ALTDORF: Boot-Flüchtling macht in Uri Karriere

Harte Flucht, Kriegsgräuel, Sprachbarriere: Trotzdem meistert ein junger Eritreer die vierjährige Schreinerlehre. Er zählt sogar zu den Besten seiner Klasse.

Anian Heierli
Drucken
Teilen
Niguse Ghebregzabiher, anerkannter Flüchtling aus Eritrea, bei seiner Arbeit als Schreinerlehrling in Altdorf. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Niguse Ghebregzabiher, anerkannter Flüchtling aus Eritrea, bei seiner Arbeit als Schreinerlehrling in Altdorf. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

«Ich wollte nicht nach Europa, um Geld zu verdienen», sagt Niguse Ghebregzabiher. «Ich wollte meine Heimat nur verlassen, um zu überleben.» Der 29-Jährige ist anerkannter Flüchtling aus Eritrea. 1998 brach zwischen Äthiopien und Eritrea der Krieg aus, und die Lage hat sich bis heute wenig entspannt. «Unter dem Label ‹Staatsfeind› kriegen Menschen willkürliche Strafen ohne gerichtliche Verhandlung», erklärt Ghebregzabiher. Kritik an der Regierung endet im Gefängnis oder sogar tödlich.

Sackgeld für Sprachunterricht

Vor knapp sieben Jahren ist der Eritreer per Schlauchboot über Italien in die Schweiz geflüchtet. Heute lebt er in Altdorf. Bei der Arbeit und unter Bekannten gilt er als Musterbeispiel einer gelungenen Integration. Diesen Sommer schliesst Ghebregzabiher die vierjährige Lehre zum Möbelschreiner ab. In der Gewerbeschule gehört er zu den besten seiner Klasse und erhält nur Top-Noten. «Seine Anstellung habe ich keine Sekunde bereut», betont Lehrmeister Hermann Herger, Inhaber einer gleichnamigen Schreinerei mit Sitz in Altdorf.