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ALTDORF: Christof Hirtler präsentiert neues Werk mit Urner Sagen am «runden Tisch»

Volksfrömmigkeit, Riten und Bräuche standen im Zentrum des «runden Tisches» im Staatsarchiv Uri. Der Fotograf Christof Hirtler präsentierte das neuste Werk zur Urner Sagenwelt, unterstützt von Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart.
Remo Infanger
Von rechts: Christof Hirtler bei der Podiumsdiskussion zusammen mit Staatsarchivar Hans Jörg Kuhn sowie den Staatsarchiv-Mitarbeitern Carla Arnold und Rolf Gisler-Jauch. (Bild: Remo Infanger (Altdorf, 22. März 2018))

Von rechts: Christof Hirtler bei der Podiumsdiskussion zusammen mit Staatsarchivar Hans Jörg Kuhn sowie den Staatsarchiv-Mitarbeitern Carla Arnold und Rolf Gisler-Jauch. (Bild: Remo Infanger (Altdorf, 22. März 2018))

Remo Infanger

redaktion@urnerzeitung.ch

«Aberglaube ist in der heutigen, modernen Welt ein Phänomen, dem wir aufgeklärte Menschen mit Distanz begegnen – könnte man meinen.» Mit diesen Worten eröffnete Hans Jörg Kuhn, Leiter des Staatsarchivs Uri, am vergangenen Donnerstag den «runden Tisch». «Und trotzdem: Wer ist schon ganz frei vom Glauben an etwas Übersinnliches?», fragte Kuhn. Im Zentrum der sehr gut besuchten 34. Ausgabe des «runden Tisches» stand «Geister, Bann und Herrgottswinkel», das 2000 veröffentlichte, bald vergriffene, 2017 neu aufgelegte und überarbeitete Buch von Christof Hirtler und Hanspeter Niederberger.

Die Veranstaltungsreihe im Staatsarchiv Uri präsentiert jeweils Einblicke in die aktuelle Forschung zur Urner Geschichte und Volkskunde. «Die Volksfrömmigkeit ist ein spannendes, gleichzeitig aber auch sehr komplexes Thema», sagte Kuhn. Denn der vermeintliche Gegensatz von religiösem Glauben und Aberglauben hänge oftmals mehr zusammen, als man eigentlich denken würde.

Christof Hirtler war in erster ­Linie als Fotograf am Buch beteiligt. Der Altdorfer arbeitet als freischaffender Fotograf, Journalist und Autor und veröffentlichte in seinem Verlag Bildfluss auch bekannte Urner Werke wie «Hirt, Tinner und Fugibootschä», «Urnerboden» oder «zittrigi fäkke». Am vergangenen Donnerstag präsentierte er die erweiterte Neuauflage von «Geister, Bann und Herrgottswinkel» und erzählte auch von seinen Erfahrungen in der Urner Sagenwelt. Dabei ging ein spezieller Dank an Hanspeter Niederberger. Der Giswiler Sagenforscher war der eigentliche Autor des Buches und ist kurz vor der Veröffentlichung der Erstauflage im Jahr 2000 allzu früh verstorben.

Schutz vor Naturgewalten und teuflischen Mächten

«Volksfrömmige Riten, Bräuche und Magie ist etwas, über das viele nicht gerne sprechen, da sie befürchten, als Spinner zu gelten», sagte Hirtler. Deshalb sei es teilweise schwierig gewesen, an genügend Informationen für das Buch zu gelangen. Zudem würden viele solche Magie nur über das Fernsehen kennen, etwa durch Berichte von Voodoo-Praktiken in Afrika. «Neben den Sagensammlern und Volkskundlern sind es vor allem die bäuerlichen Kreise gewesen, die sich mit magischen Praktiken in der Schweiz auskannten», erklärte Hirtler. Das liege besonders daran, dass gerade Älpler von Naturgefahren wie Lawinen oder Steinschlag ­betroffen seien und dafür den Teufel, Geister oder Dämonen verantwortlich machten. Dieser Bedrohung begegne man mit Ritualen, Bannsprüchen oder anderen Hilfsmitteln. «Ein in Uri sehr verbreitetes Beispiel ist etwa das Karfreitagsei», so Hirtler. Richtig platziert, soll das gesegnete Ei vor Gewitter, Feuer und anderen Katastrophen schützen.

Betruf wurde fast verboten

Hirtler stellte auch weitere Symbole vor, die vor bösen Mächten schützen sollen: das «Agnus Dei», ein in Wachs geprägtes Lamm Gottes, das Skapulier, ein gesegnetes Täschchen, das man um den Hals trug, oder das sogenannte Toggeligitter aus geweihtem Palmholz, das man über dem Bett aufhängte, um den Nachtgeist fernzuhalten. Auch der Betruf sei eine bedeutende Praktik von Berglern in Uri, um die Alp und das Vieh zu segnen. «Der Betruf wurde sogar beinahe verboten, da er eine Zeit lang durch die Verehrung von Kühen als heidnisches Ritual angesehen wurde», sagte Hirtler. Er finde es schade, dass der Alpsegen vermehrt auch für touristische Zwecke verwendet werde. «Der Betruf gehört auf die Alp und nicht inszeniert in ein Festzelt», meinte Hirtler bei der anschliessenden Podiumsdiskussion.

Zu Gast im Staatsarchiv war zudem der in Erstfeld aufgewachsene Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart («Dällebach Kari», «Grounding»). In reinstem Urnerdialekt las er hiesige Sagen vor.

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