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ALTDORF: Aus dem Soldaten wird Landvogt Gessler

Es ist eine Integrationsgeschichte wie aus dem Bilderbuch. Aus dem eingewanderten Arianit Sakiri wird in den Tellspielen 2016 der finstere Landvogt.
Daniel Regli
Arianit Sakiri verkörpert in den Altdorfer Tellspielen den Landvogt Hermann Gessler. (Bild F. X. Brun)

Arianit Sakiri verkörpert in den Altdorfer Tellspielen den Landvogt Hermann Gessler. (Bild F. X. Brun)

Daniel Regli

Er weiss genau, wie Tyrannen aussehen. Arianit Sakiri hatte als Angehöriger der albanischen Minderheit in Mazedonien den Druck eines staatlichen Systems am eigenen Körper erlebt. Jahre später verkörpert er als Schauspieler einen Landvogt. Arianit Sakiri, der albanische Migrant mit Schweizer Pass, spielt bei den Altdorfer Tellspielen den Unterdrücker der Eidgenossen, Hermann Gessler.

Bösewichte sind einfacher

Für den 39-jährigen Schauspieler ist das kein Problem – nicht persönlich und auch nicht wegen des schauspielerischen Könnens. Der Absolvent einer Schauspielakademie hatte früher in Mazedonien als Assistenzprofessor selber Schauspieler unterrichtet und in zahlreichen Produktionen mitgearbeitet. «Ich kann mich mit der Persönlichkeit von Gessler zwar überhaupt nicht identifizieren», sagt Sakiri. «Dank meiner Erfahrung mit verschiedensten Charakteren und Rollen gelingt es mir aber trotzdem, Gessler glaubwürdig darzustellen.» Für einen Schauspieler sei es einfacher, einen Bösewicht zu mimen als manch anderen Charakter.

Arbeitet bei Dätwyler in Schattdorf

Sakiri ist verheiratet und Vater von drei Kindern. In die Schweiz gekommen ist er im Alter von 30 Jahren. Von Beginn weg hat er bei der Firma Dätwyler in Schattdorf gearbeitet. «Dafür bin ich sehr dankbar», sagt Sakiri. Sein Arbeitsplatz, seine Chefs und die Arbeitskollegen haben ihm die Integration erleichtert. Später sind dann erste Engagements als Schauspieler in der Schweiz hinzugekommen.

Im Jahr 2012 hat er bei den Tell­spielen in Altdorf unter der Regie von Volker Hesse einen Gesslersoldaten gespielt. «Die Rolle wurde damals extra für mich entwickelt», verrät Sakiri. Bereits zweimal hat er auch bei den Freilichtspielen in Luzern mitgespielt.

Gessler ist nicht nur Bösewicht

Sein letztes Engagement war als Darsteller im Danioth-Dokumentarfilm von Felice Zenoni. Und nun wurde er vom Regieteam unter der Leitung von Philipp Becker als Gessler ausgewählt. «Er war unsere Wunschbesetzung», sagt die österreichische Autorin Gerhild Steinbuch, die bei den Tellspielen 2016 für die Dramaturgie verantwortlich ist. «Arianit Sakiri wurde nicht etwa ausgewählt, weil er Migrant ist, sondern weil er uns mit seiner Professionalität beeindruckt hat.» Bei Tell 2016 ist Gessler nicht einfach nur der Bösewicht. Er ist vielschichtiger, macht bloss seinen Job und ist auch nur ein Mensch.

Jeder kann ein Held sein

Mit der Geschichte von Tell ist Sakiri seit seiner Kindheit vertraut. «Mein Vater war Historiker, darum stand Wilhelm Tell von Friedrich Schiller in un­serer Hausbibliothek.» Während seines Schauspielstudiums wurde er dann ein weiteres Mal mit Tell konfrontiert.

«Klar faszinieren Heldengeschichten: Von Helden fühlt man sich angezogen», erklärt Sakiri. Aber auch hier gelte es zu differenzieren. Es gebe verschiedene menschliche Heldentaten, aber den einen, wahren Helden gebe es nicht. «Jeder kann ein Held sein. Für kleine Kinder ist es beispielsweise der eigene Vater.»

Geschichte einer guten Integration

Damals, als junger Student in Mazedonien, habe er nie daran gedacht, einmal in Tells Heimat zu leben. Ganz zu schweigen davon, einmal Hermann Gessler in Altdorf auf der Bühne zu spielen. «Jetzt lebe ich in Altdorf, fühle mich als Urner, bin Mitglied der Tellspielgesellschaft und rezitiere Schiller in Deutsch.» Quasi die Geschichte einer gelungenen Integration.

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