ALTDORF: Danioth-Film im Fokus der Medien

Felice Zenonis Film über Heinrich Danioth ist gut angelaufen. Die meisten Besprechungen sind positiv. Es gibt aber auch kritische ­Stimmen.

Markus Zwyssig
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Filmemacher Zenoni (Mitte) in Flüelen bei einem Dreh zum Film «Danioth – der Teufelsmaler». (Archivbild Urs Hanhart)

Filmemacher Zenoni (Mitte) in Flüelen bei einem Dreh zum Film «Danioth – der Teufelsmaler». (Archivbild Urs Hanhart)

Markus Zwyssig

Das nennt man einen fulminanten Start: Nach der Uraufführung am vergangenen Mittwoch (siehe unsere Zeitung vom Freitag) hat Felice Zenonis Dokumentarfilm «Danioth – der Teufelsmaler» allein in Uri am ersten Kinowochenende beinahe 1500 Zuschauer ins Kino gelockt. Aktuell läuft «Danioth – der Teufelsmaler» in dreizehn Schweizer Kinos und steht auch im Programm der 50. Solothurner Filmtage.

Zum Kinostart wurde in den Medien breit über den Film berichtet. So hat die Newssendung «10 vor 10» auf SRF 1 am Abend der Uraufführung einen Beitrag gezeigt. Ein Team des Nachrichtenmagazins begab sich mit Cilli und Madeleine Danioth in die Schöllenen zum berühmten Bild mit dem Teufel und dem Geissbock, das ihr Vater dort an die Wand gemalt hat, was zur damaligen Zeit für Aufruhr sorgte.

Die «Neue Zürcher Zeitung» veröffentlichte ein Porträt über Cilli Danioth. Im Mittelpunkt stand dabei, dass die Kinder Vater und Mutter bereits in jungen Jahren verloren haben. Das «Migros-Magazin» veröffentlichte ein Interview mit Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart. Dieser hat im Film Heinrich Danioth seine Stimme geliehen.

Eine Entdeckung

Dem Film gelinge es, zusammen mit zahlreichen Zitaten aus Briefen und Tagebüchern, historischen Fotos und Archivfilmen, das eindrückliche Leben und Werk von Heinrich Danioth spannend und unterhaltsam näherzubringen, hiess es im Kulturteil unserer Zeitung. Das komme auch bei einem Publikum an, das mit Uri oder der Schweizer Kunst des frühen 20. Jahrhunderts nicht vertraut sei.

«So haben Sie die Urner Berge und die Urner Seele noch nie gesehen! So schön, so schroff», schreibt die «Coopzeitung» lobend. Regisseur Felice Zenoni sei mit seinem perfekt komponierten Film über den Maler Heinrich Danioth nicht nur ein Porträt über den grossen Urner Künstler und sein Werk gelungen. Mit Danioths Blick zeichne Zenoni die Geschlossenheit der Bergwelt und ihre Wirkung auf die Menschen in wunderbaren Bildern nach.

Die «Reformierte Presse» bezeichnet Danioth als einen der bedeutendsten Schweizer Maler des 20. Jahrhunderts. Im eigenen Kanton allgegenwärtig, sei er im Rest der Schweiz weithin in Vergessenheit geraten. «Regisseur Felice Zenoni geht den Spuren des Künstlers jedoch so anschaulich nach, dass jeder, dem der Name Danioth bislang kein Begriff war, froh ist, eine Entdeckung gemacht zu haben.» Behutsam und sorgfältig beschreibe Zenonis Film einen kantigen Charakter, heisst es in der «Berner Woche». «Alle Elemente eines tadellosen Künstlerporträts sind da zusammengekommen.»

Danioth, das mache der Film deutlich, sei ein leidenschaftlicher, unangepasster Künstler gewesen, schreibt das «St. Galler Tagblatt». Zunächst sei er von den Werken Hodlers, dann von der Naturmystik seines Kunstprofessors August Babberger geprägt worden, bis er in einer modernen Expressivität seinen eigenen Stil fand. «Eine Modernität, mit der er in der Innerschweiz aneckte und so manchen Kunststreit auslöste.»

Subversives Potenzial

Der in Uri aufgewachsene Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart verleihe Danioth seine Stimme, indem er aus Tagebüchern und Briefen zitiere – mit einer Erhabenheit, die so altbacken daherkomme, dass Einschlafgefahr drohe, schreibt die «Berner Zeitung». ­Danioths Verhältnis zur Kirche war zwiespältig. Der «Teufelsmaler» habe durchaus subversives Potenzial, so die «Berner Zeitung». «Leider fehlt es ­Zenonis Film an einem Fokus, und er zerfranst so in alle Richtungen.» So gäbe es zu viele, aber zu wenig prägnante Zeitzeugen und Experten, die nebst den beiden Töchtern Madeleine und Cilli Danioth zu Wort kommen. «Überstrapaziert wird auch die Urner Landschaft», findet die «Berner Zeitung». Dass Danioth, der auch Dichter war, sich von der Schönheit seiner Heimat inspirieren liess, sei unbestritten. «Doch hier fängt die Kamera Sturzbäche, saftige Wiesen, Alpenkämme und immer wieder Sonnenuntergänge so exzessiv ein, dass man sich zeitweise in einem Film von Uri Tourismus wähnt.»

Der Urner Filmemacher Zenoni erzähle Leben und Werdegang des Künstlers mehr oder weniger chronologisch – und sehr unaufgeregt, schreibt der «Landbote». Dass sich in der Seele des Künstlers Abgründe aufgetan hätten, werde allenfalls hie und da angedeutet. «Überhaupt ist vieles von dem, was in diesem Film gesprochen wird, konventionell und unverbindlich, als blieben die Emotionen hinter einer Felswand verborgen.» Weil auch die Zeitzeugen, allen voran die beiden Töchter Cilli und Madeleine, diskret blieben und dazu neigen würden, ihren Vater zu idealisieren, bleibe das Gesamtbild seltsam unscharf. Der «Landbote» schreibt aber auch, der Film finde unaufdringliche Bilder, die den Zuschauer die Nähe ahnen lassen, die dieser Maler zeitlebens zur harten und schroffen Bergwelt empfand. «Von Heimatklischees keine Spur.»

Lebendig und bewegend

Zenoni habe über den «Teufelsmaler» einen dokumentarischen Querschnitt durch das bewegte Künstlerleben gedreht, gewürzt mit kraftvollen Spielszenen und solide gestützt auf Tagebuchnotizen und Briefauszüge, schreibt Karl Lüönd in der «Weltwoche». Dank der Stimme von Hanspeter Müller-Drossaart würden diese lebendig und bewegend. «Der Film zeigt Selbstzweifel und materielle Nöte, die diese Künstlerbiografie kennzeichnen.» Danioth lebe in Uri weiter, denn einige der schönsten seiner Werke bilden heute den Mittelpunkt des Hauses für Kunst Uri in Altdorf. «Dieses wurde, wie der Danioth-Film und das Haus der Musik, der Sitz der Musikschule Uri in der ehemaligen Fabrikantenvilla, von der Dätwyler-Stiftung ermöglicht.»