Altdorf

Café Central: «Das holländische Ambiente wird verschwinden»

Am Montag geht im Café Central in Altdorf eine Ära zu Ende. Yvonne Walker-Ubels übergibt den Betrieb an Musa Berisha, der bereits im Tellpark ein Café führt.

Bruno Arnold
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Musa Berisha wird ab Januar 2021 als Nachfolger von Yvonne Walker-Ubels das Café Central in Altdorf führen.

Musa Berisha wird ab Januar 2021 als Nachfolger von Yvonne Walker-Ubels das Café Central in Altdorf führen.

Bild: Bruno Arnold (Altdorf, 18. Dezember 2020)

Ob Poloshirts des Personals, Wände oder Servietten: In den vergangenen Jahren hat die Farbe Orange das Café Central in Altdorf geprägt. Zum speziellen Ambiente gehörten aber auch Windmühlen, Holzschuhe Tulpen und vieles mehr. Die Oranje-Dominanz hatte einen einfachen Grund: Mit Yvonne Walker-Ubels führte seit dem 5. Oktober 2008 eine gebürtige Holländerin den Betrieb in unmittelbarer Nähe des Telldenkmals – nachdem sie dort bereits fünf Jahre lang als Serviceangestellte tätig gewesen war. Gestern Montag war für die 43-jährige Pächterin Schluss – wegen des seit heute geltenden sanften Lockdowns allerdings zehn Tage früher als geplant.

Zur Überzeugung gelangt: «17 Jahre sind genug»

«Dass ich aufhöre, hat weder wirtschaftliche noch familiäre oder gesundheitliche Gründe», sagt die Holländerin. «Man soll aufhören, wenn einem das Ganze noch Spass macht.» Dass die aktuelle Coronapandemie ihren Entscheid beeinflusst hat, will Yvonne Walker allerdings nicht völlig von der Hand weisen. «Jahrelang habe ich meine ganze Energie und viel Herzblut in meinen Betrieb gesteckt, aber auch rund um die Uhr die Hauptverantwortung getragen.» Während des Lockdowns im Frühling habe sie wieder einmal Gelegenheit gehabt, sich in Ruhe Gedanken über Gegenwart und Zukunft zu machen. «Ich habe gespürt, wie schön es sein kann, weniger Stress zu spüren und grosse Freiheiten geniessen zu können.» Schliesslich sei sie zur Überzeugung gelangt: «17 Jahre ‹Central› sind genug.»

Neuer Pächter ist in Uri kein Unbekannter

Ab 2021 wird im «Central» Musa Berisha aus Luzern das Sagen haben. Der 43-jährige Schweizer mit kosovarischen Wurzeln ist in Uri kein Unbekannter. Er führt seit 2016 das Café Gusto im Tellpark in Schattdorf. «Ich wollte schon immer expandieren», erklärt der Inhaber der MMB Gastro GmbH. «Ich kenne Yvonne Walker seit längerer Zeit, und das ‹Central› stand schon lange zuoberst auf meiner Wunschliste.» Auch hätten das «Gusto» und das «Central» gemeinsame treue Stammgäste. Ab Neujahr wird der gelernte Barkeeper sowie ehemalige Chef de Service und Hotelfachmann sowohl die Verantwortung für das Café im Tellpark als auch für den Gastrobetrieb am Altdorfer Rathausplatz tragen.

Dabei übernimmt Berisha nicht nur den laufenden Pachtvertrag, sondern er wird auch das aktuelle «Central»-Personal weiterbeschäftigen. Da Yvonne Walker ihrem Nachfolger im Januar und Februar noch als Mitarbeiterin zur Verfügung stehen wird, ist ein nahtloser Übergang mit Sicherheit gewährleistet. «Einzig das holländische Ambiente wird verschwinden», sagt die langjährige «Central»-Chefin lachend. Musa Berisha solle dem Betrieb sein eigenes Flair einhauchen:

«Ich hoffe, dass ihm die Gäste von Anfang das gleiche Vertrauen schenken, wie sie dies mir gegenüber getan haben.»

Frisch erfinden will der neue Pächter das Rad nicht. «Das Geschäftsmodell von Yvonne Walker hat sich bewährt», betont er. Mit andern Worten: Das «Central» soll weiterhin an 365 Tagen im Jahr offen sein, und zwar von 7 bis 18 Uhr. Auch das bisherige Angebot an Speisen und Getränken wird keine wesentlichen Änderungen erfahren. Trotz des sanften Lockdowns, der ihm den eigentlich am 1. Januar geplanten Start als Geschäftsführer im beliebten Café am Altdorfer Rathausplatz verunmöglicht, gibt sich Musa Berisha zuversichtlich: «Es braucht halt momentan etwas Geduld, aber ich glaube an die Zukunft.»

Apropos Zukunft: Yvonne Walker weiss noch nicht, was sie künftig beruflich tun wird. «Zuerst einmal wohl gar nichts», sagt die temperamentvolle Frau strahlend. «Einfach mal Freizeit, Ferien und schöne Erinnerungen an die Zeit im ‹Central› geniessen.» Auch wenn sie noch bis Ende Februar an ihrem jahrelangen Arbeitsort anzutreffen sein wird, ist es ihr bereits jetzt ein echtes Bedürfnis, allen Gästen aus nah und fern sowie ihrem treuen Personal und nicht zuletzt ihrem Mann herzlich zu danken: «Er ist jederzeit zu 200 Prozent hinter mir gestanden und hat in den vergangenen zwölf Jahren viel zur erfolgreichen Geschäftstätigkeit beigetragen.»