ALTDORF: Das will der neue Dätwyler-CEO

Bei Dätwyler hat Dirk Lambrecht (56) per Anfang Jahr die Konzernleitung von Paul Hälg übernommen. Der Hamburger muss vor allem in einer Sparte Resultate liefern.

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Dirk Lambrecht hat das Ruder beim Altdorfer Weltkonzern übernommen. (Bild: PD)

Dirk Lambrecht hat das Ruder beim Altdorfer Weltkonzern übernommen. (Bild: PD)

Maurizio Minetti

 

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Dirk Lambrecht tritt in grosse Fussstapfen. Der 56-Jährige hat am 1. Januar als CEO des Altdorfer Industriekonzerns Dätwyler die Nachfolge von Paul Hälg angetreten. Hälg, der auch den Verwaltungsrat des Baarer Baustoffherstellers Sika präsidiert, hat Dätwyler in den letzten zwölf Jahren verschlankt und die Marge von knapp 4 Prozent auf deutlich über 10 Prozent erhöht. Er soll nun an der Generalversammlung im März zum Verwaltungsratspräsidenten von Dätwyler gewählt werden. Ulrich Graf, seit zwölf Jahren Präsident, wird dann zurücktreten.

Lambrecht übernimmt das Ruder in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten: Er sieht sich mit Herausforderungen wie der Frankenstärke und der Digitalisierung konfrontiert. Das Umfeld ist für den Maschinenbauingenieur aber alles andere als neu. Bereits seit Mai 2005 arbeitet der gebürtige Hamburger bei Dätwyler. «Mich hat Dätwyler damals fasziniert. Gleichzeitig lag die Marge im Bereich der Dichtungskomponenten bei tiefen 3 bis 4 Prozent – es gab also viel Potenzial nach oben», erinnert er sich.

Winzige Marge im Elektronikgeschäft

Bis Ende September 2016 führte er als Mitglied der Konzernleitung den Konzernbereich Sealing Solutions, in welchem die früheren Konzernbereiche Sealing Technologies und Pharma ­Packaging zusammengefasst sind. In diesem Segment vereint Dätwyler das Geschäft mit der Herstellung von Dichtungskomponenten für die Auto-, Pharma- und Konsumgüterindustrie. Die Sparte hat in den letzten Jahren unter Lambrechts Leitung geglänzt: Die Ebit-Marge lag im letzten Geschäftsjahr bei fast 18 Prozent. Gleichzeitig wurde die Zahl der Schweizer Angestellten in dieser Sparte sogar leicht erhöht. Das ist in der Industrie keine Selbstverständlichkeit. Im Oktober 2016 hat nun Torsten Maschke die Führung der Sparte übernommen.

Die Ernennung von Lam­brecht zum Konzern-CEO kann angesichts seines Erfolgsausweises auch als Anerkennung für seine Arbeit im Sealing-Bereich gewertet werden. Ein ähnliches Kunststück soll dem in Zug wohnhaften CEO nun auch für das zweite Standbein gelingen: Im Handel mit Elektronikkomponenten sind die Margen nach wie vor tief. Der Gewinn auf Ebit-Stufe betrug 2015 lediglich 0,3 Millionen Franken. Um den Konzernbereich Technical Components zu stärken, wollte Dätwyler 2016 den britischen Elektronikgrosshändler Premier Farnell übernehmen. Doch der Mitbewerber Avnet bot einen höheren Preis, und Dätwyler musste sich zurückziehen (Ausgabe vom 19. August 2016).

Dätwyler könnte von Trump profitieren

«Wir haben nach wie vor eine gefüllte Kriegskasse und sind bereit für Zukäufe», erklärt Lambrecht die Stossrichtung seiner Strategie. Der Fokus auf Akquisitionen dürfte unter Lambrechts Leitung zunehmen. Nur so kann der Konzern das Ziel erreichen, bis 2020 den Jahresumsatz auf 2 Milliarden Franken zu verdoppeln und eine Ebit-Marge von 12 bis 15 Prozent zu erreichen.

Lambrecht sieht bei mittelgrossen Distributoren Potenzial für mögliche Übernahmen. Ausserdem wolle man an verbesserten Serviceleistungen und Optimierungen des Produktportfolios arbeiten, sagt der neue CEO. In der Industrie spiele der Zeitfaktor eine immer grössere Rolle. «Wir müssen künftig alle Teile, die von unseren Kunden schnell benötigt werden, an Lager haben.» Dätwyler hat schon unter der Leitung von Hälg in den letzten Monaten bekräftigt, dass insbesondere in Amerika Wachstumspotenzial besteht. So will Dätwyler in den kommenden zwei Jahren im US-Bundesstaat Delaware mehr als 100 Millionen Franken in ein neues Werk für die Fertigung von Elastomerkomponenten für die Pharmaindustrie investieren.

Angesprochen auf mögliche Auswirkungen des gewählten Präsidenten Donald Trump auf das US-Geschäft von Dätwyler wird Lambrecht vorsichtig: «Wir wissen nicht, was die Trump-Administration mit sich bringen wird.» Was Lambrecht nicht sagt: Dätwyler könnte von der angekündigten Abschottungspolitik von Donald Trump durchaus profitieren. Das Werk in Delaware beliefert ausschliesslich den lokalen Markt. Wenn also zum Beispiel der Markteintritt für chinesische Hersteller von Dichtungskomponenten schwieriger werden sollte, könnte Dätwyler zum Zug kommen. Mit der Produktion in den USA will Dätwyler voraussichtlich im ersten Halbjahr 2018 beginnen. Am neuen, hoch automatisierten Standort sollen rund 120 Mitarbeitende beschäftigt werden.

Obwohl Dätwyler weltweit mehr Stellen schafft als in der Schweiz, bleibt Uri ein wichtiges Standbein, wie Dirk Lambrecht betont. «Es sind zwar konzernweit in den letzten Jahren Stellen aus Uri verschwunden, dafür haben wir aber die bestehenden Kompetenzen verstärkt.»

Heute arbeiten 860 Personen im Kanton Uri. In Schattdorf soll demnächst das Kompetenzzentrum im Bereich Sealing Solutions ausgebaut werden.