ALTDORF: Ausstellung thematisiert Uris Italianità

Eine neue Sonderausstellung im Historischen Museum trägt den Titel „Von Arrigoni bis Zenoni“. Sie befasst sich mit italienischen Einwanderern in den Kanton Uri.

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Besucher an der Ausstellung im Historischen Museum in Altdorf. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Besucher an der Ausstellung im Historischen Museum in Altdorf. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Das Historische Museum Uri im Urner Hauptort versprüht derzeit viel Italianità. Im grossen Ausstellungsraum prangen überall die Farben der italienischen Flagge. Sogar ein dort installierter Weihnachtsbaum ist mit roten, weissen und grünen Kugeln versehen, erinnert also ganz an unser südliches Nachbarland.

Beim Bau des Gotthard-Eisenbahntunnels kamen erstmals italienische Arbeiter in Scharen nach Uri. Mit der Eröffnung des Jahrhundertbauwerk 1882 rückte Italien näher. Weitere Grossbauwerke wie die Gruonbach- oder Schächenbachverbauung sowie der Bau der Klausenpass- und Isentalerstrasse erforderten ab 1890 weitere Arbeitskräfte. Viele Azzurri entschlossen sich in der Schweiz zu bleiben und die Niederlassungsbewilligung zu beantragen. Dadurch erhielt das Urnerland einen italienischen Anstrich.

Mittlerweile gibt es von den in Uri sesshaft gewordenen italienischen Einwandererfamilien Secondos, Terzos und sogar Quattros. „Ihnen ist unsere neue Sonderausstellung in gewisser Weise gewidmet“, sagte Romed Aschwanden, Vorstandsmitglied im Historischen Verein Uri, an der Vernissage vom Dienstag. Und er fügte an: „Die Italianità Uris können wir mit einem gewissen Stolz betrachten, werden doch unsere südlichen Nachbarn wegen ihrem Temperament und ihrer Gelassenheit bewundert. Davon hat auch etwas auf den Charakter der Urner abgefärbt. Unsere Italianità ist gleichzeitig auch ein Beispiel für eine gelungene Integration und zeigt uns, wie sehr der internationale Austausch eine Kultur, eine ganze Region bereichern kann.“

Die klingenden Namen im Telefonbuch – von Arrigoni bis Zenoni – seien eine Freude für Aug und Ohr; die berühmten Gelati eine für den Gaumen. Aschwanden verwies aber auch auf eine Schattenseite: „Von der mühsamen und erniedrigenden Prozedur der Integration können viele Nachkommen der italienischen Einwanderer berichten. Die ‚Tschinggä‘ waren keinesfalls zu jeder Zeit gern gesehene Mitbürger und das Italienisch erweckte lange Misstrauen. Ein Kampf um Akzeptanz, ein Kampf gegen Vorurteile gehörte und gehört für Einwanderer zum Alltag.“

Ausstellung soll wachsen

Die Idee, eine Sonderschau zu diesem Thema zu realisieren, stammte von Kurt Gisler. Bei der Umsetzung und Gestaltung wurde er von Kurator Rolf Gisler und vom Museumspädagogen Stefan Gisler unterstützt. Die Ausstellung beinhaltet unter anderem auch verschiedene Familienchroniken. Dazu sagte Kurt Gisler: „Einige Familien haben ihre Geschichte spontan offengelegt und dokumentiert. Ihnen gebührt ein grosser Dank.“ Die Initiatoren hoffen, dass sich noch weitere Familiengeschichten hinzugesellen. „Diese Sonderausstellung soll übers Jahr wachsen und lebendig bleiben“, betonte Kurt Gisler.

„lieber assimiliert als integriert“

Pino Pilotto, Spross einer Einwandererfamilie italienischer Herkunft, sagte an der Vernissage: „Ich bin mit einem Immigrantenbewusstsein erzogen worden, das es mir hätte ermöglichen sollen, mich möglichst schnell in die urnerische Gesellschaft zu integrieren. Das ist aber nur teilweise gelungen, was ich gut finde. Wahrscheinlich habe ich mich lieber assimiliert als integriert.“ Von der Assimilation könnten beide Ethnien profitieren. Beide Kulturen hätten die Möglichkeit, sich einander anzunähern. Die eine erweitere sich um die andere. „Positiv drückt sich dies im Austausch von Essen, Trinken, Festen und Singen aus. Aber negative Dinge wie Rassismus machen leider auch bei den Kulturgrenzen nicht halt“, so Pilotto.

HINWEIS:
Die Sonderausstellung dauert bis 14. Oktober 2015. Sie ist Mittwoch, Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Infos unter www.hvu.ch.

Urs Hanhart

Bild: Urs Hanhart / Neue UZ

Bild: Urs Hanhart / Neue UZ

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