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ALTDORF: Das Volk will einheimische Steine

2018 muss die Ausgangsmeile von Altdorf saniert werden. Am Dienstag wurde die Bevölkerung informiert. Für Diskussionen sorgte nicht der Preis, sondern die Herkunft der neuen Pflasterung.
Instandsetzungsprojekt: Im Bereich der Schützengasse wird die Pflasterung erneuert. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 5. April 2017))

Instandsetzungsprojekt: Im Bereich der Schützengasse wird die Pflasterung erneuert. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 5. April 2017))

Franziska Herger
franziska.herger@urnerzeitung.ch

Auf den Dorfkern von Altdorf kommt 2018 einiges zu: Kaum ist die Fasnacht vorbei, werden die Schützengasse und die untere Hellgasse in mehreren Etappen aufgerissen. Die Abwasserleitung ist chronisch überlastet und muss saniert werden (wir berichteten). «Das wird eine unangenehme Sache», sagte Gemeindepräsident Urs Kälin am Dienstag an einer Informationsveranstaltung für die Bevölkerung in Altdorf. «Ohne Beeinträchtigungen für die Geschäfte und Anwohner wird die Sanierung nicht möglich sein.»

Abwasser Uri trägt den Grossteil der Kosten

Die Gemeinde Altdorf will das Beste daraus machen: Zeitgleich mit der Sanierung der Werkleitungen soll die bisherige Strassenoberfläche durch eine neue Pflasterung ersetzt werden. «Das wäre in den nächsten drei bis vier Jahren ohnehin fällig geworden», so Kälin. «Der Strassenoberbau der Schützengasse ist in einem schlechten Zustand.» Auch andere Betroffene nehmen die Gelegenheit wahr: Die Swisscom will ihre Leitungstrassen ergänzen, und die Wasserversorgung Uri erneuert die Trinkwasserleitung und saniert den Dorfbachkanal. Das Projekt kostet 2,12 Millionen Franken. Die Sanierung der Leitungen geht zu Lasten der Werkleitungseigentümer, insbesondere Abwasser Uri mit einer Investition von 1,1 Millionen Franken. Die geplante Instandsetzung mit Natursteinen wird die Gemeinde Altdorf 830000 Franken kosten. Über die darin enthaltenen neuen Ausgaben von 475000 Franken entscheiden die Stimmbürger am 21. Mai an der Urne.

Schweizer Steine sind bis 25 Prozent teurer

Die gut zwei Dutzend Altdorfer an der Informationsveranstaltung interessierten sich aber nicht für die Kosten, sondern vor allem für die Herkunft der neuen Pflasterung. «Die Steine werdet ihr hoffentlich nicht von weiss Gott woher herankarren», tönte es aus dem Publikum. Gemeindepräsident Kälin konnte Entwarnung geben: «Ich garantiere, dass kein Stein aus China verbaut wird.» Stattdessen würden Steine aus der Schweiz oder aus dem Raum Europa bezogen. Doch auch dagegen regte sich Widerstand. «Warum importieren wir überhaupt Steine, wenn wir sie doch direkt vor der Nase haben?», fragte ein anderer Altdorfer. Anton Arnold, Leiter der Bauabteilung, sagte: «Der Auftrag für Bauarbeiten und Steinlieferung muss zwingend öffentlich ausgeschrieben werden.» Bei der Wahl der wirtschaftlich günstigsten Offerte spiele der Preis eine wesentliche Rolle, so Peter Cathry, Bereichsleiter Tiefbau und Umwelt. «Dieser kann bei Schweizer Steinen bis zu 25 Prozent höher sein als bei solchen aus dem europäischen Raum. Wir werden aber auch Herkunft und Ökobilanz einbeziehen.» Bis zur Abstimmung werde nicht klar sein, woher die Steine kommen sollen.

Für Diskussionen sorgte auch die Machart der neuen, hindernisfreien Pflasterung. Anders als im restlichen Altdorf soll diese in Mörtel statt in Sand gesetzt werden. «Damit weicht man grundlos vom Altdorfer Dorfcharakter ab», sagte Christian Bauer, Altdorfer und Handwerker in der Denkmalpflege. Peter Cathry verwies auf die Vorgaben der Behindertenorganisation Procap, welche die Erneuerung begleitet. Es gebe zwar einen gewissen Ermessensspielraum bei der Einhaltung dieser Vorgaben, so Cathry. «Momentan sind die Mörtelfugen jedoch fest eingeplant.»

Schützengasse und Hellgasse bleiben begehbar

Unabhängig von Steinen und Fugen – laut wird es auf alle Fälle: «Das lässt sich leider beim Bauen nicht vermeiden», sagte Kälin. Die Erfahrung aus der Erneuerung des Winkelplatzes habe aber gezeigt, dass mit einer guten Kommunikation die Unannehmlichkeiten für Geschäfte und Anwohner in Grenzen gehalten werden könnten. «Wir werden über besonders lärmintensive Arbeiten jeweils frühzeitig informieren», so Kälin. Der Zugang zu den Geschäften werde zudem jederzeit gewährleistet, und die Gassen blieben begehbar, teilweise über Fussgängerstege.

Nach Sanierung ist zwanzig Jahre Ruhe

Acht Monate müssen die Betroffenen damit leben, dann soll der Bau Ende Oktober 2018 abgeschlossen sein. Gelingt dies nicht, erhält die Abwasser Uri für das Projekt keine Subventionen vom Kanton. «Aufgrund diverser anderer Projekte konnten wir die Sanierung nicht früher realisieren», sagte Daniel Geisser, Betriebsleiter Abwasser Uri. Die Gemeinde hatte zwar mit dem Projekt gerechnet, so Cathry. «Dass es nun so schnell gehen musste, hat uns Ende 2016 aber doch überrascht.» Immerhin wäre nach der Erneuerung erst mal Ruhe: «In den nächsten zwanzig Jahren müsste an der Pflasterung und den Werkleitungen nichts mehr gemacht werden», versicherte Gemeindepräsident Kälin.

Und was, wenn die Altdorfer am 21. Mai Nein stimmen? «Der Plan B lautet, nach der Sanierung der Werkleitungen den bisherigen Zustand wiederherzustellen», so Kälin. Der Gemeindepräsident gibt sich jedoch zuversichtlich: «Wir wollen eine Lösung, die besser ist als die heutige. Das sollten wir schaffen.»

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