

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

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